FC Bayern II: Das passiert jetzt mit den Drittliga-Meistern
Der FC Bayern München II holte als Aufsteiger in der 3. Liga den Meistertitel. Spieler wie Chris Richards, Lars Lukas Mai, Leon Dajaku, Christian Früchtl, Sarpreet Singh, Oliver Bastista Meier, Niklas Kühn und Jamal Musiala wecken Begehrlichkeiten. Zudem stellt sich die Frage, wem der nächste Schritt im Profi-Team von Trainer Hans-Dieter Flick gelingt. Jetzt werden die Weichen gestellt.
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Herbert Hainer hat in der aktuellen Ausgabe des Vereinsmagazins "51" angesprochen, was sich der eine oder andere Fan des FC Bayern München vor kurzem mal gedacht haben dürfte.
So fragte der Präsident des Rekordmeisters offen, warum eine zweite Mannschaft nicht auch in der 2. Bundesliga spielen dürfe. "Ich denke, dass man sich da in Deutschland durchaus mal Gedanken machen sollte", sagte der 66-Jährige. Als Leistungssportler strebe man schließlich "nach dem Maximum".
Konkret ging es Hainer dabei natürlich um "seine" zweite Mannschaft, die des FC Bayern, die jüngst in der 3. Liga auf Platz eins, sprich auf dem Meisterrang eingelaufen war. Das brachte dem Team von Sebastian Hoeneß viel Aufmerksamkeit, aber eben keine weiteren nennenswert positiven Konsequenzen ein - in der kommenden Saison muss der FC Bayern II wieder drittklassig ran, so will es das Reglement.
Fünf Bundesliga-Debütanten für Bayern
Über das Für und Wider dieser Regelung lässt sich diskutieren; nicht aber darüber, dass Hoeneß mit Bayern II - wohlgemerkt als Aufsteiger - eine überragende Saison hingelegt und damit eingelöst hat, was seinem Onkel Uli Hoeneß einst mit Gründung des FC Bayern Campus vorschwebte: Nachwuchsarbeit, die sich auszahlt.
Mit Joshua Zirkzee (19), Sarpreet Singh (21), Oliver Batista Meier (19), Chris Richards (20) und Jamal Musiala (17) feierten zudem gleich fünf Nachwuchsspieler in der abgelaufenen Saison ihr Bundesliga-Debüt.
"Immer mehr Talente klopfen bei den Profis an, unsere Jugendarbeit wird mehr und mehr zum Quell von jungen Spielern - endlich, wo David Alaba der Letzte war, der vor über zehn Jahren den Sprung geschafft hat", freute sich auch Hoeneß-Nachfolger Hainer bei "51".
Höjbjerg, Dorsch und Fein als Vorbilder
Erfolgreiche Nachwuchsarbeit lässt sich unterschiedlich definieren: Zum einen sollen in U17, U19 und U23 natürlich die Bayern-Stars von morgen reifen. Bei Bayern ausgebildete Spieler dürfen natürlich auch anderswo den Sprung ins (erst- bzw. zweitklassige) Profibusiness schaffen und für den FCB Ablöse-Einnahmen (bzw. Ausbildungsentschädigungen) generieren.
Pierre-Emile Höjbjerg (24), Kapitän des FC Southampton, oder Niklas Dorsch (22), der vor einem Wechsel vom Beinahe-Aufsteiger 1. FC Heidenheim zum Champions-League-erprobten KAA Gent steht, seien hier als Beispiele genannt.
Richtig rund wird die Sache, wenn - wie bei Adrian Fein - ein Nachwuchsspieler nach verheißungsvollem Start im Nachwuchsbereich ausgeliehen wird, woanders erste Profi-Erfahrungen sammelt (Regensburg, HSV) und dann als bereits gestählter Profi zu Bayern zurückkehrt.
Rummenigge lockt mit Versprechung
"Wir müssen unseren Kader angesichts des fürchterlichen Rahmenterminkalenders in den nächsten zwei Jahren mit Talenten verbreitern - nicht mit Stars", sagte Karl-Heinz Rummenigge zu "France Football".
Gemessen an Profi-Aussichten bietet der aktuelle Drittliga-Meisterkader reichlich Potenzial. Einige Abgänge stehen schon fest: Der als bester Drittliga-Spieler ausgezeichnete Torjäger Kwasi Okyere Wriedt (24 Treffer), mit 25 ohnehin schon "zu alt" für die U23, wechselt zu Willem II in die Ehrendivision. Linksverteidiger Derrick Köhn, 21, folgt ihm zum gleichen Klub. Woo-yeong Jeong, 20, wird es nach Leihende wohl ein weiteres Mal beim SC Freiburg probieren.
Für viele andere Drittliga-Meister geht nun die spannende Phase los. Der Erfolg weckt Begehrlichkeiten, Anfragen häufen sich. Dass die Bayern-Profis noch im Champions-League-Betrieb sind, macht die Kader-Planungen für den Unterbau doppelt schwer.
Früchtl bekommt Nübel vor die Nase gesetzt
So muss zum Beispiel Torwart Christian Früchtl, 20, abwägen: Lass ich mich jetzt auf ein Angebot eines anderen Klubs ein oder strebe ich ein Leihgeschäft an? Bleibe ich bei Bayern in der dritten Liga oder reicht es perspektivisch sogar zum (dauerhaften) Sprung zu den Profis? Und wenn ja: Bekomme ich dort auch wirklich die so dringend benötigte Spielpraxis?
Bei Früchtl, den Profi-Torwarttrainer Toni Tapalovic protegiert, geht die Tendenz gen Leihe - auch, weil die Profis bekanntlich Alexander Nübel ablösefrei verpflichtet haben. Sven Ulreich überlegt allerdings noch, den Verein zu wechseln. Auch davon hängt Früchtls Perspektive ab.
Ron-Thorben Hoffmann, 21, der nach der Coronapause das Bayern-II-Tor hütete, als Früchtl vornehmlich mit dem Bundesliga-Team isoliert war, würde dann Stammkeeper in der dritten Liga werden.
"Air Richards" vor dem Abflug
Innenverteidiger Chris Richards, 20, hängt nach einer formidablen Rückrunde ebenfalls in der Schwebe. Eigentlich stünde der nächste Schritt an. Bei Bayern ist das jedoch kaum möglich. Mit Tanguy Nianzou Kouassi (18) haben die Profis einen weiteren Innenverteidiger von PSG verpflichtet, dazu kommt Niklas Süle nach Verletzung zurück. Dazu setzen die Bayern große Hoffnungen in Nachwuchstalent Bright Arrey-Mbi (17), der in der U19 spielt.
Den Riesensprung, den der kopfballstarke Amerikaner - Spitzname: "Air Richards" - in der abgeschlossenen Saison gemacht hat, ist auch anderen Klubs nicht verborgen geblieben. Heißt: Tut sich die Möglichkeit eines Leihgeschäfts zu einem Erstliga-Klub auf, würde Richards wohl annehmen. Angeblich sind der FC Chelsea, der FC Arsenal, der FC Valencia sowie nicht näher genannte Klubs aus den Niederlanden und Belgien interessiert. Bayern soll eine innerdeutsche Lösung präferieren.
Richards' Innenverteidigerkollege Lars Lukas "Lasse" Mai, 20, wird wohl einen ähnlichen Weg einschlagen. Bei Bayern bis 2022 gebunden, deutet alles auf eine Ausleihe hin. Der SV Darmstadt 98 sucht beispielsweise nach einer preisgünstigen Lösung für die Abwehr.
Singh auf Champions-League-Tour?
Eine Entdeckung der abgelaufenen Saison war auch Angelo Stiller, 19, im zentralen Mittelfeld. Erst im Winter von der A-Jugend hochgezogen, überzeugte der gebürtige Münchner - seinen Vorbildern Xabi Alonso und Toni Kroos entsprechend - als abgeklärter Stratege. Auch er ist begehrt, die Tendenz geht aber aktuell zum Verbleib im Drittliga-Kader.
Ein Leidtragender der Corona-Krise war dagegen Sarpreet Singh, 21. Der Neuseeländer fungierte als Wandler zwischen den Welten: Zwischen Profi-Training, Bundesliga-Kader und Drittligamannschaft pendelnd, schwanden die Spielminuten des zentralen Mittelfeldspielers in der Rückrunde. Mit sieben Treffern war er dennoch zweitbester Torschütze der Drittliga-Vertretung.
Gut möglich, dass Singh mit Joshua Zirkzee, 19, und Michael Cuisance, 20, mit den Profis auf Champions-League-Tour gehen darf. Gut für Singh: Profi-Trainer Hans-Dieter Flick schätzt ihn. Seine Einsatzchancen in der ersten Mannschaft sind jedoch gering, seine Zukunft unklar.
Dajaku, Batista-Meier, Kühn: Viel Talent in der Offensive
Wie Singh pendelte auch Leon Dajaku, 19, zwischen erster und zweiter Mannschaft. Unter Hoeneß fiel der Rechtsaußen als Meistertorschütze beim 2:2 gegen den MSV Duisburg auf. Der ehemalige Stuttgarter überzeugte mit Einsatzwillen, gilt als noch eher ungeschliffener Rohdiamant und könnte deshalb weiter in der Drittligamannschaft reifen.
Laut "Sport1" ist allerdings auch der FC Utrecht interessiert, laut "Kicker" könnte es ihn auch in die 2. Bundesliga ziehen.
Oliver Batista-Meier, 19, pendelte in der abgelaufenen Saison sogar zwischen drei Mannschaften (U19, U23, Profis), erzielte insgesamt 19 Tore und feierte gegen Düsseldorf (5:0) sein Bundesliga-Debüt als Joker. In der dritten Liga kam der Offensivspieler zuletzt aber nur sporadisch zum Zug. Zukunft: offen, die TSG 1899 Hoffenheim soll laut "Kicker" interessiert sein.
Nicolas Kühn, 20, haben die Bayern unlängst fix von Ajax Amsterdam verpflichtet und bis 2023 gebunden. Der Flügelstürmer, 2019 mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet, hatte mit Hoeneß schon in der U19 von RB Leipzig zusammengearbeitet, ehe ihn die Niederländer im Januar 2018 für 2,5 Mio. Euro abwarben. Weil seine Entwicklung dort stagnierte, liehen ihn die Bayern im Winter aus und zeigten ihm nun, nach guten Auftritten, eine Perspektive auf.
"Er ist ein technisch starker, flinker Spieler, der sich gut bei uns eingefügt und seinen Anteil an der Meisterschaft hat", sagte Nachwuchsleiter Jochen Sauer: "Wir versprechen uns viel von ihm in der Zukunft."
Wird Arp der Wriedt-Nachfolger?
Potenzial bewies auch Malik Tillman, 18, mit fünf Toren in acht Einsätzen. Der Bruder des Fürther Profis Timothy Tillman strebt einen ähnlichen Karriereweg an, ist körperlich auch schon extrem präsent für sein Alter. Der Offensivspieler kann 2020/21 für die dritte Liga planen.
Theoretisch wäre das auch für Fiete Arp, 20, ein erstrebenswerter Weg. Der Angreifer stand nur zweimal im Profi-Kader, sollte von Flicks Gnaden erstmal in der zweiten Mannschaft Fuß fassen, hat jedoch ein verletzungsdurchzogenes Jahr hinter sich. In seinen zwölf Drittliga-Einsätzen konnte Arp sein großes Potenzial immerhin andeuten (drei Tore), dennoch verlief die Saison erneut ernüchternd.
Bei Bayern schätzen sie jedoch seine aufgeschlossene, bodenständige Art ohne Allüren (angebliches Jahresgehalt: fünf Millionen Euro). Durch den Wechsel von Wriedt wäre zudem die Mittelstürmerposition der zweiten Mannschaft vakant. Ein Leihgeschäft wird aber ebenfalls in Betracht gezogen.
Ein Rucksack für Musiala
Große Stücke halten sie bei Bayern auch auf Jamal Musiala, 17, der mit seiner Einwechslung gegen Freiburg zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Vereinsgeschichte avancierte (17 Jahre, 125 Tage). Der englische Juniorennationalspieler mit deutschen Wurzeln (spricht fließend Deutsch), den Bayern wie Arrey-Mbi vor der Saison von Chelsea verpflichtet hatte, hatte 2019/20 eigentlich bei der U17 begonnen und war in der Winterpause in die U19 aufgerückt.
Nach der Coronapause wurde er als Kaderergänzung zur Drittliga-Mannschaft geschickt, erzielte dort einen Doppelpack als Joker gegen Zwickau (2:0). Schließlich wurde er sogar von Flick in der Bundesliga berücksichtigt - ein irrwitziger Aufstieg innerhalb eines Jahres.
Nun bleibt abzuwarten, wie schwer der Rucksack für die schmächtigen Schultern Musialas damit geworden ist. Sein Speed ist jedenfalls bemerkenswert, die Anpassung an Drittligafußball gelang ihm spielend. "Er ist technisch sehr gut und entwickelt Dynamik, wenn er im Ballbesitz ist", lobte Flick, trat aber auch auf die Bremse: "Er ist ein junger Spieler und muss den ein oder anderen Schritt noch machen, um Dinge so umzusetzen, wie es die Profis machen."
Tendenz: Musiala pendelt in der neuen Saison weiter zwischen den Bayern-Teams.
Auch Sebastian Hoeneß begehrt
In Summe ist vieles für Bayerns Drittliga-Meister noch unklar, von vielen Faktoren und Interessenlagen abhängig. Wer am 18. September zum Start der neuen Saison für Bayern II aufläuft, ist aktuell kaum abzusehen, ebenso wenig die Erfolgsaussichten.
Würde man Trainer Sebastian Hoeneß jetzt eine (abstiegs)sorgenfreie Drittliga-Saison irgendwo im Mittelfeld der Tabelle anbieten, würde er sicher annehmen. Wobei: Auch Hoeneß' Zukunft bei Bayern darf aktuell zumindest infrage gestellt werden – angeblich interessieren sich die TSG 1899 Hoffenheim und der 1. FC Nürnberg für den Neffen des langjährigen Bayern-Machers.
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