FC Bayern - Mönchengladbach: Sinnbild für die Probleme der Liga

Der FC Bayern eilt nach dem 2:1-Sieg über Champions-League-Aspirant Borussia Mönchengladbach mit Riesenschritten der achten Meisterschaft in Folge entgegen. Trotz tiefgreifender personeller Probleme, veränderter Taktik und eines frech aufspielenden Gegners, wie es ihn in der Allianz Arena lange nicht gab, steht am Ende das gewohnte Ergebnis. Ein Sinnbild für die Probleme der Bundesliga.

FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach: Benjamin Pavard jubelt

Fotocredit: Imago

Es sind Spiele wie diese, die Meisterschaften entscheiden - und es sind eben Mannschaften wie die Bayern, die Meisterschaften gewinnen. So oder so ähnlich könnten die Erkenntnisse nach dem 2:1-Sieg des FC Bayern München über Borussia Mönchengladbach, dem zehnten Ligasieg in Serie, lauten.
Es braucht nicht immer Galafußball, manchmal besinnt sich selbst der Rekordmeister auf einfachste Grundtugenden und arbeitet den Gegner Stück für Stück weg. Dass die Münchner gegen enorm starke Gladbacher trotz personeller Engpässe und lange Zeit fehlender Spielkontrolle drei Punkte holten, beeindruckt nicht nur - es legt auch schonungslos offen, warum es seit bald acht Jahren nicht gelingt, den Bayern den Meistertitel zu entreißen.

Gladbach lässt zu viel liegen

"Ich denke immer, wenn es ein bisschen knapp ist und man Spiele zu seinen Gunsten entscheidet, freut man sich etwas mehr", bilanzierte Manuel Neuer nach getaner Arbeit wohl wissend, dass der Dreier gegen die "Fohlen" der letzte wirklich harte Brocken auf dem Weg zum Titel war: "Jetzt können wir gegen Bremen die Meisterschaft klarmachen."
Keine Selbstverständlichkeit, denn lange sah es so aus, als würde das um die Champions-League-Qualifikation kämpfende Gladbach mindestens einen Zähler aus der menschenleeren Allianz Arena entführen können. Das Team von Trainer Marco Rose war über weite Strecken die bessere Mannschaft, spielte couragiert und hatte vor allem im ersten Durchgang Chancen für mehrere Tore. Der einzige Treffer für die Elf vom Niederrhein fiel aber durch ein Eigentor von Benjamin Pavard.
"Hier in München bekommst du nicht viele Gelegenheiten, aber wir haben uns einige erspielt und die müssen wir eiskalt nutzen. Deswegen haben sich die Jungs mit einer sehr aufopferungsvollen und kämpferischen Leistung nicht belohnt", meinte Rose.

FC Bayern: Sieg trotz schlechter Vorzeichen

Dabei erwischten die Bayern nicht mal einen besonders guten Tag, was mitunter an personellen Änderungen lag.
Mit Robert Lewandowski (30 Tore, vier Assists), Thomas Müller (Sieben Tore, 20 Assists) und Philippe Coutinho (Acht Tore, sechs Assists) fehlte ein Trio, das kombiniert an 75 der 92 Tore direkt beteiligt war. "Ich bin nicht einer, der gerne über Spieler redet, die nicht spielen. Aber natürlich sind Thomas und Robert wichtige Spieler für uns", gab Flick angesprochen auf sein Top-Duo (Lewandowski/Müller) zu.
Einerseits ist es beruhigend zu wissen, dass auch der große FC Bayern an solchen Ausfällen zu knabbern hat - auf der anderen Seite ist es ein Sinnbild für die Probleme der restlichen 17 Bundesligisten, dass die Bayern nicht einmal unter vermeintlich schlechten Vorzeichen (keine Topform, fehlende Leistungsträger) Punkte lassen.

FC Bayern: Keiner will es mehr

Von einem "harten Stück Arbeit" sprach Flick nach dem Spiel. "Das war uns aber auch vorher bewusst, weil wir einige personelle Dinge verändert haben." Neuer erklärte nach Spielende: "Weniger Ballbesitz, mehr Mittelfeld-Pressing, Gladbach etwas kommen lassen. Das war heute unsere Marschroute."
Klar, es ist bayern-untypisch, freiwillig ein Stück Spielkontrolle abzugeben, doch die Klasse einer Mannschaft zeigt sich eben auch darin, den Gegner mit neuen taktischen Varianten überraschen zu können. "Arbeitssiege können wir auch gut. Das hat man heute gesehen", stellte Neuer richtigerweise fest.
Am Ende sind es neben allen spielerischen Qualitäten vor allem auch mentale Dinge, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Leon Goretzka, der mit seinem Siegtreffer (sechs Tore in der Rückrunde) zum Matchwinner avancierte, brachte es auf den Punkt. Dynamik sei im heutigen Fußball zwar "essentiell", doch mit "vielen Spielen in den Beinen" sei es "am Ende auch eine Willensleistung".
Und die Antwort auf die Frage "Wer will es am meisten?", lautet seit nunmehr fast einem Jahrzehnt: Der FC Bayern.
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