FC Bayern München | Diese Bayern-Probleme muss Flick schnell lösen

Niko Kovac ist als Trainer des FC Bayern München Geschichte. Hansi Flick übernimmt. Der 54-Jährige blickt auf einen ganzen Berg von Aufgaben, die er bewältigen muss. Die Hierarchie in der Mannschaft, Kimmichs Position, die Abwehr-Problematik und das Ding mit Thomas Müller. Wir haben die wichtigsten Fragen an Flick für ihn herausgearbeitet. Hier muss der neue Bayern-Coach schnellstmöglich ran.

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Plötzlich ist Hansi der Chef.
Nach dem turbulenten Sonntag an der Säbener Straße ist Niko Kovac nicht mehr Bayern-Trainer. Die neue Woche beginnt mit einem neuen Mann auf der Kommandobrücke: Flick macht's.
Der Klub zog nach der deftigen Abreibung in Frankfurt und den unbefriedigenden vorangegangenen Wochen also die Reißleine. Es bestand "Handlungsbedarf" wurde Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in der Pressemitteilung zitiert. Er, Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic hätten die Entscheidung gemeinsam mit Kovac in einem "offenen und seriösen Gespräch" erörtert und seien zu einem "einvernehmlichen Ergebnis" gekommen.
Am Ende schied man eine Ehe, die im Rückblick vom Start weg ein mittelgroßes Missverständnis war. Schon im Sommer hatte man Flick als mediatorisch arbeitenden Co-Trainer dazugeholt. Was tief blicken lässt, hatte Kovac doch wenige Monate vorher das Double geholt.
Nun ist Kovac weg und Flick der Chef - so schnell kann's gehen. Erstmal für die zwei wichtigen Spiele vor der Länderspielpause. Gegen Piräus und Dortmund muss der 54-Jährige die Mannschaft hinter sich versammeln und neu ausrichten.
Dabei springen einige Problemfelder besonders ins Auge.
Diese muss Flick umgehend beackern.

1. Die Hierarchie muss geordnet werden: Wer ist der Boss?

Manuel Neuer stellte sich.
Der Bayern-Kapitän sprach natürlich auch nach der Niederlage in Frankfurt mit der Presse. So hatte er es immer gehalten. Der Torhüter ist der unumstrittene Anführer des Teams. Er prognostizierte bereits "unruhige Tage" an der Säbener Straße, da hatte er den fünften Ball gerade erst aus dem eigenen Netz geholt. Und natürlich behielt er recht.
Nun ist das Mannschafts-Alibi Kovac weg. Die Führungsspieler sind mehr denn je gefragt. Sie müssen Interimstrainer Flick unterstützen. Auf Neuer ist dabei Verlass. Dahinter wird sich herauskristallisieren, wer bereit ist. Joshua Kimmich, der verletzte Abwehrchef Niklas Süle, Torjäger Robert Lewandowski und Thiago wollen mehr Verantwortung übernehmen.
Gut möglich aber, dass Flick in dieser für Bayern-Verhältnisse schweren Phase auf ihm vertrautere Kräfte setzt.
Der 54-Jährige ist Weltmeister, war von 2006 bis 2014 Co-Trainer von Joachim Löw bei der deutschen Nationalmannschaft. Anschließend war er von 2014 bis 2017 als Sportdirektor des DFB tätig. "Hansi hat enorme Qualitäten, sowohl fußballfachlich, wie gerade auch im menschlichen Bereich", sagte der Bundestrainer einmal über seinen Freund.
Flick hat vor allem zu den 2014-Weltmeistern Jérôme Boateng, Thomas Müller und eben Neuer ein gutes Verhältnis. Auch um Javi MartÍnez kümmerte er sich, als der in den vergangenen Wochen kaum noch zum Zug kam. Der Trainerwechsel ist auch eine Chance für diese Spieler.
Am Montag - Flicks erstem Tag in der Verantwortung - war trainingsfrei. Ab Dienstag läuft die heiße Phase. Dann muss die Mannschaft ihrem neuen Trainer beweisen, aus welchem Holz sie geschnitzt ist.

2. Das Abwehr-Problem muss gelöst werden

Schon 22 Gegentore in 16 Pflichtspielen hat der Rekordmeister in dieser Saison kassiert. Ein überdurchschnittlich hoher Wert. Dazu kommt die unverschuldete Verletzungsmisere. Niklas Süle und Lucas Hernández fallen lange aus.
Nach der Sperre von Boateng steht Flick für das Bundesligaspiel gegen den BVB in Benjamin Pavard nur ein gelernter Innenverteidiger zur Verfügung - Nachwuchsmann Lars Lukas Mai mal ausgeklammert. Kovac hatte zuletzt viel rotiert. Der neue Bayern-Coach wird versuchen, etwas Stabilität zurückzubringen.
Pavard und Martínez in der Mitte, flankiert von Kimmich und Alaba wäre eine Variante, die Flick wählen könnte. Damit würde er sich auch gleich an der Lösung des dritten Problems zu schaffen machen.

Was genau ist Kimmichs Position?

Der Nationalspieler hat ganz genaue Vorstellungen, was seine Position auf dem Fußballplatz angeht. Wie bei Jogi will Kimmich auch in der Allianz Arena im Mittelfeld spielen. Da wurde er zuletzt auch immer besser.
Durch die Not in der Abwehr musste er dann aber immer wieder hinten rechts aushelfen. In Frankfurt dann spielte er wieder im Mittelfeld. In MartÍnez, Tolisso und Goretzka bleiben gleich drei potentielle Starter für die Zentrale draußen.
Das ständige Hin und Her mit Kimmich verunsicherte die Mannschaft. Flick wird eine Grundsatzentscheidung treffen müssen, um Klarheit zu schaffen. Auch wenn sie eventuell gegen den unmittelbaren Willen des Spielers geht.
"Ich erwarte jetzt von unseren Spielern eine positive Entwicklung und absoluten Leistungswillen", sagte Sportdirektor Salihamidzic. Egal auf welcher Position sie spielen.

Das Ding mit Thomas Müller - und was ist eigentlich mit Coutinho?

Kovac hatte versucht, die Geschichte zu bereinigen. Entschuldigungen und Startelfeinsätze kamen aber zu spät. Das Verhältnis von Vereins-Heiligtum Müller zu seinem Trainer war längst nicht mehr zu kitten. Zu sehr hatte der 48-Jährige den Fan-Liebling durch Nichtberücksichtigungen im Wochentakt und unbedachte Äußerungen auf Pressekonferenzen ("Wenn Not am Mann ist...") beschädigt.
Nun wird Müller unter seinem DFB-Förderer Flick vom Notnagel wieder zum wichtigen Stützpfeiler des Teams. Der Weltmeister von 2014 dürfte dies als Chance begreifen und beweisen wollen, dass er immer noch - auch nach 500 Spielen in Rot - unverzichtbar für die Münchner ist.
Ähnliches will auch Philippe Coutinho endlich unter Beweis stellen. Der Brasilianer war zu Beginn seiner Münchner Zeit ganz manierlich in Form gekommen. Verschwand dann aber in der allgemeinen Unruhe in und um den FC Bayern.
Das Offensivspiel des Rekordmeisters wurde in erster Linie von Lewandowski und Serge Gnabry getragen. Der Brasilianer drückte seinen Stempel nur noch äußerst zaghaft auf. Mit Kovac wurde er nie komplett warm.
Flick wird nun versuchen, den schüchternen Neuzugang in Einzelgesprächen in Richtung Hochform zu reden.
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