FC Bayern München: Joshua Zirkzee feiert fulminantes Debüt gegen den SC Freiburg

Joshua Zirkzee wird nach 104 Bundesliga-Sekunden zum Matchwinner für den FC Bayern München. Beim 3:1 (1:0)-Sieg beim SC Freiburg erzielt der 18-Jährige in der Nachspielzeit das 2:1 und feiert danach mit einem Social-Media-Selfie. Seit seinem Wechsel 2017 von Feyenoord Rotterdam zum FC Bayern deutete Zirkzee bereits sein großes Talent an - sorgte aber auch schon für Stirnrunzeln.

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Joshua Zirkzee grinst, sein linker Daumen zeigt nach oben. Im Hintergrund: das sich leerende Schwarzwald-Stadion in Freiburg. Nicht im Bild: Der ganze Haufen Steine, der dem FC Bayern kurz zuvor durch Zirkzees Tordebüt von der Seele gefallen war.
Beim FC Bayern drückt man seit kurzem gerne dem Man of the Match direkt nach Abpfiff ein Handy in die Hand. Dass das Smartphone am Mittwochabend in den Händen des 18-jährigen Debütanten landete, hatte er vor allem einem Geistesblitz von Hans-Dieter Flick zu verdanken.

120-Millionen-Mann raus - Debütant rein

1:1 stand es nach 89 Spielminuten zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern München - und Freiburg war dem Sieg näher. Doch der Bayern-Trainer hatte eine Idee.
"Ich habe mir einfach gedacht: Wenn noch eine Flanke kommt, dann kann er die eventuell reinmachen", sagte der Bayern-Coach bei "Sky" über seine Gedankengänge, just als die reguläre Spielzeit ablief.
Flick nahm Philippe Coutinho runter, den Mann mit dem 120-Millionen-Euro-Preisschild. Und brachte Zirkzee. 18 Jahre, null Bundesliga-Minuten. Keine zwei Minuten später war der ganze FC Bayern ein Jubelknäuel.

Bayerns Zukunft kommt plötzlich

"Er ist ein Stürmer, er macht es vor dem Tor eigentlich sehr gut, auch im Training", begründete Flick seinen Riecher mit Zirkzee. Den Niederländer hatte er schließlich vor ein paar Wochen höchstpersönlich zu den Trainingseinheiten der Profis hochgezogen - zusammen mit Sarpreet Singh (20), Oliver Batista-Meier (18) und Leon Dajaku (18).
In der Tat machte er es gut: Von Serge Gnabry zwar am Freiburger Fünfer hübsch freigespielt, knipste Zirkzee den Ball dennoch recht hübsch an Keeper Mark Flekken vorbei ins Glück (90.+2).
"Geil", sagte David Alaba: "Das hat er sich wirklich verdient. Er ist ein Junge, der sehr hart arbeitet und sich wirklich weiterentwickeln will. Er will lernen und hört einem zu. Es ist auch schön, mit was für einer Überzeugung der Trainer ihn einwechselt. Das dankt er ihm gleich mit einem Tor."
Dass Zirkzee überhaupt im Kader stand, lag am Pech der anderen. Weil bei Bayern derzeit sieben Profis fehlen, saßen Zirkzee, Dajaku und Singh in Freiburg als einzige Offensiv-Alternativen auf der Bank. Zirkzee hatte gegen Tottenham Hotspur (3:1) sogar schon ein paar Minuten Champions-League-Luft schnuppern dürfen, bliebt dort aber ohne Aktion. Nicht so in Freiburg.

Zirkzee drittjüngster Bayern-Torschütze in der Bundesliga

"Er ist jetzt drei Wochen etwa dabei und die Entwicklung finde ich schon sehr bemerkenswert - bei allen, die dabei sind", lobte Flick:
Mit 18 Jahren und 210 Tagen ist Zirkzee der jüngste Torschütze der laufenden Bundesliga-Saison und nach Roque Santa Cruz (18 Jahre, 12 Tage) und Alphonso Davies (18 Jahre, 135 Tage) der drittjüngste Bayern-Spieler, der in der Bundesliga traf. Außerdem ist er der jüngste niederländische Torschütze der Liga-Geschichte.
Davies hatte übrigens das 1:0 von Robert Lewandowski (16.) mit einem 70-Meter-Sprint vorbereitet.

Zirkzee: Salihamidzic nennt ihn "ein sehr großes Talent"

Zirkzees rasanter Aufstieg zum Matchwinner der Bayern-Profis ist derweil nicht minder konsequent, wenngleich es nicht nur geradlinig nach oben ging.
2017 von Feyenoord Rotterdam für die B-Jugend der Bayern verpflichtet, schlug der körperlich bereits da sehr gut entwickelte Mittelstürmer erstmal gut ein - 16 Tore konnte Zirkzee da in 19 Einsätzen in der U17-Bundesliga verbuchen. 2018/19 waren es dann zwölf Treffer in der U19-Bundesliga, dazu vier in der Youth League und vier für Bayern II in der Regionalliga.
Im April verlängerten die Bayern seinen Vertrag vorzeitig bis 2023. "Joshua ist ein sehr großes Talent", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic damals:
Zur aktuellen Saison wurde Zirkzee mit 17 dann bereits zur U23 von Trainer Sebastian Hoeneß hochgezogen.

Flick will Zirkzee am Boden halten

Neben Toren fiel Zirkzee aber auch durch die ein oder andere Undiszipliniertheit auf. In allen drei Spielzeiten flog er je einmal wegen einer Unbeherrschtheit vom Platz. Zirkzee lässt sich leicht provozieren, hat sein Frustpotenzial nicht im Griff. Zirkzee, der noch auf dem Campus wohnt, ist deshalb auch eine Herausforderung für alle Bayern-Trainer - gerade für Urgestein Hermann Gerland.
Auch ist Zirkzees Persönlichkeitsstruktur noch nicht so professionell, wie sie es sich beim FC Bayern wünschen. So ging's gegen Ende der Drittliga-Hinrunde sogar erstmal wieder den Schritt zurück zur U19 - dort sollte er wieder mehr Spielpraxis sammeln, nachdem er in 13 Einsätzen in der 3. Liga ohne Tor geblieben war (zwei Assists).
Flick will deswegen auch nicht gleich die Bäume in den Himmel wachsen lassen. Gerade bei Zirkzee. "Jetzt bleiben wir alle mal schön auf dem Boden, das ist für ihn auch wichtig", sagte der Trainer in Freiburg:
Das Sieger-Selfie soll also erst der Anfang sein.
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