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Drei Dinge, die auffielen: Thiago macht den Kimmich

Drei Dinge, die auffielen: Thiago macht den Kimmich

19/01/2020 um 20:37Aktualisiert 19/01/2020 um 21:24

Der FC Bayern München hat nach einer Leistungssteigerung in den zweiten 45 Minuten einen ungefährdeten 4:0-Sieg bei Hertha BSC eingefahren. Dabei brauchte der Meister 55 Minuten, um in Fahrt zu kommen. Nach dem 1:0 von Thomas Müller (60.) wirkte die "Alte Dame" müde gespielt. Robert Lewandowski agierte nach seiner Leisten-OP unauffällig, Thiago hingegen dirigierte nach Belieben. Was uns auffiel.

1. FC Bayern spielt die "Alte Dame" müde

55 Minuten agierte der FC Bayern einfallslos, fast schon behäbig. Der Meister hatte die Partie zwar von Beginn an fest im Griff, kam aber nicht zwingend vor das Tor von Hertha-Keeper Rune Jarstein.

Philippe Coutinho wurde im Zentrum weitestgehend von Neuzugang Santiago Ascasíbar abgemeldet, der einen sehr guten Eindruck bei seinem Hertha-Debüt hinterließ.

Thomas Müller klebte auf der rechten Außenbahn, versuchte immer wieder, mit Flanken zum Erfolg zu kommen. Doch diese fanden allesamt nicht ihr Ziel. Ganze 17 Mal versuchten es die Gäste in den ersten 45 Minuten mit Hereingaben von außen, so häufig wie noch nie in dieser Saison.

Müller war in Halbzeit eins genauso erfolglos wie Ivan Perisic über links, der sich im Eins-gegen-Eins nicht entscheidend durchsetzen konnte.

Jürgen Klinsmann ließ seine Hertha erst zehn Meter hinter der Mittellinie in der eigenen Hälfte angreifen. Die Berliner standen somit stabil, die Wege nach vorne waren aber entsprechend weit. So wurde die "Alte Dame" offensiv nicht gefährlich.

In der zweiten Halbzeit dasselbe Bild. Doch der FC Bayern erhöhte langsam die Schlagzahl, wurde zwingender. Das lag insbesondere an Ivan Perisic, der Rechtsverteidiger Lukas Klünter immer wieder entwischte, aber die Kugel zunächst nicht an Jarstein vorbeibrachte.

Besser machte es dann Thomas Müller. Der 30-Jährige schoss den Ball nach Perisic-Vorlage aus fünf Metern durch die Beine von Jarstein (60.). Auch der andere Berliner Außenverteidiger, Marvin Plattenhardt, bekam seinen Gegenspieler in den zweiten 45 Minuten nicht mehr in den Griff.

Drehte nach seinem Führungstreffer jubelnd ab: Thomas Müller

Drehte nach seinem Führungstreffer jubelnd ab: Thomas MüllerGetty Images

Das 1:0 war der Dosenöffner, Hertha fand auch im Anschluss offensiv nicht statt. Die Klinsmann-Elf wirkte ausgepowert. "Ich denke wir haben 60 Minuten gut mitgespielt", meinte Jürgen Klinsmann bei "Sky", sah aber auch ein, dass im Anschluss nichts mehr zu holen war.

Später revanchierte sich Müller und legte Perisic dann doch noch einen Treffer auf (84.). Für Müller war es im 18 Saisonspiel bereits die zwölfte Torvorlage. Bundesligarekord.

2. Lewandowski noch nicht fit

Nur 29 Tage nach seiner Leisten-OP stand Robert Lewandowski in der Bayern-Startelf. 100 Prozent fit wirkte er nicht.

"Es sind jetzt knapp zehn Tage, die er trainiert. Deshalb ist es nicht einfach, weil er seinen Antritt braucht", erklärte Bayern-Trainer Hansi Flick vor dem Anpfiff bei "Sky" und ergänzte:

"Wir wissen nicht, ob es für 90 Minuten reicht."

Es reichte. Aber auch nur, weil Lewandowski selbst per Elfmeter auf 2:0 stellte (73.) und damit das Spiel vorzeitig entschied. So ließ ihn Flick auf dem Feld, wohl auch, damit sein Torjäger konditionell gefordert wird.

Robert Lewandowski erzielte in Berlin das 2:0 vom Punkt

Robert Lewandowski erzielte in Berlin das 2:0 vom PunktGetty Images

Flick nahm dadurch auch das Risiko in Kauf, dass sich der Pole verletzt. Doch der 54-Jährige wollte offensichtlich sehen, wie weit Lewandowski nach seiner Operation schon wieder ist.

Vor seinem Treffer hatte der Angreifer nur eine auffällige Szene: Nach 25 Minuten schob er den Ball frei vor Jarstein rechts am Tor vorbei. Normalerweise verwertet Lewandowski solche Chancen blind. Der Fehlschuss passte allerdings ins Bild.

Bei den Hertha-Innenverteidigern Dedryck Boyata und Jordan Torunarigha war der Pole ansonsten in guten Händen und nahezu abgemeldet.

Dedryck Boyata (rechts) hatte Robert Lewandowski gut im Griff

Dedryck Boyata (rechts) hatte Robert Lewandowski gut im GriffGetty Images

3. Thiago macht den Kimmich

Joshua Kimmich fehlte nach seiner fünften gelben Karte gesperrt. Bislang stand der deutsche Nationalspieler in jedem Bundesliga-Spiel in der Startelf.

In Kimmichs Abwesenheit hatten Spielmacher Thiago und Leon Goretzka in der Zentrale mehr Verantwortung. In der ersten Halbzeit verschleppten sie oft das Tempo, agierten ohne Offensivdrang und oftmals einfallslos.

Nach der Pause ein ganz anderes Bild. Goretzka stieß immer wieder in die Räume, öffnete Lücken. Der 24-Jährige nahm die Hertha-Defensive damit das eine oder andere Mal aus den Angeln und schaffte damit Platz für Perisic, Müller und Coutinho.

Thiago dirigierte derweil im Zentrum, verteilte die Bälle und verlagerte so immer wieder das Spiel. Die Hertha rannte nur hinterher, bis ihnen die Puste ausging. In Durchgang zwei wurde sogar ein Joshua Kimmich beim FC Bayern nicht vermisst.

Thiago war der vielbeschriebene Dreh- und Angelpunkt und der bester Spieler der Münchner. Zudem beendete der Spanier mit dem 3:0 eine Durststrecke von fast einem Jahr ohne Bundesligator. Seinen letzten Treffer erzielte er zuvor am 27. Januar 2019 beim 4:1 gegen den VfB Stuttgart.

Dirigierte im Mittelfeld und war kaum vom Ball zu trennen: Bayerns Thiago

Dirigierte im Mittelfeld und war kaum vom Ball zu trennen: Bayerns ThiagoGetty Images

Nachdem Thiago in den ersten drei Bundesligaspielen unter Hansi Flick insgesamt nur auf 38 Minuten kam, blüht der 28-Jährige in den letzten Partien regelrecht auf. Der FC Bayern braucht den Spanier in dieser Form, wenn er in dieser Saison alle Titel holen will.

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