Ob Thomas Müller schon im Sattel sitzt und filmreif in einen dramatischen Sonnenuntergang reitet, wissen wir nicht. Vorstellbar aber ist, dass der engagierte Hobbyreiter das Zaumzeug schon bereit gelegt hat.

Denn neuerlich knallt ihm sein Arbeitgeber FC Bayern München einen sogenannten Hochkaräter vor den Latz. Philippe Coutinho, wieder einen Südamerikaner. Wieder? Ja, denn vor dem Brasilianer war es James Rodríguez aus Kolumbinien, der als Heilsbringer verpflichtet worden war.

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Müller hat ihn überlebt. Und vermutlich können die Rösser im Stall bleiben, denn auch Coutinho kommt, wie James, als gescheiterter Spieler seines bisherigen Vereins zu den Münchnern. Wo soll Coutinho spielen. Für Süle? Wohl kaum. Für Thiago? Unvorstellbar. Gnabry und Coman sind gesetzt.

Die Tormaschine Lewandowski sowieso. Corentin Tolisso hat mit Coutinhos Position nichts zu tun. Der muss eher Martínez fürchten. Nimmt man die vier fest vergebenen Defensivpositionen weg, bleibt nur noch der Platz von Müller (bzw. Leon Goretzka).

Thomas Müller; Robert Lewandowski

Fotocredit: Getty Images

Cuisance, Arp, Perisic, Coutinho: Ersatzspieler nach München

Es wird uns allen nämlich Coutinho, den Jürgen Klopp einst für sage und schreibe 150 Millionen Euro von Liverpool zu Barcelona transferierte, als der große Gewinn sogar für die gesamte Bundesliga verkauft. Und der FC Bayern feiert sich ob seiner tollen Einkaufspolitik nach dem Motto: Gut Ding braucht Weile.

Doch die Wahrheit sieht anders aus. Ganz anders. Jann-Fiete Arp aus Hamburg spielte zuletzt nicht mal mehr in der zweiten Liga. Mickael Cuisance aus Frankreich kam bei Borussia Mönchengladbach nicht zum Zug. Ivan Perisic passt bei Inter Mailand nicht mehr ins Konzept von Antonio Conte.

Und Coutinho war, wie gesagt, nur noch Ergänzungsspieler beim FC Barcelona. Wenn man also ganz böse ist, kann man sagen: Vor der Abwehr, wo nun Lucas Hernández und Benjamin Pavard ihren Dienst verrichten (sollen), haben die Bayern nur Ersatzspieler geholt.

Gute Verkäufer sind die Münchner offenbar auch nicht (mehr). Vor einem Jahr noch hätten die Bayern Boateng für 40 Millionen Euro nach Paris entlassen können. War ihnen zu wenig.

Jetzt fallen die Boateng-Aktien gerade in den Keller, ebenso wie jene von Sanches und auch der Marktwert von Martínez ist nicht mehr mit seinem Einkaufspreis vergleichbar. Er war seinerzeit der Königseinkauf für den FC Bayern.

Tamburin statt großer Trommel

Gut, die Münchner werden sagen: Die anderen sind in diesem Bereich vielleicht cleverer, aber wir sind Meister und Pokalsieger geworden. Aber deutlich wird auch, dass es eben nicht so ist, wie das die Macher des FC Bayern so gerne sehen: Dass sie rufen und die Fußball-Elite der Welt steht stramm.

Das große Transfer-Rad dreht sich längst ohne bayerischen Schwung, auch wenn an der Säbener Straße jetzt gerade so getan wird, als wäre die Leihgabe des FC Barcelona ein Jahrhundertdeal gewesen.

Im Grunde haben sie Restposten eingekauft, die jetzt als Kassenschlager angepriesen werden müssen. Sie schlagen in München gerne die große Trommel und haben im Moment nur eine einfellige Rahmentrommel zur Verfügung.

Ein Tamburin. Mit ein paar Schellen dran, damit es ein wenig wirkungsvoller klingt.

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