FC Bayern: Transferpläne zur Corona-Zeit - ein heikles Unterfangen

Der FC Bayern München steuert auf eine mit Spannung erwartete Transferperiode zu. Ganz einig über das Vorgehen am Markt in Zeiten der Corona-Pandemie sind sich die Verantwortlichen des Rekordmeisters aber nicht - das belegen die widersprüchlichen Aussagen der vergangenen Wochen. Zudem hat die Aufregung um Thomas Müllers Aussage gezeigt, wie heikel große Sprünge am Transfermarkt aktuell sind.

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Wenn man an den nahenden Transfersommer in Verbindung mit dem FC Bayern München denkt, schießt einem sofort ein Zitat von Sportdirektor Hasan Salihamidzic in den Kopf. Der sagte in einem Interview mit der "Welt": "Wir wollen uns mit einem Toptalent aus Europa verstärken und auch einen internationalen Star nach München bringen, der die Qualität unserer Mannschaft hebt und der Mannschaft hilft, unseren Zuschauern ergebnisstarken und attraktiven Fußball zu bieten."
Als er im April 2020 diese Aussage tätigte, hatte das Coronavirus den Sport fast weltweit längst lahmgelegt und eine Debatte über ein Umdenken bei Gehältern und Ablösesummen in Gang gesetzt. Es verwunderte daher, dass Salihamidizic eine solch forsche Ankündigung zu einer solch unsicheren Zeit in der Öffentlichkeit platzierte.
Wenig verwunderlich ist hingegen, dass der Rest der Bayern-Bosse beim Thema Transfers in diesem Sommer in geringerem Maße euphorische, ja beinahe widersprüchliche Denkweisen preisgibt.

Oliver Kahn: "Im Moment bin ich eher skeptisch"

Oliver Kahn etwa beantwortete die Fragen nach möglichen Transfers von Superstars wie Leroy Sané oder Supertalenten wie Kai Havertz in der Sendung "Sky90" eher konservativ: "Da wäre ich ganz vorsichtig, über irgendwelche Transfers im größeren Millionen-Bereich nachzudenken. Weil im Moment sind da erst mal noch ganz, ganz andere Dinge zu bewältigen, bevor dieser Markt - wenn überhaupt - wieder anspringen wird. Im Moment bin ich da eher skeptisch." Kahn fügte hinzu, dass man "gut beraten" sei, "eine gewisse Vorsicht walten zu lassen".
In einem ausführlichen Interview mit dem "Handelsblatt" beschwichtigte nun auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Man wolle die "Payroll weiter herunterfahren", kündigte der 64-Jährige an und fügte hinzu: "Wir haben eine Supermannschaft. Wir möchten aber unseren Kader etwas breiter aufstellen. Es wird in der nächsten Saison viele englische Wochen mit vielen Spielen geben, da müssen wir mehr einsatzbereite Spieler im Kader haben."

FC Bayern: Thomas Müllers "Paradox"-Aussage

Dass das Thema Transfers in diesem Jahr heikel ist, wurde nicht zuletzt auch durch die Äußerungen von Thomas Müller unmittelbar nach dem DFB-Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt deutlich. Der ehemalige Nationalspieler merkte damals an, dass es "paradox" sei, "wenn es immer um Neuzugänge geht und gleichzeitig Gehalt eingespart" werde. Eine Aussage, die Müller einen internen Rüffel von Salihamidzic einbrachte, jedoch offenbarte, dass das Thema auch in Spielerkreisen eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt.
In Zeiten der Corona-Pandemie ist ein hohes Maß an Sensibilität von allen Beteiligten gefordert. Von den Spielern, die auf Teile ihres Gehalts verzichten, um damit "normaler" bezahlten Mitarbeitern des Klubs zu helfen - aber auch vom Führungspersonal, das in Sachen Neueinkäufe mit größter Vorsicht vorgehen muss. Dass der FC Bayern, wie vom FC Liverpool bereits angekündigt, komplett auf Transfers verzichtet, ist dennoch unwahrscheinlich. "Es wird Transfers geben”, sagte auch Trainer Hans-Dieter Flick. Schließlich habe man ja auch Abgänge, die wieder finanziellen Spielraum schaffen würden.

Kaugummitransfer Leroy Sané

Aktuell ranken sich beispielsweise Gerüchte über einen Abschied von Spielmacher Thiago, der durchaus Spielraum für Transfers der Größenordnung Sané schaffen könnte. Seit Monaten wird über die nahende Einigung zwischen dem deutschen Rekordmeister und dem ManCity-Star berichtet. Zuletzt bestätigte auch Manchester-Trainer Pep Guardiola, dass Sané den Verein verlassen werde - einen genauen Zeitraum verriet er allerdings nicht.
Bereits im vergangenen Sommer hätte der deutsche Nationalspieler nach München kommen sollen, riss sich aber das Kreuzband und blieb in England. Dass sich ein möglicher Transfer in diesem Jahr weiterhin wie Kaugummi zieht, zeigt, der FC Bayern und Manchester City liegen in ihren Vorstellungen einer möglichen Ablösesumme noch immer weit auseinander.
Gut möglich, dass sich ein etwaiger Deal noch weiter in die Länge zieht. City will seinen Flügelstürmer nicht unter Wert ziehen lassen, die Bayern jedoch feilschen, weil der Transfermarkt in diesem Jahr laut Rummenigge eher ein Käufermarkt ist: "Es ist nicht viel Liquidität vorhanden, es fehlt also an Nachfrage. Nicht aber am Angebot an wechselwilligen Spielern. Das wird die Preise neu justieren."

Der FC Bayern macht nichts Unvernünftiges

Fest steht: Weder Salihamidzic noch irgendeiner seiner Sportdirektoren-Kollegen sind in diesem Sommer zu beneiden. Es ist die wohl nebulöseste Periode in der Karriere vieler Strippenzieher, weil sie so sehr durch die Corona-Pandemie beeinflusst bzw. bestimmt wird.
"Ich und alle bei uns stehen dafür, dass wir die Champions League gewinnen wollen - ohne wirtschaftlich unvernünftig zu werden" - auch dieser Satz stammt übrigens aus dem Interview von Salihamidzic aus dem April. Er relativiert seinen ursprünglichen Vorstoß nicht, schwächt ihn jedoch etwas ab.
Im Klartext: Der FC Bayern wird nicht überpacen und - notfalls - auch auf Sané verzichten.
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