FC Bayern von 7:2 zu 1:5: Ist Niko Kovac noch zu retten?
Die höchste Bundesliga-Niederlage des FC Bayern München seit über zehn Jahren bringt zwangsläufig Trainer Niko Kovac in die Bredouille. Vor einem Monat noch umjubelter 7:2-Sieger über Tottenham Hotspur haben die Bayern seither einen beeindruckenden Sturzflug hingelegt - bis zur 1:5-Bruchlandung bei Eintracht Frankfurt. Und die Zeichen für den Trainer sind alarmierend.
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Manchmal ist auch kein Statement ein Statement.
Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Noch-Präsident Uli Hoeneß, Bald-Präsident Herbert Hainer und Sportdirektor Hasan Salihamidzic sprachen nicht am frühen Samstagabend in Frankfurt, das Quartett der Bayern-Granden ging wortlos.
Die Bosse des FC Bayern München wirkten ohne Frage konsterniert ob der unerwartet hohen Niederlage bei Eintracht Frankfurt.
Beim 1:5 durch Gonzalo Paciencia blickte Hoeneß mit betretener Miene zu Boden, Rummenigge ließ es neben ihm in Denkerpose nur noch reaktionslos über sich ergehen.
Das hatten sie nicht so geplant.
Alarmierende Zeichen beim FC Bayern
Manuel Neuer - einer der wenigen, der sich stellte - wurde gefragt, wie unruhig denn nun die nächsten Tage an der Säbener Straße werden. Seine Antwort:
Kovac darf wohl weitermachen
Auch am Morgen nach der Pleite in Frankfurt gab es noch kein Statement. Es sickerte aber durch, dass der Trainer zunächst weitermachen darf. Zumindest für die beiden wichtigen Heimspiele gegen Piräus und Dortmund in dieser Woche.
Die Zeichen sind dennoch alarmierend. Erneut strauchelt der FC Bayern im Herbst, scheint nichts aus den Fehlern des Vorjahres gelernt zu haben. Dabei wähnten sich die Münchner vor ziemlich genau einem Monat noch auf einem guten Kurs.
7:2 gewannen die Bayern am 1. Oktober in der Champions League beim Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur. Zwar war auch den Münchnern nicht entgangen, dass die Spurs da außer Form waren.
Doch sie zogen offensichtlich die falschen Schlüsse aus der Jeder-Schuss-ein-Tor-Gala, wurden nachlässig. Allen voran der Trainer.
Taktisch konservativ bis lethargisch
Niko Kovac jedenfalls hätte es die letzten Wochen einfacher haben können, hätte er vor allem verbal schlauer agiert, keine Müller-Debatte angezettelt oder Coutinho schon nach wenigen Einsätzen in den Himmel gelobt. Auch die Fans der Eintracht als "beste der Liga" zu bezeichnen, war unklug.
Taktisch konservativ bis lethargisch agierend, fehlte Bayern unter Kovac zuletzt merklich der Pep - was wiederum auf den Trainer zurückfällt. Auch weil der lieber die Spieler in die Pflicht nimmt statt selbstkritisch zu sein.
Seine Zu-viele-Fehler-Statements scheinen jedenfalls in der Mannschaft nicht auf fruchtbaren Boden zu fallen. Dass der Trainer bei seinen Spielern vor allem mangelhafte "Grundelemente des Fußballs" anprangert, aber keine konkrete Spielidee anbietet, wie man dominant auftreten könnte, irritiert dem Vernehmen nach einige Bayern-Profis.
Kovac windet sich
Am frühen Samstagabend musste Kovac nun also ein 1:5 erklären. Und wand sich. Wollte erst keine Vorwürfe machen und machte sie dann doch. Wusste nicht, ob er finster dreinschauen oder lachen sollte.
So führte Kovac erneut individuelle Fehler als mehr oder weniger einzige Gründe für die Flut an Gegentoren an ("Es liegt immer wieder daran, dass man leichte Fehler macht"), mauerte dann aber auch wieder.
"Egal, was ich sage: Es ist eh zu viel beziehungsweise zu wenig, da würden wir noch Stunden hier sitzen", sagte er.
Und scherzte sogar noch ungelenk in Richtung Eintracht-Coach Hütter: "Vielleicht sollte ich mal den Adi fragen, ob er ein Rezept hat."
Der FC Bayern gibt ein ungeschicktes Bild ab
Es passt ins ungeschickte Bild, das Kovac dieser Tage erneut abgibt.
Neben den ohne Frage in zu großer Zahl vorherrschenden individuellen Fehlern wirken die Bayern zuletzt aber auch nicht scharf genug. Der Spielaufbau war in Frankfurt auch bei 0:0 schon komplett ideenlos, die Abstände nach vorne zu groß, kaum einer forderte den Ball - 81 Minuten in Unterzahl hin oder her.
Die "grundsätzlich schlechte Feldbesetzung", wie es das Taktik-Portal "spielverlagerung.de" in dieser Woche nannte, wurde mit nur zehn Bayern auf dem Feld umso greifbarer. Allen voran die massiven Probleme, wenn der Gegner nach Ballgewinn schnell umschaltet.
Das Gegenpressing war zuletzt oft wirkungslos, Pressing wird allenfalls halbherzig betrieben. Dazu reißen bei schnellen Spielverlagerungen der Gegner immer wieder Lücken auf den Flügeln auf, die die Gegner zuletzt oft zu Torvorlagen von außen nutzten - siehe Danny da Costa in Frankfurt.
Nur einer durfte sich seit 1978 ein Debakel erlauben
Nach vorne ist "Heldenfußball" auf den Schultern von Robert Lewandowski schlicht zu wenig für Bayerns Ansprüche.
Kovac weiß das. Auch, was nun kommen wird. "Ich weiß, wie das Geschäft läuft. Ich bin nicht naiv oder blauäugig", sagte er in Frankfurt, klammerte sich aber an die Lehren der Vergangenheit: "Wir hatten letzte Saison eine ähnliche Situation, in der es auch nicht gut lief und unterm Strich ist dann das Double rausgekommen. Ich habe damals nicht aufgegeben und gebe auch jetzt nicht auf."
Eine derart heftige Abreibung in 90 Minuten durfte sich in den vergangenen 41 Jahren jedoch nur einer bei Bayern erlauben: Ottmar Hitzfeld hatte im Januar 2002 noch den Champions-League-Sieger-Bonus, als die Bayern mit 1:5 auf Schalke havarierten.
Alle anderen, die als Bayern-Trainer seit 1978 1:5 oder höher verloren, waren zum Saisonende nicht mehr bei Bayern angestellt.
Es liest sich wie eine Ahnengalerie der Gescheiterten: Gyula Lorant, Sören Lerby, Giovanni Trapattoni und Jürgen Klinsmann. Niko Kovac könnte der nächste Name sein , auch wenn er zunächst weiter am Steuer bleibt.
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