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Bayern-Spieler sprechen sich klar für "Menschenfänger" Flick aus

Bayern-Spieler sprechen sich klar für "Menschenfänger" Flick aus

10/11/2019 um 18:54Aktualisiert 10/11/2019 um 21:18

Hansi Flick schafft mit dem FC Bayern München rasant die Wende zum Guten. Nach dem 4:0 (1:0) gegen Borussia Dortmund überschütten die Spieler den Interimstrainer mit Lob. "Es spricht sicher nichts dagegen, erstmal mit ihm weiterzumachen", sagte Leon Goretzka stellvertretend für das ganze Team. Denn der Defensiv-Ansatz passt.

Thomas Müller freute sich besonders.

"Es ist immer schön, wenn ein Trainer absolut auf einen setzt", sagte die Identifikationsfigur des FC Bayern München am Samstagabend auf Nachfrage von Eurosport über Interimscoach Hans-Dieter Flick und seine zwei Startelfplätze unter ihm:

"Es hat Spaß gemacht. Die Mannschaft hat gezeigt, dass wir uns mit seinen Ideen wohlfühlen."

Keine Frage: Unter Hansi Flick hat der FC Bayern rasant die Wende zum Guten geschafft. Nach dem 1:5 gegen Eintracht Frankfurt vor einer Woche noch am Boden, sieht die Bayern-Welt nach dem 2:0 gegen Olympiakos Piräus und dem 4:0 gegen Borussia Dortmund in der Liga schon anders aus. Von den Spielern ließ am Samstagabend niemand auch nur einen Zweifel daran aufkommen, wer daran die Hauptschuld trug.

Flick stellt die Bayern gut ein

"In fünf Tagen kannst du nicht die Welt verändern, aber dafür hat er schon an den richtigen Punkten angesetzt und die richtigen Veränderungen vorgenommen. Das hat sehr gefruchtet", sagte Leon Goretzka nach einem leidenschaftlichen Auftritt gegen den BVB über Flick:

"Entsprechend groß ist sein Anteil an den zwei Siegen. Es spricht mit Sicherheit nichts dagegen, erstmal mit ihm weiterzumachen."

"Er hat uns sehr gut eingestellt und in der sehr kurzen Zeit an den richtigen Schrauben gedreht – taktisch wie auch mental", sagte David Alaba: "Wir konnten wirklich alles perfekt umsetzen."

Mutig nach vorne verteidigen

Auch unter Niko Kovac lag das Hauptaugenmerk auf der Defensive – der nun geschasste Coach hatte die Mannschaft jedoch nicht mehr erreicht. Flick dagegen beschränkte sich in der kurzen Zeit, die er bislang hatte, aufs Wesentliche, nämlich die Frage, wie Bayern gegen den Ball spielen will. Und Flick entschied sich für einen aggressiveren Ansatz als Kovac.

"Wir wollten einfach mutig nach vorne verteidigen - aber alle gemeinsam. In einer kompakten Organisation eine gute Ordnung zu haben und wirklich auch mal mutig zu sein, mit dem Risiko, auch mal ausgespielt zu werden", erklärte der Interimscoach. Das kam gut an.

Feste Abläufe sorgen für Sicherheit

"Ich fand's gut, dass er gerade in der Defensive in der Herangehensweise Strukturen und feste Abläufe festgelegt hat. Jeder wusste auf dem Platz, was zu tun ist", sagte Joshua Kimmich.

"Er hat die Grundhaltung verändert, insgesamt die Art und Weise, wie wir verteidigen wollen", sagte Goretzka. Dadurch sei eine ganz andere Dynamik in der Defensive entstanden. Denn: "Wenn du gleich hohe Ballgewinne hast, leitet das das Spiel sehr gut ein."

Hansi Flick (re.) vertraut dem Ur-Bayern Thomas Müller (li.) wieder mehr als sein Vorgänger

Hansi Flick (re.) vertraut dem Ur-Bayern Thomas Müller (li.) wieder mehr als sein VorgängerGetty Images

Kimmich erklärte weiter:

"Es fühlt sich auf jeden Fall gut an, wenn wir vorne aggressiv drauf gehen, wenn jeder mitmacht und wir da dann auch hohe Ballgewinne haben. So verunsicherst du auch den Gegner, lässt ihn gar nicht richtig ins Spiel kommen und gibst dir selbst Selbstvertrauen. So kommst du auch leichter zu Chancen als wenn du den Ball erst im eigenen Sechzehner gewinnst und dann zehn Feldspieler ausspielen musst."

Lewandowski äußert sich klar

Auch andere Bayern-Profis fanden daran Gefallen. "Wir haben in wenig Zeit viele Sachen verbessert", stellte Robert Lewandowski fest: "Er hat uns dabei sehr geholfen. Wir haben auch direkt verstanden, was wir machen sollen. Die Mannschaft hat super gespielt."

Über Flick meinte der Torjäger:

"Er sagt genau, was er will. Und klar. Wir können im Moment richtig gut zusammenarbeiten."

Ein weiterführendes Mandat für Flick, möglicherweise bis Saisonende, hält der Pole für eine gute Idee: "Das ist eine gute Option! Er kann uns helfen."

Kein Schuss aufs Tor zugelassen

Weil die Sicherheit zurückgekehrt ist. Nachdem die Bayern in den vorangegangenen acht Spielen 17 Gegentore kassiert hatten, musste Kapitän Manuel Neuer gegen Piräus und Dortmund keinen einzigen Torschuss parieren.

"Wir spielen mutiger. Das ist ein Unterschied zur Vergangenheit", sagte der 33-Jährige und lobte Flick zufrieden:

"Er hat viel versucht uns mit auf den Weg zu geben und es hat gut funktioniert. So kann es auf jeden Fall weitergehen."

Vor allem, weil Flick die richtigen Worte zu finden scheint. "Er ist ein Menschenfänger, hat einen guten Draht zu uns Spielern", sagte Neuer. Flick hatte sich zuvor in der Kabine bei den Spielern explizit für die tolle Arbeit an den fünf Tagen unter ihm bedankt. Coutinho nahm er vor der Einwechslung zweimal in den Arm, Thiago klapste er gegen Dortmund auf den Hintern.

Fingerspitzengefühl und sportliche Kompetenz

"Er hat eine hohe Empathie und ein gutes Fingerspitzengefühl für die Leute", bestätigte auch Goretzka: "Er sucht die Vier-Augen-Gespräche, die gerade in so einem breit besetzten Kader wie bei uns essentiell wichtig sind."

Denn:

"Das ist auch ein Punkt: Dass man die Jungs daran erinnert hat, warum sie man angefangen haben, Fußball zu spielen - dieser Spaß und die grundsätzliche Motivation, auch Spaß am Laufen und am Ballgewinnen zu haben. Die ist zurückgekommen. Das macht alles einfacher."

Bleibt nur die Frage, ob Flick nun bis Saisonende durchziehen darf – und will. "Er hat die sportliche Kompetenz und die emotionale Qualität mit den Spielern bei Bayern umzugehen. Ich traue ihm die Aufgabe auf jeden Fall zu", sagte Bundestrainer Joachim Löw zwar bei "Sky". Und: "Hansi weiß, was zu tun ist."

Cheftrainer beim FC Bayern zu sein, hat jedoch nochmal eine ganz andere Dimension. "Ich weiß nicht, ob er das überhaupt möchte", sagte Goretzka. Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic meinte:

" Wir müssen erstmal mit ihm sprechen."

Video - Nach 4:0-Gala: Das sagt Flick zu seiner Zukunft

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