Hansi Flick packt's an: So baut er sich seinen FC Bayern
Hans-Dieter Flick ist beim FC Bayern München trotz Corona-Krise voller Tatendrang: Mit einem Mandat bis 2023 ausgestattet, darf der Trainer nun frei seine Wünsche äußern und das Team entsprechend formen. Dabei trifft er ganz die Tonalität der Vereinsoberen, stellt aber auch selbstbewusst Forderungen - zum Beispiel nach Vertragsverlängerungen von Leistungsträgern wie Manuel Neuer oder David Alaba.
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Dass Hans-Dieter Flick in der ersten reinen Video-Pressekonferenz der Geschichte des FC Bayern München am Dienstag etwas verschnupft wirkte, hatte einen simplen Grund: Bei zurzeit bestem Wetter in München macht sich beim Trainer der Heuschnupfen bemerkbar.
Ansonsten ist beim 55-Jährigen – den Umständen entsprechend – alles im Lot: Vertragsverlängerung bis 2023, Mandat erteilt, Spieler sind wieder auf dem Rasen - auf geht's in eine (rosige?) Bayern-Zukunft.
Wie sich Flick diese vorstellt, verkündete er am Dienstag in 33 Minuten. Der Bayern-Coach gab keine Regierungserklärung ab; zwischen den Zeilen konnte man aber sehr deutlich herauslesen, wie er sich die Zukunft seiner Mannschaft vorstellt.
Die einzelnen Punkte:
Transferplanung
Flicks "Veto-Recht" in Bezug auf Transfers hatte zuletzt viel Staub aufgewirbelt – das ist auch dem Trainer bewusst. "Veto ist ein toughes Wort, das habe ich jetzt auch mitbekommen", sagte er, "aber es ist ganz normal, dass der Trainer miteinbezogen wird. Wir tauschen uns aus und machen natürlich auch einen Plan. Aber der bleibt intern."
Mittlerweile ein offenes Geheimnis ist allerdings, dass Flick Timo Werner ganz gut leiden kann. Zwischen den Zeilen baute der Coach am Dienstag schon für einen Transfer vor. Robert Lewandowski und Timo Werner, geht das? Für Flick schon. "Zwei Spitzen sind absolut eine Option", sagte er. Das Wort "absolut" fiel dabei sogar dreimal.
Zudem müsse man aber auch den Kader verbreitern, um "flexibler, auch auf taktische Umstellungen des Gegners reagieren zu können. Wir müssen Optionen haben", forderte Flick.
Ein klarer Appell an die neue sportliche Führung bestehend aus Vorstandsmitglied Oliver Kahn und Sportdirektor Hasan Salihamidzic.
Tragende Säulen
Dass Thomas Müller am Dienstag bis 2023 verlängere, nahm Flick wohlwollend zur Kenntnis: "Ich bin froh, dass Thomas verlängert hat, und hoffe, dass noch der ein oder andere nachkommt."
Durch die Blume machte er deutlich, dass nun bitte auch noch mit Manuel Neuer, David Alaba und Thiago verlängert werden soll. Gerade im Fall des Bayern-Kapitäns habe er trotz des bereits fixen Transfers von Alexander Nübel (FC Schalke 04, ablösefrei) "immer wieder deutlich gesagt, was ich von Manuel halte. Genauso gut ist David Alaba, der auf der Position herausragend spielt". Thiago sei "auch auf einem besonderen, hohen Niveau".
Kurzum:
Er würde gerne "weiter mit dieser Qualität arbeiten, mit Spielern mit dieser Mentalität. Ich habe es beim Cyber-Training gesehen, mit welchem Engagement und Konzentration sie arbeiten. Das hat uns sehr gut getan."
Flick verriet auch, dass er mit den Spielern in Vertragsfragen sehr wohl im Austausch stehe:
An der Säbener Straße zu arbeiten, habe ja auch sein Gutes – wie Flick durch seine Bestätigung im Amt bereits am eigenen Leib erfahren hat: "Gerade in der jetzigen Situation weiß man zu schätzen, dass man Arbeitnehmer beim FC Bayern ist."
Fokus und Disziplin
Zwei Signalwörter, die Flick am Dienstag immer wieder benutzte. Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, setzt der Bayern-Trainer auf besondere Professionalität, fordert von seinen Spielern das maximal Mögliche an Konzentration aufs Wesentliche ein. Im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten, versteht sich.
"Wir haben den Fokus auf Erfolg. Das ist unsere Aufgabe, daran lassen wir uns messen", sagte er unmissverständlich. Dass die Umstände nun mal so sind, wie sie sind, müsse man annehmen:
Dass die Bayern seit zwei Tagen wieder in Kleinstgruppen auf dem Rasen sind, sei ein Privileg. Davon abgesehen appellierte Flick an seine Spieler: "Wir versuchen, ein Vorbild zu sein und das auch mit Bedacht und Disziplin durchzuhalten."
Trainerteam
Flick äußerte sich lobend über die derzeitige Besetzung: Danny Röhl (Co-Trainer Videoanalyse) rühmte er als Bruder im Geiste, Toni Tapalovic (Torwarttrainer) bekam warme Worte ab, Prof. Dr. Holger Broich (Wissenschaftlicher Leiter & Leiter Fitness) ist gerade ohnehin besonders gefragt und Hermann Gerland (Co-Trainer) sowieso über allen Zweifeln erhaben.
Der 65 Jahre alte "Tiger" würde sich demnächst aber schon ganz gerne ins warme Nest der Nachwuchsakademie zurückziehen, weswegen Flick auf jeden Fall zeitnahe einen neuen Co-Trainer und vielleicht noch weitere Add-ons gebrauchen könnte.
In diesem Zusammenhang fiel der Name von Miroslav Klose, aktuell Trainer der U17 und ab Sommer in Ausbildung zum Fußballlehrer. "Klar, dass ich mit Miro gesprochen habe", bestätigte Flick: "Er wäre für unser Trainerteam eine Bereicherung."
Klose müsse aber selbst erst sagen, wohin der Weg geht. Und so ganz festgelegt hat sich der Bayern-Trainer auch noch nicht. Er müsse sich jetzt bald entscheiden, sagte er, habe seine Gedankengänge aber "final noch nicht abgeschlossen".
Vereinsphilosophie
Im Vorfeld von Flicks Unterschrift hatte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bereits mehrfach gerühmt, wie sehr sich die Einstellung des Trainers mit den Ansichten der Vereinsoberen decke.
Ein bisschen klang es deshalb auch nach Rummenigge, als Flick am Dienstag sagte: "Man muss erfolgreich arbeiten und möglichst attraktiven Fußball spielen. Letztlich geht es darum, die Mannschaft immer weiter zu entwickeln."
Erfolg sei auch eine Entwicklung, aber eine stete – es gehe weiter, immer weiter (siehe Oliver Kahn).
Nicht außer Acht lassen wolle er dabei das Herzensprojekt des Uli Hoeneß: den Bayern Campus. Es tue ihm und den Klub gut, im Profi-Bereich "die Akademie mit einfließen zu lassen, jungen Spielern eine Chance zu geben, damit sie sich hier bei den Besten etwas abschauen können".
Denn:
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