Jann-Fiete Arp: Wie er beim FC Bayern doch glücklich werden kann
Publiziert 21/07/2020 um 11:24 GMT+2 Uhr
Fiete Arp hat ein Jahr zum Vergessen mit vielen Verletzungen und ohne Einsatz bei den Profis hinter sich. Beim FC Bayern München wartet der 20-jährige Angreifer, der 2019 vom Hamburger SV mit viel Vorschusslorbeeren an die Isar wechselte, weiter auf den Durchbruch. Diesen schnell zu erreichen, wird wohl nicht möglich sein. Viel Geduld hat der Verein eigentlich nicht. Immerhin: Es gibt einen Weg.
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Wenn Fiete Arp trifft, legt er gerne den Zeigefinger auf die Lippen oder steckt sich die Finger in die Ohren. Die Geste ist nicht schwer zu deuten. Fußballer wollen damit für gewöhnlich ein Zeichen an ihre Kritiker setzen: Schön ruhig bleiben, von euch lasse ich mich nicht runterziehen.
In der abgelaufenen Saison war die Skepsis der Öffentlichkeit für das 20-jährige Sturmtalent - in seinem ersten Jahr beim FC Bayern München - ein steter Begleiter.
Verstummt sind die kritischen Stimmen längst nicht. Drei Tore in der 3. Liga für die zweite Mannschaft, insgesamt nur 495 Spielminuten sowie null Pflichtspieleinsätze bei den Profis sind auch wahrlich kein Grund für Jubelstürme.
Viel Verletzungspech für Fiete Arp
Stattdessen gab es viel Verletzungspech. Ein Virusinfekt, ein Kahnbeinbruch, eine Folgeverletzung am Arm sowie muskuläre Probleme warfen ihn immer weiter zurück. Arp musste zusehen, wie Joshua Zirkzees Stern bei den Profis aufging und Kwasi Okyere Wriedt die Amateure mit 24 Toren zum Meistertitel in der 3. Liga ballerte.
Auch ihm, der ein intelligenter, selbstreflektierter junger Mann ist, wird bewusst sein, dass er von regelmäßigen Einsätzen bei den Profis weiter sehr weit entfernt ist. Defizite im direkten Vergleich waren im Wintertrainingslager der Bayern noch unverkennbar in Sachen Tempo, gedankliche Schnelligkeit, Ballmitnahme sowie Verwertung und Physis generell.
Für die Profis war er so in der Rückrunde erstmal keine Alternative.
"Er soll in dieser Mannschaft spielen können, bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Wir unterstützen ihn", sagte Bayern-Trainer Hansi Flick Anfang März. Arp habe, so Flick weiter, "in jungen Jahren schon sehr viele negative Dinge mitgemacht". Entschleunigung sei erstmal das Ziel. Sprich: 3. Liga.
Arp gibt sich lernwillig
Nun aber kündigte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge an, in den nächsten zwei Jahren verstärkt auf Talente setzen zu wollen. Vor allem wegen des sehr eng gesteckten, strapaziösen Spielplans sind größere Kader angesagt.
Dass die Verantwortlichen Arp eine Perspektive aufzeigen, ist die große Motivation für ihn, es beim FCB weiter zu versuchen. Eine Leihe, so ist aus seinem Umfeld zu vernehmen, lehnt er jedenfalls strikt ab.
"Mein Ziel ist es nach wie vor, mir hier meinen Platz zu erarbeiten. Durch die Reha bin ich vielleicht zwei Schritte zurückgegangen, aber vielleicht war das genau das, was ich gebraucht habe. Ich habe mich dadurch an den Verein gewöhnen können", sagte Arp zuletzt bei "Sport1".
Intern gilt er als angenehmer, höflicher Junge, der mit seiner schwierigen Situation professionell umgeht. Seine fußballerische Qualität, die er zweifelsohne besitzt, wird gefördert und geschätzt. Arp lässt auf dem Bayern-Campus definitiv nicht raushängen, dass er für seine Altersklasse ein Großverdiener ist mit einem geschätzten Jahresgehalt von fünf Millionen Euro. Im Gegenteil: Der Ex-Hamburger gibt sich demütig und lernwillig.
Der Weg führt nur über die "Zweite"
Gleichzeitig scheint er bereit, den ihm von Bayern aufgezeigten Weg mitgehen zu wollen. Mit Wriedt wechselt der Stammstürmer in die Niederlande zu Willem II, der Platz wird also frei. Die zweite Mannschaft ist mittlerweile eine feste Größe im Verein, der Stellenwert gewachsen, die Durchlässigkeit mit Flick als Impulsgeber mehr denn je gegeben. "Man sieht ja, dass viele junge Spieler bereits zu ihren Einsätzen kamen und sie auch genutzt haben", weiß Arp.
Spielpraxis sammeln, stabil bleiben und mit Toren auf sich aufmerksam machen - läuft es in der kommenden Drittliga-Saison erfolgreich für Arp, öffnen sich vielleicht Türen von allein. Mit negativen Gedanken möchte er sich garantiert nicht noch weiter beschäftigen - er ist schlau genug, um zu wissen, was es bei einem Klub wie Bayern heißt, wenn es nicht läuft.
Im Idealfall hat er im Sommer 2021 endlich eine ganze Saison im Profi-Bereich durchgespielt, dabei viele Tore erzielt, Zirkzee die Stirn geboten und auch ein paar Mal in der ersten Mannschaft mitgewirkt.
Den Zeigefinger wird Arp dann nicht mehr auf die Lippen legen müssen. Dann weiß jeder, dass er tatsächlich das Zeug zum Bayern-Profi hat.
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