Fußball
Bundesliga

Boateng erlebt Bayern-Renaissance unter Flick - seine Zeit läuft trotzdem ab

Teilen mit
Kopieren
Diesen Artikel teilen

Jérôme Boateng feiert seine achte Meisterschaft mit dem FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

VonMarc Hlusiak
30/06/2020 Am 09:33 | Update 30/06/2020 Am 13:21
@mhlus

Jérôme Boateng war schon abgeschrieben beim FC Bayern München, unter Meistertrainer Hans-Dieter Flick erlebte er jedoch eine Renaissance. Dennoch scheint Boatengs Zeit beim deutschen Rekordmeister abzulaufen, auch Menschenfänger Flick kann und will nicht ewig am Weltmeister von 2014 festhalten. Fragt sich nur: was nun?

Menschenfänger.

Eigentlich ein Begriff, der eine nicht tödliche Stangenwaffe aus dem Mittelalter beschreibt, die tatsächlich zum Einfangen von Menschen benutzt wurde. Selbstverständlich mit der für das Mittelalter nicht unüblichen Brutalität.

Bundesliga

Bei diesen fünf Transfers legte Salihamidzic angeblich sein Veto ein

30/06/2020 AM 07:11

Umgangssprachlich wird der Begriff jedoch auch zur Beschreibung derer verwendet, die es besonders gut verstehen, andere Menschen für sich zu begeistern. Ein Menschenfänger bringt andere dazu, ihm nachzufolgen oder - mit mehr Pathos - für ihn durchs Feuer zu gehen. Besonders hilfreich sind diese Eigenschaften für Anführer oder Trainer von Sportmannschaften.

Jürgen Klopp ist im Fußballgeschäft wohl der Prototyp eines Menschenfängers. Aber auch Bayerns Hans-Dieter Flick hat sich auf seinem knapp achtmonatigen Siegeszug gen Meisterschaft als ein solcher entpuppt.

Flick haucht Boateng neues Leben ein

Bei keinem Spieler des FC Bayern wird Flicks Wirken so deutlich wie bei Jérôme Boateng. Die Zeit des ehemaligen Nationalspielers in München war im Sommer 2019 eigentlich abgelaufen. Unter Trainer Niko Kovac hatte er einen schweren Stand, verlor seinen Stammplatz an Niklas Süle - und dann holten die Münchner auch noch Lucas Hernández für die Rekordsumme von 80 Millionen Euro von Atlético Madrid hinzu.

Die Laune des Innenverteidigers war am Tiefpunkt, wie die Bilder der Meisterfeier von 2019 bestens dokumentieren.

Jérôme Boateng (M.) neben Corentin Tolisso (l.) und Renato Sanches beim FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Ex-Präsident Uli Hoeneß empfahl Boateng gar freundschaftlich, sich einen anderen Klub zu suchen - und niemand zweifelte daran, dass er das auch tun würde. Paris Saint-Germain galt lange Zeit als sicherer Abnehmer, doch Boateng blieb, weil sich Paris und München nicht einigen konnten. Eine herbe Enttäuschung, die in Boateng jedoch den Ehrgeiz entfachte, es noch einmal allen zu beweisen.

"Ich werde hier bestimmt nicht wegrennen. Situationen verändern sich schnell", entgegnete der 31-Jährige seinem Präsidenten im Mai 2019. Er sollte recht behalten.

Meisterfeier 2020: Die Rückkehr der guten Laune

Denn gut ein Jahr später wird Boateng wieder mit der Meisterschale abgelichtet und hat dabei ein fettes Grinsen im Gesicht. Der Innenverteidiger gewann seine achte deutsche Meisterschaft als unangefochtener Stammspieler unter seinem alten Vertrauten aus der Nationalmannschaft Flick.

"Seit Hansi Flick Trainer ist, fühlt man sich im Training und bei allem einfach gut, der Spaß und die gute Laune sind zurück", sagte Boateng kürzlich in einem Fan-Talk der Bayern.

Trotz Zoff im Training: Goretzka und Boateng spielen

Fotocredit: SID

Gegenüber "Sport1" verriet er vor einigen Wochen, wie wichtig die Beförderung des 55-Jährigen vom Co-Trainer zum Cheftrainer für ihn persönlich war: "In der Zeit vor Hansi Flick habe ich mir schon Gedanken gemacht über meine Zukunft. Derzeit fühle ich mich wohl und kann mir vorstellen, dass ich bleibe. Mein Fokus liegt absolut auf dem FC Bayern und der aktuellen Saison."

Mittlerweile ist zumindest die Bundesligasaison beendet, es folgt das Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen (Samstag ab 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de) und das Champions-League-Finalturnier im August in Lissabon.

Jérôme Boateng: Es riecht nach Wechsel

Der Poker um seine Person nimmt jedoch schon jetzt wieder Fahrt auf. Boatengs Vertrag läuft 2021 aus - will der FC Bayern eine Ablöse generieren, müsste der 31-Jährige in der kommenden Transferperiode verkauft werden. Eine Vertragsverlängerung in München ist trotz der letztlich überzeugenden Saison eher unrealistisch.

"Jérôme hat auch ein gewisses Alter. Deswegen habe ich auch mit ihm ganz offen gesprochen", erläutert Flick die Situation seines Verteidigers:

"Er muss wissen, was er für seine Zukunft möchte, denn er kann nicht noch zehn Jahre spielen. Ich werde ihn in allen Dingen unterstützen. Er hat mit dem Verein fast alles gewonnen. Er hat hier noch Vertrag und wird daher die Wertschätzung bekommen, die er verdient hat."

Spotify oder Apple Podcast? Höre alle Folgen "Extra Time" auf der Plattform deines Vertrauens

Unter Menschenfänger Flick ist es durchaus vorstellbar, dass Boateng mit 31 Jahren und jeder Menge guter Laune in sein letztes Vertragsjahr geht und auch weiterhin als Stammspieler zum Einsatz kommt. Allerdings könnte er nach acht Meistertiteln, einem Champions-League-Sieg auch noch einmal eine neue Herausforderung suchen.

PSG verliert mit Tanguy Kouassi jedenfalls gerade einen jungen Verteidiger an den FC Bayern.

Das könnte Dich auch interessieren: Thiago, Coutinho, Süle und Co.: So plant Flick den Saisonabschluss

Französischer Klub steigt angeblich in Götze-Poker ein

00:02:05

Bundesliga

Mit Kaufverpflichtung: BVB verleiht Außenverteidiger erneut in die Serie A

29/06/2020 AM 17:21
Fußball

Rückkehr ins DFB-Trikot? Löw äußert sich zur Zukunft von Boateng und Müller

GESTERN AM 19:40
Ähnliche Themen
FußballBundesligaFC Bayern MünchenParis Saint-GermainMehr
Teilen mit
Kopieren
Diesen Artikel teilen