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Die Rückkehr des FC Hollywood - wer demontiert Neuer und warum?

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Oliver Kahn und Manuel Neuer beim FC Bayern

Fotocredit: Eurosport

VonThilo Komma-Pöllath
20/04/2020 Am 10:31 | Update 20/04/2020 Am 10:41

Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath blickt auf den Torwartzoff beim FC Bayern rund um Nationalkeeper Manuel Neuer. Dabei stellt er sich die Frage, wer der Maulwurf bei den Münchenern sein könnte, der zuletzt Interna aus den Vertragsgesprächen an die Öffentlichkeit verraten haben soll. Auch die Rolle von Bald-Vorstandsboss Oliver Kahn in der Causa Neuer beleuchtet der LIGAstheniker genau.

Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath

Liebe Fußballfreunde,

Bundesliga

Ulreich-Berater mit Ansage an Nübel: Bei Bayern wird "sportlich entschieden"

20/04/2020 AM 08:10

Dass ein berühmter Fußballer zusammen mit seinem Berater große Interviews gibt, das kommt im regulären Bundesligageschäft eigentlich gar nicht vor.

Die Fußballstars sollen als charismatische Monolithen erscheinen, selbstständig, charakterfest und führungsstark, und nicht wie fremdgesteuerte, geldgeile Drohnen, die für das komplizierte Vertragsgeschäft ihrer Millionengehälter andere arbeiten lassen.

Insofern war der Move, mit dem Manuel Neuer und sein Berater Thomas Kroth am Wochenende an die Öffentlichkeit gingen, dann doch bemerkenswert. In einer großen deutschen Wochenzeitung zog der wohl immer noch beste Torhüter der Welt Stellung gegen seinen Verein, der sich dank Neuer-Gate an längst vergessen geglaubte Zeiten erinnert fühlen dürfte, als der FC Bayern vor allem der FC Hollywood war, in denen das Durchstechen von Indiskretionen an der Tagesordnung war.

Die Erklärungen Neuers und seines Beraters wirkten durchaus plausibel - die im Raum stehende Gehaltsforderung sei falsch, um einen festen Fünfjahresvertrag sei es nie gegangen. Warum sonst hätten sie den Weg an die Öffentlichkeit suchen und sich derart weit aus dem Fenster lehnen sollen? Wenn ihre Version stimmt, und die Bayern haben bisher nichts Gegenteiliges verlauten lassen, dann stellt sich nur die Frage: Wer will Neuer demontieren?

Bei Manuel Neuer geht es um eine Vertragsverlängerung

Fotocredit: Getty Images

Was läuft da zwischen Kahn und Neuer?

Es ist der letzte große Vertrag in der Profikarriere des Jahrhunderttorhüters, um den uns die ganze Fußballwelt beneidet.

Selbst Titan Oliver Kahn war immer voll des Lobes für seinen Nachfolger im deutschen und im Bayern-Tor, das war an sich schon eine News, denn in der Regel gefiel sich Kahn, selbst nach seiner aktiven Karriere, immer noch als weltgrößter Torhüter zu allen Zeiten für alle Zeiten.

Und doch kommt jetzt eine zeitliche Koinzidenz hinzu, die zumindest auffällig ist. Seit der Verein 2019 offiziell bekanntgemacht und mit Jahresbeginn 2020 vollzogen hat, dass Kahn in den Vorstand aufrückt und auf Sicht Karl-Heinz Rummenigge als Bayern-Boss ablösen wird, bläst dem einst über den Dingen stehenden Neuer der Gegenwind ins Gesicht.

Hat Neuer mit seiner Kritik Recht?

Erst die Verpflichtung des nächsten Jahrhunderttalents aus Gelsenkirchen, Alexander Nübel, eine Art Software-Update von Neuer, nominell keine Nummer Zwei im Bayern-Tor, sondern perspektivisch der nächste Neuer.

Schon war von Einsatzgarantien die Rede, die Nübel sich habe vertraglich zusichern lassen, die dann wieder eiligst dementiert wurden. Über den Sinn des Transfers streiten sich seither die Gelehrten, vor allem deshalb, weil Neuer gar nicht daran denkt in Kürze auf der Bank Platz zu nehmen oder in Rente zu gehen.

Kahn selbst nannte den Nübel-Transfer eine kluge strategische Entscheidung. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es bei den aktuell stockenden Vertragsverhandlungen nicht zufällig so dumm läuft, sondern ganz bewusst gesteuert wird, wer wie in welche Ecke geschoben wird. Die Rolle des raffgierigen Gordon Gekko, der nicht kapiert hat, dass seine Zeit vorbei ist, ist offensichtlich für Manuel Neuer vorgesehen.

Sein Berater hat schon kundgetan, mit wem er am Verhandlungstisch sitzt und die entscheidenden Vertragsparameter ausklamüsert: Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn. Von beiden ist bis dato kein Dementi eingetroffen, dass Neuers Sicht der Dinge in irgendeiner Weise falsche Tatsachenbehauptungen enthielten.

Kaum ist Kahn wieder im Bayern-Boot, gibt es Irritationen. Das war früher so auf dem Rasen, das wird sich mit ihm als Kapitän auf der Kommandobrücke erst recht nicht vermeiden lassen.

Hasan Salihamidzic und Oliver Kahn sind beim FC Bayern für Verträge verantwortlich

Fotocredit: Getty Images

Bayerische Maulwurfsgeschichte

Wer aber, und die Frage ist dann doch interessant, ist der Maulwurf, der angebliche Vertragsinhalte Neuers an die Öffentlichkeit spielt? Die Historie der Bayern-Maulwürfe ist lang, die Namen prominent besetzt.

Angefangen hat vermutlich alles in den 1990er Jahren mit "IM Lothar", wie Matthäus damals in der Kabine genannt wurde. Matthäus unterhielt eine Standleitung mit dem österreichischen Bayern-Chefreporter der "BILD", mit dem er sogar gemeinsam in den Urlaub fuhr. Mitte der 1990er brachte er ein Enthüllungsbuch auf den Markt, dass er folgerichtig "Mein Tagebuch" nannte und seitdem wir alle wissen, dass er mit Klinsi so gar nicht kann.

Das Buch markierte den vorläufigen Höhepunkt der skandalträchtigsten Bayern-Ära, die heute noch jeder als "FC Hollywood" kennt.

Seitdem hat sich noch jeder Bayern-Trainer einem Kabinenmaulwurf ausgesetzt gefühlt, der öffentlich sein Mütchen kühlte gegenüber ungeliebten Kollegen oder einem Trainer, der ihn nicht spielen ließ: Giovanni Trapattoni, Pep Guardiola oder zuletzt Niko Kovac, der sich solange darüber beklagte, dass Interna aus Mannschaftsbesprechungen an die Öffentlichkeit drangen, bis irgendwann die halbe Republik wusste, dass er zwar ein richtig netter Kerl, wohl aber kein richtig guter Trainer ist.

  • "Keine Wertschätzung für Neuer": Matthäus kritisiert FC Bayern scharf

Maulwurf im Vorstand?

Dass der Maulwurf im Falle Neuers in der Vorstandsebene zu suchen ist, um einen führungsstarken, aber aufmüpfigen Spieler zu disziplinieren, hat in der Tat eine neue Richtung und eine neue Qualität.

Die Rückkehr des "FC Hollywood" wirkt angesichts des deprimierenden Lockdowns durchaus belebend für das Geschäft. Doch die entstandenen Schrammen werden bleiben, die Frage wird sein, wie tief sie gehen.

Sollte Neuer selbst den Bayern noch von der Fahne springen, könnte der zukünftige Cheftitan schon jetzt erste Kratzer abbekommen.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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