RB Leipzig, Julian Nagelsmann und der Vierjahres-Plan: Ein Titel soll es sein

RB Leipzig hat eine gute Saison hinter sich. Dass das Adverb "sehr" vor dem "gut" fehlt, lag an einem schwachen Saisonstart 2018 und der Pokalfinal-Pleite gegen den FC Bayern München. Unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann möchte RB nun nach Höherem greifen, sprich: nach Titeln. Er selbst hat eine Trophäe innerhalb der nächsten vier Jahre angekündigt.

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Was hat der Mann nicht alles gewonnen in seiner Trainer-Karriere! Dreifacher Champions-League-Sieger, zweimal Welttrainer des Jahres, nationaler Meister in vier der fünf Top-Ligen Europas: Erfolg kann er. Die Rede ist natürlich (noch) nicht von Nagelsmann, sondern von Carlo Ancelotti, italienischer Genussmensch und eben ein richtig guter Trainer.
Warum er hier genannt wird? Weil eben jener Ancelotti vor wenigen Jahren prophezeihte, dass Nagelsmann mal einen großen Verein trainieren wird - Nagelsmann, 31 und geadelt von einem zweifachen Welttrainer.
Nach dem kometenhaften Aufstieg mit der TSG Hoffenheim soll der Blondschopf nun auch bei RB Leipzig Astronomisches veranstalten. Um in die Phalanx der großen Vereine zu stoßen, braucht es jedoch mindestens einen Titel.

Nagelsmann und die Vierjahres-Prognose

Nagelsmann versprach gleich mal, dass es in den kommenden vier Jahren dann bitteschön endlich ein Titel sein soll. Zuvor hatte sein Boss und RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff vorgerechnet, dass Nagelsmann in den zurückliegenden beiden Jahren erfolgreicher war als sein Vorgänger und jetziger direkter Vorgesetzter Ralf Rangnick.
Eine nette Bauchpinselei für den Ex-Hoffenheimer, mehr aber auch nicht. Nagelsmann will mehr. Genau deswegen haben sie ihn nach Leipzig geholt. "Er verkörpert alles, was RB Leipzig auszeichnet", schwärmt Mintzlaff und spricht von einem "Perfect fit" und "Hungry for more".
Hungrig nach mehr sind auch seine neuen Wegbegleiter, die Spieler von RB. "Es kommt schon viel neuer Input, aber wir werden das diese Saison brauchen, um noch einen Schritt nach vorn zu machen", betonte etwa Marcel Halstenberg im Interview mit der "Leipziger Volkszeitung".

Nagelsmann überfordert seine Spieler

Gerade für diesen neuen Input ist Nagelsmann bekannt. Seine Spieler überfordern, überreizen und am Ende besser machen - dafür steht er in der Bundesliga wie kaum ein anderer Coach. Halstenberg kann das nur bestätigen: "Es ist schon sehr anspruchsvoll. Auch bei den Spielformen musst du erstmal in Ruhe darüber nachdenken." Die Einheiten seien nun noch abwechslungsreicher, "wir haben, glaub ich, noch nicht einmal zwei identische Spielformen gehabt."
Alles von Nagelsmann so gewollt. "Wenn ich meinen Spielern drei Dinge vorgebe und sie merken sich drei, ist das gut. Wenn sie sich von zehn fünf merken, ist es besser. Das ist meine Marschroute im Umgang mit Spielern. Erst recht bei einer neuen Mannschaft", erklärte der 31-Jährige gegenüber "Sportbuzzer".
Diese Marschroute benötigt jedoch Zeit, nicht ohne Grund spricht Nagelsmann von vier Jahren. "Natürlich werden auch viele schauen, wie sich das entwickelt mit Leipzig und Nagelsmann, da wird wohl eher das zweite Jahr das interessantere“, ließ er im Interview mit dem "kicker" durchblicken, dass sich die RB-Fans wohl noch etwas gedulden müssen, ehe es "den mit Nagelsmann-Ideen kombinierten perfekten RB-Fußball" zu sehen gibt.

RB Leipzig stolpert zum Start

Nagelsmann meets Rangnick, das heißt: Ballkontrolle und ständige Systemwechsel treffen auf aggressives Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel. Bei Hoffenheim ließ er meist in einem flachen 3-5-2 agieren, ähnlich startete nun auch Leipzig in die erste Partie. Das Ergebnis bestätigte jedoch Nagelsmanns Vorhersage: 1:4 gegen den FC Zürich.
Leipzig war anzumerken, dass die Partnerschaft Nagelsmann und RB erst wenige Wochen alt ist. Fehlende Abstimmung, defensive Unzulänglichkeiten, offensive Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Kasten, aber: Alles halb so wild, findet der Coach: "Das Ergebnis ist trotz allem sekundär."
Es geht vielmehr um Anpassung und Entwicklung - auch bei den Neuen, die da heißen: Luan Candido, Christopher Nkunku und Hannes Wolf. Letzterer wird jedoch aufgrund eines Bruchs des rechten Außenknöchels noch einige Zeit fehlen, Nkunku ist erst vor wenigen Tagen in Leipzig angekommen und Candido wird noch etwas Zeit benötigen.
Enorme Verstärkungen für RB und Konkurrenz für die Etablierten sind sie alle drei auf lange Sicht dennoch. Oder wie es Nagelsmann simpel formuliert: "Wer gut ist im Training, der spielt."

Nagelsmann: "Dann werde ich eben dort Meister"

Nagelsmann, der Kerl, der bereits mit 28 Jahren zum Bundesliga-Trainer aufstieg und RB Leipzig, der Verein, der innerhalb von nur sechs Jahren von der Oberliga ins deutsche Oberhaus gestürmt ist: Nicht nur auf den ersten Blick scheint das zu passen.
Und die Ziele sind hochgesteckt. Sicher, "Leipzig kann nicht mit Bayern München konkurrieren, was Gehälter und Ablösen angeht", weiß auch Nagelsmann, aber: "Wenn wir überzeugen als Gruppe, können wir eine interessante Alternative sein."
Man müsse versuchen, "die Großen anzugreifen". Denn nur dann würden sich die Spieler auch sagen: "Dann werde ich eben dort Meister."
Der Timer dafür ist auf vier Jahre gestellt. Der Start könnte holprig werden. Doch für den "Perfect fit" lohnt sich die Geduld.
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