Taktik-Check: Darum ist Borussia Mönchengladbach derzeit nicht zu stoppen

Borussia gegen Borussia: Gladbach fährt am Samstag (ab 18:30 Uhr bei Eurosport.de im Liveticker) als Tabellenführer nach Dortmund. Die neue Spielweise unter Marco Rose haben die "Fohlen" deutlich schneller als erwartet verinnerlicht. Eurosport.de analysiert vor dem Topspiel im Taktik-Check, warum Borussia Mönchengladbach derzeit nicht zu stoppen ist.

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Nach sieben Spieltagen besitzt die Tabelle zwar noch nicht die größte Aussagekraft, dennoch sortiert sich die Liga so langsam. Nicht der FC Bayern steht oben. Und auch nicht Borussia Dortmund. Mit Borussia Mönchengladbach steht eine Mannschaft an der Tabellenspitze, die man vor der Saison zurecht als Wundertüte bezeichnen konnte.
Mit Marco Rose verpflichtete man den Trainer von RB Salzburg. Die Teams aus dem RB-Kosmos stehen in der Regel für eine ganz bestimmte Art von Fußball: Pressing, Gegenpressing, Umschalten! Höchste Intensität über 90 Minuten. Soweit das Klischee - Rose hat jedoch eine deutlich vielseitigere Vorstellung von Fußball.

Proaktiver Fußball "in allen Phasen"

"Wir wollen proaktiven Fußball in allen Spielphasen" sagte er zuletzt im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF. Mit dem Ball bedeute das, "schnell viele Chancen" zu kreieren. Man müsse schnell Tiefe, aber auch spielerische Lösungen suchen. Passend zu seinen technisch starken Spielern sagte er:
Diese Kombination aus geradlinigem Spiel in die Spitze und geduldigem Positionsspiel ist mit Gladbachs Kader gut umzusetzen. Einerseits verfügen die "Fohlen" mit Breel Embolo, Alassane Pléa und Marcus Thuram über extrem athletische Stürmer, die mit ihrer Wucht perfekt für schnelles Umschaltspiel geeignet sind. Andererseits gibt es mit Raffael, Lars Stindl, Christoph Kramer, Laszlo Benes oder Florian Neuhaus auch viele Spieler, die ihre Stärken im ruhigeren Positionsspiel haben.
Der stark umworbene Denis Zakaria verbindet die beiden Aspekte des Gladbacher Offensivspiels wie kaum ein anderer Spieler der Liga. Der Schweizer verfügt über eine großartige Dynamik, hat aber gleichzeitig die nötige Ruhe beim Finden der besten Position. So kann er sowohl über seine Vorstöße in die Tiefe als auch über sein Passspiel dominant sein - ein klarer Schlüsselspieler.
Das Gladbacher Spiel in Ballbesitz ist also sehr flexibel. Diese Flexibilität verlangt den Spielern aber auch einiges ab. Die Spieler seien immer wieder gefragt, nach Ballgewinnen entweder schnell Richtung Tor umschalten und abzuschließen oder die nötige Ruhe zu finden, um auch selbst Ballbesitz zu haben. Auch zur Regeneration. Genauer: "Für Phasen, in denen wir wieder wahnsinnig intensiv gegen den Ball arbeiten wollen", so Rose.

Pressingmaschine Borussia

Die Marschroute in der Defensive ist sehr klar:
Unabhängig vom System - zu Saisonbeginn mit Mittelfeldraute, mittlerweile im 4-2-3-1 - geht es vorrangig darum, die wichtigen Räume im Zentrum zu kontrollieren.
Hier unterscheidet sich Gladbach von vielen anderen Pressingteams. In der Regel verhalten sich Mannschaften beim Angriffspressing sehr mannorientiert. Die klare Verantwortlichkeit für einen bestimmten Gegenspieler sorgt dafür, dass die Spieler bei den intensiven Laufwegen sich nicht auch noch um Räume und Abstände zu kümmern haben. Bei Gladbach sind die Aufgaben im Pressing jedoch komplexer, da sie den Gegner bewusst in verschiedene Zonen lenken.
Sie stehen beim hohen Pressing im Raum, sodass einige Aufbauspieler des Gegners "frei" sind. Achtung, das ist eine Falle! Oftmals ist es ein gegnerischer Sechser, dem bewusst mehr Freiraum gewährt wird. Das Ziel: ein Anspiel auf den vorher als nicht so ballsicher ausgemachten Akteur. Gladbach kreist den betreffenden Spieler förmlich ein, da sowohl ein Spieler aus dem Mittelfeldzentrum als auch vom Flügel in Richtung des Passempfängers schiebt. Weil der oder die Stürmer zudem zurückeilen, wird der Raum schnell extrem eng - meistens sorgt dies für einen Fehlpass des Gegners, im Idealfall aus Gladbacher Sicht gibt es einen direkten Ballgewinn direkt vor der Abwehrkette des Gegners.
Eurosport-Check: Roses Fußball mit Elementen der typischen RB-Schule (Pressing, Gegenpressing, Umschalten) und ruhigen Ballbesitzphasen kommt Gladbachs Spielern sehr entgegen, sodass der Eingewöhnungsprozess ungewöhnlich schnell abgeschlossen zu sein scheint. Der Kader gibt diese flexible und sehr fordernde Spielweise definitiv her, diese Mischung aus Athletik, Technik und taktischer Cleverness ist bei nicht vielen Bundesligisten zu finden. Gelingt es den Gladbachern, den Schwung aus den guten letzten Wochen mit ins Topspiel nach Dortmund zu nehmen, haben sie gegen die andere Borussia aktuell klare Vorteile.
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