Taktik-Check: Warum der BVB der Gewinner des Wintertransferfensters ist

Erling Haaland hat in seinen ersten Einsätzen mehr als eingeschlagen, Emre Can kommt als weiterer Königstransfer von Juventus Turin: Der BVB macht im Wintertransferfenster richtig ernst. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum die beiden Neuzugänge Dortmund auf ein neues Level heben.

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Fotocredit: Eurosport

Wintertransfers fallen oft in die Kategorie "Lückenfüller", die wirklich großen Wechsel gibt es in der Regel erst im Sommer. Der BVB hat in diesem Transferfenster aber gezeigt, dass es auch anders geht. Mit Erling Haaland haben sie einen der begehrtesten jungen Stürmer überhaupt geholt, mit Emre Can kommt noch ein gestandener, international erfahrener Spieler dazu.

Mit Haaland zur erhofften Durchschlagskraft?

Dortmund spielte zwar eine ordentliche Hinrunde, dennoch fehlte immer wieder das gewisse Etwas, um ganz oben angreifen zu können. Gerade die Durchschlagskraft und letzte Konsequenz im Angriffsdrittel ging den Schwarz-Gelben zu oft ab.
Mit Haaland hat Lucien Favre nun im Angriff eine zusätzliche Komponente, die sich kurz und knapp mit "Power" beschreiben lässt. Haaland ist eine Mischung aus einem klassischen und modernen Neuner. Der 19-Jährige zeichnet sich vor allem durch seine für sein Alter beeindruckende körperliche Präsenz aus. Haaland ist sehr robust, dabei aber trotzdem beweglich und schnell.
Der Norweger hat ein sehr gutes Timing für Läufe in die Schnittstellen der Abwehr – und der BVB hat mit Marco Reus, Julian Brandt und Co. genug Spieler, die diese Bälle spielen können. In diesen Situationen kann Haaland seine Athletik ausspielen und sich im Laufduell Schulter an Schulter mit dem Innenverteidiger behaupten.
Seine Abschlüsse sind mit beiden Füßen hart und präzise, beim Kopfballspiel hat er noch Luft nach oben – allerdings operiert Dortmund ohnehin nur selten mit hohen Flanken. Haaland funktioniert sowohl als alleinige zentrale Spitze in Systemen wie 3-4-3 oder 4-3-3 als auch in einer Doppelspitze. Letztere Variante hat Favre beim BVB bislang nur selten genutzt, Systeme wie ein 4-4-2 könnten nun aber eine Option werden. Gerade Spieler wie Brandt oder Reus könnten als hängende Spitze um Haaland herum gut funktionieren, da dieser auch mal beide Innenverteidiger des Gegners gleichzeitig binden kann.

Can als doppelte Verstärkung

Auch Emre Can wird den BVB in der Rückrunde verstärken. Der Nationalspieler könnte sogar noch wichtiger werden als Haaland – denn er hilft gleich auf mehreren Positionen.
Can verfügt über ein ziemliches komplettes Fähigkeitsprofil, trotzdem läuft er in Deutschland oft unter dem öffentlichen Radar. Neben der Tatsache, dass er in den letzten Jahren im Ausland spielte, könnte das auch daran liegen, dass keine seiner Fähigkeiten auf absolutem Topniveau sind. Dafür kann Can aber nahezu überall internationales Niveau vorweisen: Sein Passspiel ist beidfüßig gut, er ist zweikampfstark, bringt für seine robuste Statur eine gute Geschwindigkeit mit und ist ein mehr als ordentlicher Kopfballspieler.
Diese Fähigkeiten kann der 26-Jährige beim BVB sowohl auf seiner angestammten Position im Mittelfeld als auch in der Abwehr einbringen. Grundsätzlich ist Can ein Box-to-Box-Spieler. Als Teil einer Doppelsechs oder als Achter im 4-3-3 macht er weite Wege mit in den Strafraum, geht nach Ballverlust ins Gegenpressing und bringt seine Zweikampfstärke dann ein, wenn mal tiefer verteidigt werden muss.
Voraussichtlich wird er auch hauptsächlich diese Rolle beim BVB einnehmen. Zuletzt machte Julian Brandt seine Sache als offensiverer Part der Doppelsechs zwar gut, trotzdem ist er weiter vorne besser aufgehoben. Mit Can käme neben der körperlichen Komponente auch noch eine ordentliche Portion Erfahrung ins Mittelfeld. Diese Erfahrung soll im besten Falle dabei helfen, einen noch besseren Rhythmus ins Spiel zu bekommen: Wann spielen wir schnell nach vorne? Wann sichern wir den eigenen Ballbesitz?
Auch in der Innenverteidigung kann Can eine interessante Rolle spielen. Gerade wenn der BVB wie zuletzt mit einer Dreierkette spielt, kann Can ähnlich wie schon bei Jogi Löw in der Nationalmannschaft auf einer der äußeren Positionen agieren. Hier gilt es, Laufduelle zu gewinnen und in Ballbesitz das Spiel anzutreiben – Mats Hummels würde im Aufbauspiel merklich entlastet werden.
Eurosport-Check: Die Wintertransfers des BVB sind als klare Ansage an die Liga zu sehen: Schaut her, wir greifen nochmal an. Noch sind drei Titel zu holen – und mit diesen beiden Toptransfers unterstreichen die Dortmunder ihre Ambitionen, am Ende der Saison etwas in der Hand halten zu können!
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