Die Aussagen von Karl-Heinz Rummenigge bezüglich einer möglichen Verlängerung mit Mittelfeld-Star Thiago beim FC Bayern konnten klarer nicht sein: "Es sieht so aus, dass er zum Ende seiner Karriere noch einmal etwas Neues machen möchte", sagte der Bayern-Boss kürzlich der "Bild"-Zeitung.
Etwas Neues: Das lässt bis auf den FC Barcelona, bei dem Spanier seine ersten Karriereschritte machte, und den Münchnern, bei denen er seit 2013 unter Vertrag steht, jede Menge Möglichkeiten offen. Sollte man zumindest meinen.
Doch aktuell ist der Transfermarkt alles andere als ein Wunschkonzert für wechselwillige Spieler - auch nicht für diejenigen, die das Standing und die Klasse eines Thiago haben.
Champions League
CAS hebt Champions-League-Sperre für Manchester City auf
13/07/2020 AM 08:37

Corona: Die Unsicherheit ist überall

Dass der 29-Jährige den meisten Topklubs in Europa spielerisch gut zu Gesicht stehen würde, ist kein Geheimnis. Dass er für die von den Bayern geforderte Ablösesumme, die laut "Kicker" zwischen 60 und 80 Millionen Euro liegen soll, für die größten Klubs in England, Spanien und Italien erschwinglich gewesen wäre, ist ebenfalls klar.

Thiago spielt seit 2013 beim FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Doch in Zeiten einer Pandemie, deren Ende noch immer nicht absehbar ist und die alle Bereiche der Wirtschaft mehr oder weniger hart getroffen und verunsichert hat, ist eben gar nichts sicher. Nicht einmal, dass begnadete Mittelfeldtechniker wie Thiago einen neuen Klub finden, obwohl sie händeringend gesucht werden.
Ein oberflächlicher Blick auf die verschiedensten Sportportale und Fach-Zeitungen genügt, um sich einen Überblick über Angebot und Nachfrage im Fall Thiago zu verschaffen. Fast täglich sprießen neue Gerüchte um den Katalanen aus dem Boden. Bei genauerem Hinsehen jedoch schließen sich einige Türen schnell.

Liverpool als Option: Berichte deuten in andere Richtung

Da wäre zum einen der FC Liverpool. Der Klub des deutschen Teammanagers Jürgen Klopp galt lange als wahrscheinlichste Option. Das lag vor allem daran, dass beim englischen Meister trotz aller Qualität im Kader in der Mittelfeldzentrale durchaus Bedarf besteht. Fußball-Experte Pete Sharland von Eurosport in London erklärt:
"Liverpool braucht definitiv einen Spieler wie Thiago. In der kommenden Saison werden die meisten Gegner gegen die Reds noch tiefer verteidigen, und wenn Klopp dann einen Passgeber vom Format eines Thiago im Team hat, wäre das ein massiver Vorteil."

Bayern-Star Thiago zu Liverpool? Das sagt Klopp

Aktuelle Berichte von "ESPN" deuten jedoch in eine andere Richtung. Thiago ist den Reds zu teuer. Bereits Anfang Mai hatte der LFC angekündigt, in diesem Sommer keine großen Transfers tätigen zu wollen, da noch nicht absehbar sei, wann wieder vor vollen Stadien gespielt werden und damit mit "normalen" Spieltagseinnahmen gerechnet werden kann.
Das Risiko großer Investitionen wolle man solange nicht eingehen, bis es diesbezüglich eine klare Zukunftsprognose gebe. Dass "ESPN" - im Gegensatz zum "Kicker" - gerade einmal von knapp 35 Millionen Euro Ablöseforderung schreibt, zeigt, wie prekär die finanzielle Lage auch in der sonst so liquiden Premier League ist.

Thiago: Juventus Turin? Manchester City?

Es wäre durchaus verwunderlich, sollte sich die Situation in Italien nicht ähnlich oder gar noch haariger darstellen. Trotzdem ist in mehreren englischen Medien von Juventus Turin als möglichem neuen Thiago-Arbeitgeber die Rede.
So berichtet der "Daily Mirror", dass die Alte Dame bereits ein erstes Angebot für den Mittelfeldregisseur vorbereite und auch Manchester City mit Thiagos altem Förderer Pep Guardiola ("Thiago oder nix!") soll ins Rennen eingestiegen sein.

Pep Guardiola und Thiago Alcantara: Bald bei Manchester City vereint?

Fotocredit: Imago

Die Citizens haben am Montagmorgen die frohe Kunde erhalten, dass der zweijährige Champions-League-Bann, mit dem sie Anfang des Jahres vom unabhängigen Finanzkontrollgremium der UEFA belegt worden waren, vom internationalen Sportgerichtshof CAS aufgehoben wurde.
Am 14. Februar belegte die UEFA die Citizens aufgrund von "schwerwiegenden Verstößen" gegen das Financial Fairplay mit einer Sperre für die Königsklasse. City bestritt die Vorwürfe, unrechtmäßige Geldzuwendungen durch seine arabischen Investoren erhalten zu haben und hatte damit nun Erfolg.
Damit steht (Corona mal ausgeklammert) großen Investitionen beim Scheichklub eigentlich nichts mehr im Wege.

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Bleibt Thiago letztlich doch in München?

Inwiefern sich Manchester City jedoch ins Risiko begibt und der Pandemie zum Trotz teure neue Stars verpflichten will oder kann, ist noch unklar.
Fakt ist: Schaut man auf das Beispiel Liverpool, das ebenfalls mit TV-Einnahmen aus Champions League und Premier League planen kann und dennoch extrem vorsichtig auf dem Markt agieren will, steht auch hinter einem Vorpreschen des Tabellenzweiten ein großes Fragezeichen.
Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass Thiago trotz Abwanderungswünschen am Ende doch noch in München bleibt. Bayern-Coach Hansi Flick will jedenfalls um seinen Star kämpfen, "mit allem, was ich habe".
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Dass der Spanier aufgrund der aktuellen Marktlage doch noch einmal umdenkt und seinen im Jahr 2021 auslaufenden Vertrag beim FC Bayern verlängert, kann jedenfalls nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Mit dem FC Bayern spielt Thiago schließlich bei einem der ambitioniertesten Vereine weltweit. Die Chance, noch einmal die Champions League zu gewinnen, ist nicht bei allzu vielen Klubs größer als beim deutschen Rekordmeister.
Und der FC Bayern möchte "keinen Spieler im nächsten Jahr kostenlos verlieren", das stellte Rummenigge klar. Man habe in Bezug auf seinen neuen Vertrag "seriös verhandelt und alle seine Wünsche erfüllt", so der Vorstandsboss weiter.
Heißt zusammengefasst: Thiago verlängert noch in diesem Sommer sein Arbeitspapier oder wird verkauft.
Wirklich viele Klubs kommen jedoch nicht infrage.
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