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Der ewige Robin: Warum Thorgan Hazard die Nebenrolle liegt

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Axel Witsel und Thorgan Hazard von Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

VonMarc Hlusiak
23/05/2020 Am 09:45 | Update 23/05/2020 Am 10:28
@mhlus

Thorgan Hazard spielt eine hervorragende Premierensaison beim BVB, im medialen Fokus stehen aber andere. Der Belgier muss in gewohnter Weise mit einer Nebenrolle klarkommen, obwohl er laut seiner Statistiken eigentlich im Rampenlicht stehen sollte. Doch auch ohne viele Schlagzeilen ist der 27-Jährige für den BVB längst unverzichtbar geworden - und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

Im Sommer 2019 wechselte Eden Hazard, einer der begnadetsten Fußballer unserer Zeit, für rund 100 Millionen Euro vom FC Chelsea zu Real Madrid. Ein Transfer der allerhöchsten Kategorie, der den Königlichen endlich den legitimen Ronaldo-Nachfolger liefern sollte.

Was nur wenige wissen: Auch der FC Bayern hätte durchaus Chancen gehabt, den Belgier an Land zu ziehen, doch Eden schloss den deutschen Rekordmeister aus Rücksicht auf seinen kleinen Bruder kategorisch aus. "Er sagte mir: 'Ich gehe nicht dorthin, weil mein Bruder in Deutschland spielt'", verriet Ex-Chelsea-Keeper Rob Green gegenüber "The Athletic". Er wolle nicht, dass sein kleiner Bruder in seinem Schatten stehe.

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Hazard-Transfer im Schatten "größerer" Deals

In gewisser Weise scheint es das Schicksal von Thorgan Hazard, eben jenem kleinen Bruder Edens, zu sein, ein (überspitzt gesagt) Schattendasein zu fristen. Denn auch in seiner Premieren-Saison bei Borussia Dortmund, die objektiv betrachtet mehr als ordentlich verläuft, bekommt der 27-Jährige vergleichsweise wenig Scheinwerferlicht ab.

Thorgan Hazard - Eden Hazard (Belgien)

Fotocredit: Getty Images

Das fing schon vor rund einem Jahr an, als der Wechsel des belgischen Nationalspielers von Borussia Mönchengladbach nach Dortmund öffentlich wurde. Damals war in diversen Zeitungen und Online-Portalen, natürlich nicht ganz ernst gemeint, zu lesen, der BVB habe beim falschen Hazard zugeschlagen.

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Kurze Zeit später überstrahlten weitere Einkäufe des BVB, der in kürzester Zeit die Transfers von Julian Brandt (von Bayer Leverkusen), Niko Schulz (von der TSG 1899 Hoffenheim) und Mats Hummels (vom FC Bayern München) bekannt gab, den Wechsel des Belgiers.

Aber warum?

Thorgan Hazard beim BVB: Die Zahlen stimmen

Schaut man ganz rational auf das, was Hazard nach 26 Spieltagen beim BVB abgeliefert hat, gebührt ihm jede Menge Aufmerksamkeit. Der 27-Jährige ist voll eingeschlagen, das kann man mit Fug und Recht behaupten. Sechs Treffer und elf Torvorlagen in 25 Bundesligaspielen - Werte, die durchaus beeindrucken.

Unter Lucien Favre, der Hazard schon aus seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach kennt, ist der Offensiv-Allrounder immer ein Kandidat für die Startelf. Nur fünf Feldspieler (Achraf Hakimi, Hummels, Jadon Sancho, Axel Witsel, Manuel Akanji) standen in dieser Saison mehr Minuten auf dem Feld.

"Wir wissen, wie wertvoll er für unser Spiel ist. Seine Quote aus Toren und Assists ist herausragend", schwärmte deshalb auch Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, gegenüber den "Ruhrnachrichten".

Und trotzdem: Im hellen Scheinwerferlicht stehen in Dortmund meist andere.

Die Show gehört Sancho und Haaland

Nun ja, es ist auch nicht so einfach neben zwei der aufregendsten Youngster Europas zu glänzen. Mit Jadon Sancho und Erling Braut Haaland steht nicht einfach nur ein junges, aufstrebendes Duo im BVB-Kader, beide liefern auch Zahlen ab, die ihresgleichen suchen.

Sancho spielt seine zweite Saison als Stammspieler auf Profiniveau und bricht dabei jetzt schon einen Rekord nach dem anderen. 24 Bundesligaspiele, 14 Tore und 16 Vorlagen stehen für den noch immer erst 20-Jährigen schon jetzt zu Buche. Der Assistrekord von Emil Forsberg aus dem Jahr 2017 (22) wackelt bedenklich.

Ebenso im medialen Fokus steht Winterneuzugang Haaland, der seit seiner Ankunft in Dortmund alle 60 Minuten in der Bundesliga trifft. Kein Wunder, dass für Hazard medial oft nur eine Nebenrolle bleibt.

Thorgan Hazard vom BVB

Fotocredit: Getty Images

Der Belgier zeichnet sich durch unermüdlichen Arbeitsfleiß aus, ist zudem mit einem hohen Tempo und enormer Wendigkeit gesegnet. Als Flügelpendant zu Sancho kommt er gradliniger daher, eben nicht so verschnörkelt und spektakulär. Solide Werksarbeit, statt künstlerische Extravaganz - wenn man so will.

Hazards Rolle kommt ihm zu Gute

Genau diese Spielweise ist es, die ihn für den BVB so wichtig macht. Zudem ist Hazard mit einer tadellosen Einstellung ausgestattet. Sollte Favre ihn ob der großen Konkurrenz in der Dortmunder Offensive mal draußen lassen, schmollt der Belgier nicht.

Im Revierderby gegen Schalke 04 zum Beispiel war er nur die dritte Wahl für den rechten Flügel. Sancho fiel mit Oberschenkelproblemen aus, Giovanni Reyna sollte an seiner Stelle von Beginn an spielen, verletzte sich aber beim Aufwärmen. Hazard sprang in die Bresche und gehörte nicht nur wegen seiner zwei Scorerpunkte (ein Tor, ein Assist) zu den besten Spielern auf dem Platz.

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Hazard ist ein pflegeleichter Profi, ein Spieler, den jeder Trainer gerne ob seiner unkomplizierten Art im Kader hat. Was nicht heißen soll, dass sich der 27-Jährige mit weniger als andere zufrieden gibt.

Mit Bruder Eden hat er zumindest jedes Jahr eine Wette laufen: "Wer am Ende einer Saison weniger Tore geschossen hat, der muss den anderen zum Essen einladen", verriet er mal dem "Sportbuzzer".

Im Vergangenen Jahr verlor Thorgan deutlich mit 13:21. Aktuell liegt er jedoch mit 6:1 in Front.

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