Timo Werner tut sich mit Absage an FC Bayern keinen Gefallen
Timo Werner will RB Leipzig im Sommer verlassen, das ist ein offenes Geheimnis. In einem Interview mit der "Bild-Zeitung" prescht er nun ähnlich wie im Dezember 2018 offensiv nach vorne und verrät, lieber ins Ausland als zum FC Bayern wechseln zu wollen. Eine Aussage, die ob der aktuell weltweiten Ausnahmesituation unbedacht wirkt.
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Aus Fehlern lernt man.
Eine Lebensweisheit, die jeder kennt und eine Erfahrung, die jeder von uns in frühester Kindheit schon gemacht hat. Den Griff auf die heiße Herdplatte oder in den Brennnesselstrauch überlegt man sich bei nächster Gelegenheit doppelt gründlich. Klassiker.
Ganz so einfach ist diese Lebensregel im Fußballgeschäft natürlich nicht anwendbar. Das zeigt das Transfertheater im Fall Timo Werner, der seit nunmehr eineinhalb Jahren offen mit seinem Abschied von RB Leipzig kokettiert.
Timo Werner: Retourkutsche für die Bayern?
"Wenn man in Deutschland bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, gibt es eigentlich nur einen Verein, zu dem man wechseln kann", sagte Werner im Dezember 2018, als die Spekulationen um seinen Abschied aus Leipzig zum ersten Mal richtig hochkochten gegenüber "Sky".
Eine forsche Ansage des Stürmers, die das vermeintliche Ziel, einen Wechsel zum FC Bayern, jedoch verfehlte. Das Ergebnis waren Unruhe und wilde Spekulationen seitens der Medien, anstelle von Vertragsverhandlungen mit dem Rekordmeister. Daraus gelernt?
Fast anderthalb Jahre später äußert sich Werner erneut in einem Interview mit der "Bild" öffentlichkeitswirksam zu seinen Wechselabsichten, verpackt dieses Mal jedoch eine Absage an die Münchner ins Gesagte: "Bayern ist ein toller Verein, da brauchen wir nicht drüber zu reden. Und Hansi Flick hat diese Saison bewiesen, dass er ein richtig guter Cheftrainer ist. Aber falls ein Wechsel irgendwann einmal ein Thema werden sollte, würde mich eher der Schritt ins Ausland reizen als ein Wechsel zu Bayern." Eine Retourkutsche?
Hasan Salihamidzic erklärt Entscheidung gegen Werner
Möglich. Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic erklärte schließlich erst im Januar 2020 gegenüber "Sport Bild", warum die Münchner im vergangenen Sommer bei Werner nicht zuschlugen, obwohl der Stürmer dank eines auslaufenden Vertrages im Juni 2020 für die vergleichsweise geringe Summe von 25 Millionen Euro zu haben gewesen wäre.
"Timo Werner braucht mit seiner Schnelligkeit mehr Räume, die hatte er in dem System, das Leipzig gespielt hat." Das System habe sich nun zwar geändert, aber: "Vorne ist es nicht so eng wie bei uns", erklärte der Bosnier. Übersetzt heißt das: Werners spielerische Fähigkeiten reichen für den FC Bayern nicht aus.
Zudem soll auch Ex-Trainer Niko Kovac kein großer Fürsprecher des Leipzigers gewesen sein. Deutliche Worte, die den 24-Jährigen kränkten und bis heute nachwirken.
Inzwischen stellt sich die Gemengelage jedoch anders dar. Werner verlängerte im Sommer 2019 für weitere drei Jahre in Leipzig bis 2023 und Hansi Flick ist neuer Chefcoach des FC Bayern. Der 55-Jährige gilt als angetan von Werner, machte sich schon im vergangenen Sommer, damals noch in seiner Funktion als Co-Trainer, für einen Transfer stark und hätte durchaus als Redensführer einer neuen Werner-Offensive fungieren können.
Timo Werner setzt sich selbst unter Druck
Doch die Option FC Bayern könnte sich Werner nun verbaut haben. Hat sich der Nationalspieler die Begründung der Bayern-Bosse, die er mit seiner Aussage kurz vor Weihnachten 2018 selbst provoziert hatte, zu sehr zu Herzen genommen?
Einerseits wäre dies verständlich, bewegt sich der 24-Jährige doch seit Jahren auf einem Niveau, das mindestens der internationalen Klasse entspricht. "Ich glaube, dass er sich zurecht mit den ganz Großen battlen kann", schwärmte Teamkollege Lukas Klostermann. In der aktuell laufenden Spielzeit kommt der Nationalspieler auf 27 Tore und zwölf Vorlagen in 36 Pflichtspielen, insgesamt traf er bereits 88 Mal in 150 Spielen für Leipzig. Werte, die ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein rechtfertigen.
Unsichere Marktlage wegen Corona-Pandemie
Aus verhandlungstaktischer Sicht setzt sich Werner mit dem Gesagten jedoch erneut selbst unter Druck und verbaut sich womöglich eine attraktive, wenn nicht die attraktivste Destination in der Bundesliga. Kann ihm egal sein, wenn es denn mit einem Wechsel zum FC Liverpool, der großes Interesse am Deutschen haben soll und auf den Werners Auslands-Aussage womöglich abzielte, klappt. Doch wer kann sich da in diesen Zeiten so sicher sein?
Die Coronakrise verändert den Transfermarkt in diesem Sommer grundlegend. Transferpläne der Topklubs werden aufgrund der allgemein unsicheren Finanzlage durchkreuzt oder sogar über den Haufen geworfen. Werners Preis jedenfalls dürfte durch die Krise kaum sinken. "Ich habe das Wirtschaftliche im Blick", versicherte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff mit Blick auf den Verkauf von Leistungsträgern.
Für Klubs, Berater und Spieler ist es aktuell schlicht nicht angebracht, sich aus dem Fenster zu lehnen und forsche Ansagen zu formulieren.
Oder um es mit den Worten des römischen Gelehrten Anicius Manlius Severinus Boethius zu sagen: "Hättest Du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben."
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