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Drei Dinge, die auffielen: Gefährliche Parallelen zur Kovac-Zeit

Drei Dinge, die auffielen: Gefährliche Parallelen zur Kovac-Zeit

08/12/2019 um 09:25Aktualisiert 08/12/2019 um 11:18

Der FC Bayern München hat nach 14 Spielen vier Niederlagen auf dem Konto und rangiert momentan nur noch auf Platz sieben der Bundesliga-Tabelle. Das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach gibt zu denken, denn es traten einige Parallelen zur Zeit unter Trainer Niko Kovac auf. Hansi Flick und die Mannschaft sind alarmiert. Drei Dinge, die uns im Borussia-Park auffielen.

Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Morbach

1. Eindimensionale Bayern

Marco Rose verschwieg nicht, dass das 2:1 seiner Mannschaft gegen die Bayern "glücklich" war, Gladbachs Trainer sagte aber auch:

"Wir haben auf Sieg gespielt, auf Sieg gewechselt - was sich letztlich ausgezahlt hat."

Borussias Mittelfeld-Raute funktionierte nicht, also brachte Rose in der 58. Minute mit Breel Embolo einen dritten Stürmer - für Mittelfeldmann Laszlo Benes. Zwei Minuten später fiel das 1:1, im Gegensatz zum Kollegen reagierte Bayern-Coach Hansi Flick - ähnlich wie schon sein Vorgänger Niko Kovac - aber nicht auf die veränderte Situation auf dem Rasen. In-Game-Coaching? Eine Reaktion auf die Reaktion? No way! Bayern fehlte Plan B. Auch aus dem Team heraus kam überraschend wenig Antrieb.

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Ein Déjà-vu von Mitte September, als sich die Münchner nach ähnlich überlegen geführter erster Halbzeit wie jetzt in Gladbach mit einem 1:1 in Leipzig begnügen mussten. Nun setzte es sogar eine Niederlage - vor allem auch deshalb, weil die Gäste den mutigen Wechseln des Spitzenreiters nichts vergleichbar Mutiges entgegenzusetzen hatten. Das sah auch FCB-Kapitän Manuel Neuer so:

"Wir machen das 1:0 und hätten so weiterspielen müssen. Wir hätten nicht abwarten dürfen, das bringt nichts bei unserem Fußball. Das war ein bisschen zu viel Abwarten in der zweiten Halbzeit, deshalb kam Gladbach mehr und mehr auf."
Corentin Tolisso lors de Mönchengladbach-Bayern

Corentin Tolisso lors de Mönchengladbach-BayernGetty Images

2. Fataler Chancenwucher

Thomas Müller wurde angesichts des anhaltenden Münchner Chancenwuchers kurz philosophisch. "Konnte man so etwas schon jemals erklären?", fragte der 30-Jährige in die Runde - ehe er "eine gewisse Leichtfertigkeit" und den möglichen Hang, den Ball "ins Tor zaubern" zu wollen, als Ursachen für die schwere Trefferkrise ausschloss.

Fakt ist: Die Bayern erspielten sich bei den jüngsten Niederlagen gegen Leverkusen und in Gladbach jeweils massenhaft Torgelegenheiten, die fehlende Eiseskälte vor dem gegnerischen Tor hat inzwischen aber selbst ihren Besten fest im Griff: Nachdem er in den ersten elf Runden immer mindestens einmal jubeln durfte, wartet Robert Lewandowski nun seit drei Liga-Spielen auf ein Erfolgserlebnis. Aus den letzten 34 Torschüssen der Bajuwaren resultierte nur ein kümmerlicher Treffer. Weswegen Übungsleiter Flick vom Niederrhein auch die unerfreuliche Erkenntnis mitnahm:

"Es fehlt uns manchmal die Entschlossenheit vor dem Tor. Dadurch lässt du Gladbach im Spiel, das sind Situationen wie letzte Woche gegen Leverkusen, die wir normalerweise hätten früher zumachen können. Die Mannschaft hat die Qualität, Tore zu erzielen, sie setzt es derzeit nur nicht um."

3. Paradebeispiel Bensebaini

Der Aufschwung der Gladbacher fußt auf vielen Namen, etwa auf dem neuen Trainer-Chef Rose, dem neuen Sturmereignis Marcus Thuram - oder dem neuen Linksverteidiger Ramy Bensebaini. Der algerische Nationalspieler, im Sommer von Stade Rennes gekommen, verkörpert das kontinuierlich gewachsene Selbstbewusstsein der Borussen wie kein Zweiter.

Ramy Bensebaini (Mönchengladbach), héros de la victoire face au Bayern

Ramy Bensebaini (Mönchengladbach), héros de la victoire face au BayernGetty Images

Schon in den letzten Partien war der 24-Jährige stets einer der Auffälligsten in den Reihen des Rautenklubs, die beiden Tore der angriffslustigen Defensivkraft gegen den FCB waren nun eine fast logische Folge. Fand auch Yann Sommer, der vor allem Bensebainis Elfmetertor in der Nachspielzeit genoss. "Ich habe schon im Training ein paar Mal gesehen, wie und mit welcher Sicherheit er Strafstöße schießt", erzählte der Schweizer Nationaltorwart. "Deshalb habe ich mich auch gefreut, als er den Ball genommen hat." Der Torschütze selbst amüsierte nach dem Erfolg noch mit einer Anekdote:

"Nach dem letzten Spiel war klar, dass Breel Embolo nicht mehr schießt. Dann habe ich gesagt, dass ich es machen werde. Aber ehrlich gesagt, habe ich es vergessen, als es den Elfmeter gab. Tobias Sippel (Ersatzkeeper, d. Red.) hat mich erinnert, dass ich der Elfmeterschütze bin."

Sippel hatte von draußen reingerufen: "Nimm dir den Ball und mach' ihn rein!" Das Ende ist bekannt. Und die "Fohlen" preschen weiter voran.

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