Schon in der 3. Minute hatte RB Leipzig die erste Torchance. Nach einer flachen Hereingabe von der rechten Seite kam Amadou Haidara im Strafraum ziemlich frei zum Abschluss, schoss aber links am Tor vorbei. Danach aber stabilisierte sich der 1. FC Köln und machte Leipzig lange das Leben schwer.
Die Gastgeber zogen sich weit zurück, stellten die Passwege zu und doppelten die Flügelspieler der Leipziger. So konnte RB das Ballbesitz-Übergewicht lange nicht in klare Chancen umwandeln. In der 25. Minute hatte Jonas Hector sogar die Chance auf die Führung. Sein Flachschuss nach einem Konter war aber zu ungefährlich.
Je länger die erste Halbzeit aber dauerte, desto häufiger kamen die Gäste gefährlich vors Tor. Alexander Sörloth wurde in der 27. Minute von der linken Seite freigespielt, verzog mit seinem Kopfball aber deutlich. In der 35. Minute ließ Christopher Nkunku Gegenspieler Kingsley Ehizibue im Strafraum aussteigen, sein Schuss rauschte knapp über die Latte.
Bundesliga
Hertha macht Nicht-Abstieg klar - Köln droht "grausames" Ende
15/05/2021 AM 15:24
Nur eine Minute später hatte Nordi Mukiele eine Riesenchance. Haidara spielte ihn in halbrechter Position frei, Mukiele schoss unbedrängt aus recht kurzer Distanz knapp am linken Pfosten vorbei. In der 41. Minute parierte Timo Horn stark einen Kopfball aus knapp zehn Metern von Sörloth.
Nach nur 56 Sekunden in der zweiten Halbzeit gingen die Kölner überraschenderweise in Führung. Nach einem Angriff über die linke Seite flankte Jannes Horn in den Strafraum, wo Dayot Upamecano zu weit von Jonas Hector entfernt war. So konnte der FC-Kapitän zur Führung einköpfen (46.).
Doch Leipzig brauchte nicht allzu lange, um zurückzuschlagen. Nach einem Abschlag behauptete Sörloth den Ball stark, das Spielgerät landete bei Haidara und der schoss von außerhalb des Strafraums wuchtig ins rechte obere Eck (59.).
Doch nur eine Minute später gab es die nächste kalte Dusche für Leipzig. Hector spielte auf der rechten Seite einen Doppelpass mit Ondrej Duda, der stark per Hacke weiterleitete. Der FC-Kapitän zog zur Mitte und schoss unbedrängt rechts unten ins Eck (60.).
In der Phase danach wirkte RB vom Rückstand mitgenommen und schaffte es nicht mehr, ein strukturiertes Angriffsspiel aufzuziehen. In der 72. Minute hielt Horn mit einem starken Fußreflex einen hart geschossenen Freistoß von der Strafraumkante von Angelino.
In der Schlussphase warf Leipzig alles nach vorne, doch es war auch viel Hektik im Spiel. Es gab Unterbrechungen, Rudelbildungen und Diskussionen.
Hee-Chan Hwang konnte einen Steckpass im Strafraum nicht verarbeiten (85.), in der vierten Minute der Nachspielzeit wurde ein langer Ball auf Justin Kluivert verlängert, der aus kurzer Distanz an den rechten Außenpfosten schoss. So rettete Köln einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt ins Ziel.

Die Stimmen:

Friedhelm Funkel (Trainer 1. FC Köln): "Wir hatten in der ersten Halbzeit viel, viel Glück, da kann es keine zwei Meinungen geben. Sie haben uns in unserer Hälfte fast erdrückt. Wir sind kaum in Ballbesitz bekommen, die Mannschaft ist aber nicht eingebrochen. Am Schluss war es dann eine wahre Abwehrschlacht, anders geht es nicht. Wir wollen in der Liga bleiben, und neben aller Leidenschaft brauchst du da auch Glück. RB war die klar bessere Mannschaft. Wir werden in den verbleibenden vier Spielen jetzt alles tun, um uns eine Ausgangsposition zu verschaffen, mit der wir in der Liga bleiben können."
Julian Nagelsmann (Trainer RB Leipzig): "Wir hatten einen sehr guten Start ins Spiel, wir hatten früh Riesenchancen, haben diese aber nicht genutzt, auch später treffen wir das Tor nicht. Wenn man die Spiele gegen Hoffenheim und Köln zusammennimmt, waren es 41:10 Torschüsse für uns und 1:2 Tore gegen uns. Ich würde nicht sagen, dass die Luft bei uns raus ist. Wir haben mit genug Power gespielt, um zu gewinnen. Die Analyse ist total simpel: Es ist kein Charakterding, es fehlt nicht die Lust, es fehlen einfach die Tore, der Killer-Instinkt. Ich ärgere mich eher darüber, dass wir hier nicht gewonnen haben, als darüber, dass wir nicht Meister werden."
Timo Horn (1. FC Köln): "Wir wussten, dass es eine Abwehrschlacht wird, weil Leipzig sehr ballsicher ist. Nichtsdestotrotz haben wir zwei schöne Tore gemacht. Jonas Hector hat auch unglaublich viele Kopfballduelle gegen Upamecano gewonnen. Es war auch für den Schiedsrichter nicht einfach, weil es ein hektisches Spiel war."
Jonas Hector (1. FC Köln): "Mittelstürmer habe ich eigentlich nie gespielt, weiter vorne als normal beim FC im Heimatverein aber schon. Mir ist egal, wer bei uns die Tore schießt. Die haben uns in den letzten Wochen gefehlt. Man muss die Mannschaftsleistung hervorheben. Wir haben alle alles für diesen Sieg getan. Vor allem kämpferisch haben wir eine überragende Leistung abgeliefert."

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Leipzig zeigt, was zum Titelgewinn fehlt

Dass RB Leipzig sich in der Spitzengruppe festgespielt hat, ist unbestritten. Viele Beobachter gehen auch davon aus, dass die Sachsen nicht nur in dieser Saison Borussia Dortmund als Bayern-Jäger Nummer eins abgelöst haben. Doch im Spiel gegen Köln zeigte RB auch, dass ihnen wie den anderen Bayern-Konkurrenten die nötige Konstanz fehlt, um ein ernsthaftes Wort im Titelkampf mitreden zu können. In der ersten Halbzeit spielte Leipzig strukturiert und kam immer wieder zu guten Torchancen, obwohl Köln sehr tief stand. In der zweiten Halbzeit brachen die zwei Gegentore Leipzig aber das Genick. Im Angriff fehlte die Struktur und im Mittelfeld war das Zweikampfverhalten nicht optimal. So ließ sich RB von einem spielerisch unterlegenen, aber kämpferisch starken Gegner den Schneid abkaufen.

Die Statistik: 2

Der 1. FC Köln ist in dieser Saison nicht als offensivstarke Mannschaft bekannt. Vor allem in den letzten Wochen fehlte den Kölnern die nötige Offensivkraft, um mehr Punkte einfahren zu können. Bei der 0:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen machte Jonas Hector, der zurzeit etwas offensiver spielt als normalerweise, keine gute Figur. Gegen Leipzig aber zeigte der FC-Kapitän ein ganz starkes Spiel. Er erzielte zwei sehenswerte Tore, warf sich zudem in viele Kopfballduelle und wurde von seinen Mitspielern für seine kämpferische Leistung gefeiert.

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