Nach dem blamablen Pokal-Aus unter der Woche beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen (1:2 n. V.) standen die Zeichen bei Peter Bosz und seiner Mannschaft in der Bundesliga auf Wiedergutmachung. Gegen den Aufsteiger aus Stuttgart begann die Werkself schwungvoll, bereits in der zweiten Minute hatte Leon Bailey nach Flanke von Moussa Diaby die Führung auf dem Fuß, Gregor Kobel lenkte den Schuss des Leverkuseners aus vier Metern aber gerade noch an den Querbalken.
Auch in der Folge waren die Gastgeber die spielbestimmende Mannschaft. Die sonst so auswärtsstarken Stuttgarter von Pellegrino Matarazzo brauchten dagegen einige Zeit, um ins Spiel zu finden. Nach einer guten Viertelstunde zeigten sich die Gäste erstmals im gegnerischen Strafraum. Nicolás González ließ Jonathan Tah stehen und bediente Mateo Klimowicz, dessen Abschluss aus 13 Metern allerdings links am Tor vorbeirauschte (14.). Kurz darauf wurde ein Abschluss von Roberto Massimo im Sechzehner geblockt (15.).
In diese gute Phase der Gäste hinein erzielte dann aber Bayer Leverkusen die Führung. Nach einem flachen Abschluss aus 16 Metern von Diaby reagierte Kerem Demirbay am schnellsten und drückte den Ball aus kurzer Distanz artistisch zum 1:0 über die Linie (18.).
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06/02/2021 AM 16:23
Wenig später kam es noch dicker für den VfB, González hatte sich bei einem Zweikampf verletzt und musste ausgewechselt werden, für ihn kam Saša Kalajdžić in die Partie (22.). Wirklich gefährlich wurde Stuttgart aber auch anschließend nicht, Silas Wamangituka traf in der 24. Minute immerhin einmal das Außennetz.
Bayer nutzte dagegen immer wieder die Räume, die der VfB anbot. Vor allem die Außenbahnspieler Diaby und Leon Bailey sorgten so für viel Gefahr. Sowohl Patrik Schick (27.) als auch Timothy Fosu-Mensah (29.) blieb ein Treffer allerdings verwehrt.
Der Torschütze zum 1:0, Kerem Demirbay, hingegen hatte an diesem Nachmittag offensichtlich seine Lust am Toreschießen wiedergefunden. Nach feinem Steckpass von Diaby tauchte Demirbay freistehend vor Kobel auf und überwand Stuttgarts Torhüter mit einem Beinschuss zum 2:0 (31.).
Nur eine Minute später hätte Schick sogar noch erhöhen können, sein Abschluss aus elf Metern halblinker Position rauschte nur knapp am rechten Pfosten vorbei (32.). Auch ein Distanzschuss von Bailey verfehlte das Ziel nur um Zentimeter (45.).
So ging es mit einer 2:0-Führung für die Hausherren in die Kabinen.
Den zweiten Durchgang begann der VfB deutlich engagierter. Zunächst verpasste Wamangituka noch mit einem Schuss aus spitzem Winkel (46.), wenig später machte es sein Mannschaftskollege Kalajdžić dann besser. Nach Vorlage des eingewechselten Erik Thommy ließ der Österreicher Edmond Tapsoba im Strafraum stehen und überlistete Lukáš Hrádecký mit einem Heber zum 1:2-Anschlusstreffer (50.).
Wenig später versuchte es Wamangituka erneut aus spitzem Winkel, konnte Hrádecký aber nicht überwinden. Nach der anschließenden Ecke konterte Leverkusen über Diaby, der im Strafraum Übersicht bewies und Bailey bediente, der aus fünf Metern zentraler Position zum 3:1 einschob (56.). Besonders bitter für den VfB: Beim vorangegangenen Eckstoß hatten die Gäste ein Handspiel von Timothy Fosu-Mensah reklamiert, Schiedsrichter Sven Jablonski ließ allerdings weiterspielen.
Stattdessen erhöhte die Werkself erneut: Bei einem sehenswerten Konter flankte Diaby auf den Kopf von Florian Wirtz, der gegen die Laufrichtung von Kobel zum 4:1 vollendete (68.).
Die Gäste aber steckten nicht auf. Im Gegenteil: Erneut bediente Thommy Kalajdžić, der Hrádecký in der 77. Minute aus fünf Metern ein zweites Mal überwinden konnte.
In der Schlussphase brachte Peter Bosz mit Demarai Gray und Jeremie Frimpong zwei Neuzugänge für Diaby und Bailey in die Partie, ein Doppelwechsel, der sich auszahlen sollte. Ein Konter über Frimpong landete bei Demirbay, der die Kugel unfreiwillig für Gray auflegte. Der Engländer verwandelte aus 15 Metern halblinker Position ins lange Eck zum fulminanten Schlusspunkt in dieser Partie (84.).

Die Stimmen:

Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen): "Das tut uns natürlich gut nach dieser Phase. Alle, die neu gekommen sind, sind sehr schnell angekommen und fühlen sich glaube ich wohl. Das sind coole Jungs, die unser Team bereichern und wie man heute gesehen hat, auch gleich Tore schießen."
Kerem Demirbay (Bayer 04 Leverkusen): "Wir hätten auch die Wochen zuvor verdient gehabt, zu gewinnen. Deshalb sind wir besonders froh, dass wir heute hoch gewonnen haben. Wir schauen von Spiel zu Spiel. Fakt ist, dieses Spiel tut uns gut."
Sven Mislintat (Sportdirektor VfB Stuttgart): "Unserer Meinung war es ein glasklarer Elfmeter. Wir müssen eher eine Erklärung finden, warum wir das 3:1 nicht rückgängig machen. Die Leistung der Referees ist nicht ausreichend, so wie bei uns in der ersten Halbzeit."
Gregor Kobel (VfB Stuttgart): "In der ersten Halbzeit waren wir viel zu wenig in den Zweikämpfen. Allgemein war die Verteidigungs-Leistung wirklich nicht gut heute. In der zweiten Halbzeit kommen wir dann mit mehr Energie aus der Kabine. Ich verstehe das Argument, dass es aus kurzer Distanz ist. Ich glaube aber, eine Hand vom Verteidiger hat nichts zu suchen über Schulterhöhe. In meinen Augen geht das überhaupt nicht, das ist ein klarer Elfmeter. Unter dem Strich wäre es heute nicht verdient gewesen, hier etwas mitzunehmen."
Peter Bosz (Trainer Bayer Leverkusen): "Ich bin zufrieden. Wir mussten gewinnen, das haben wir gemacht. Wir haben vor allem in der ersten Halbzeit gut gespielt. Wir waren sehr aggressiv und haben endlich wieder Tore gemacht. Am Ende haben wir fünf Tore gemacht. Wenn man 5:2 gewinnt, muss man absolut zufrieden sein."
Pellegrino Matarazzo (Trainer VfB Stuttgart): "Verdienter Sieg für Leverkusen, vor allem aufgrund der ersten Halbzeit. Da war ich sehr unzufrieden mit unserer Leistung. Wir waren zu weit weg vom Gegenspieler. Die Kette sah ein Stückweit dilettantisch aus. In der zweiten Halbzeit haben wir ein anderes Gesicht gezeigt. Trotz des 1:3 haben wir nicht aufgegeben und weiter bis zum Schluss gekämpft. Es hat leider nicht gereicht. Das müssen wir abhaken und weitermachen."

Der Tweet zum Spiel:

Nach dem Spiel haderten Verantwortliche, Spieler und Fans des VfB Stuttgarts vor allem mit der Szene in der 56. Spielminute. Ein Handspiel von Timothy Fosu-Mensah im Strafraum wurde vom Schiedsrichtergespann nicht geahndet. Auch der Video-Assistent in Köln meldete sich nicht zu Wort. Immerhin hätte sich Sven Jablonski diese wohl mitentscheidende Szene einmal selbst anschauen können. So aber traf Bayer 04 im direkten Gegenzug zum 3:1 und erzielte die Vorentscheidung.

Das fiel auf: Leverkusens Offensiv-Stärke

Noch am Dienstag im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Rot-Weiss Essen gelang es der Werkself nicht, in 90 Minuten bei einem unterklassigen Gegner ein Tor zu erzielen. Es schien, als müsste sich Bayer 04 Leverkusen diesen Frust nun von der Seele schießen, zumal die Mannschaft von Peter Bosz in drei der letzten vier Partien ohne eigenen Treffer geblieben war. Gegen den VfB Stuttgart besann sich Leverkusen allerdings wieder auf seine Stärken. Vor allem die schnellen Außenbahnspieler Leon Bailey und der sehr aktive Moussa Diaby machten gegen den Aufsteiger den Unterschied. Immer wieder erspielten sich die Hausherren so eine Überzahlsituation gegen Stuttgarts Dreier-Abwehrkette, die Leverkusens Offensiv-Künstlern oftmals zu viel Raum gewährte.

Die Statistik: 2

Kerem Demirbay traf zum ersten Mal im Trikot von Bayer Leverkusen doppelt.
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