Bayer Leverkusen vs. FC Bayern: Drei Dinge, die auffielen - Kimmich macht den Netzer

Der FC Bayern München holt sich mit einem 2:1 bei Bayer Leverkusen pünktlich zum Jahresausklang die Tabellenführung zurück. Leroy Sané erlebt dabei einen gebrauchten Abend. Joshua Kimmich wechselt sich quasi selbst ein und beeinflusst den Ausgang des Spiels maßgeblich - auch wenn die großen Lorbeeren erneut Doppelpacker Robert Lewandowski gebühren. Was uns beim Spitzenspiel auffiel.

Der FC Bayern München schließt 2020 nach dem 2:1 bei Bayer Leverkusen als Tabellenführer ab

Fotocredit: Getty Images

Thomas Müller verglich's mit großem Kino. "Dass wir in der letzten Sekunde den Siegtreffer machen, passt in den Hollywoodfilm für unser Fußballjahr 2020", meinte der Angreifer des FC Bayern München über den 2:1-Sieg bei Bayer Leverkusen am letzten Bundesliga-Spieltag 2020, den Robert Lewandowski mit einem Doppelpack sichergestellt hatte (43./90.+3).
Zu den Zutaten des Bayern-Siegs gehörte aber nicht nur ein glänzend aufgelegter Torjäger - Bayer half auch mit.
"Wenn man die 90 Minuten gesehen hat, dann verdienen wir es nicht, dieses Spiel zu verlieren", meinte Leverkusen-Trainer Peter Bosz ob der Abwehrfehler bei den Lewandowski-Toren angesäuert.
Was uns sonst noch auffiel.

1. Höchststrafe für Sané

36 Minuten stand Leroy Sané im Spitzenspiel netto auf dem Platz – dann hatte Trainer Hans-Dieter Flick genug gesehen. Nach 32 Minuten für den am Oberschenkel verletzten Kingsley Coman eingewechselt, tauschte ihn der Bayern-Coach nach 68 Minuten für den 17 Jahre alten Jamal Musiala wieder aus. Höchststrafe.
In der Zwischenzeit war der 24-Jährige offensiv vor allem durch viele Ungenauigkeiten aufgefallen. Sané fehlte erneut sichtlich die Bindung zum Bayern-Spiel. In nahezu jeder vielversprechenden Offensivaktion wählte der Nationalspieler entweder den falschen Pass- oder Laufweg.
Als er in der 39. Minute eine Vier-gegen-Drei-Situation durch einen schwachen Pass ins Seitenaus verschenkte, kassierte er einen strafenden Blick von Flick. Insgesamt brachte Sané in seiner Einsatzzeit nur eine Torschussvorlage zustande und schoss (erneut) nicht selbst aufs Tor.
Nach Abpfiff wollte allerdings keiner der Bayern auf den Neuzugang draufhauen – im Gegenteil. "Ich spiele mit Leroy sehr, sehr gerne zusammen. Und mit ihm hatten wir schon mehr Offensivzug über die rechte Seite", befand Thomas Müller.
Pass- (78,9 %) und Zweikampfquote (42,9 %, drei von sieben) bewegten sich auch tatsächlich im mittleren im Rahmen. Mit 31 Ballaktionen war Sané auch deutlich öfter am Ball als der nach 32 Minuten ausgewechselte Coman (13).
Man müsse mit Sané eben Geduld haben, ließen Müller, Flick, Robert Lewandowski und Hasan Salihamidzic mit ihren Aussagen durchblicken. Müller schloss deshalb: "Ich glaube, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, dass wir über Leroy Sané ganz anders sprechen." Denn: "Er ist ganz nah dran, dass der Knoten bei ihm aufgeht."
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Höchststrafe für Sane? Das sagt Flick zur Auswechslung

Quelle: Perform

2. Kimmich macht den Netzer

Sieben Spiele in Folge 0:1 hinten zu liegen – das schafften im Jahresendspurt nur zwei Bundesliga-Teams: der FC Schalke und der FC Bayern. "Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen", meinte Müller. Mit dem feinen Unterschied, dass Schalke nur einen Punkt holte, Bayern dafür 15 – und das ohne Niederlage (drei Remis).
Gegen Leverkusen war Bayern in der ersten Halbzeit definitiv nicht die bessere Mannschaft. "Leverkusen hat uns hoch gepresst. Wir wussten, dass wir geduldig bleiben mussten", meinte Alphonso Davies. Etwa Mitte der zweiten Halbzeit kippte die Spielkontrolle – und dann wechselte Flick den zuletzt sechs Wochen durch eine Meniskus-OP außer Gefecht gesetzten Joshua Kimmich für Corentin Tolisso ein (68.).
Interessant: "Es war nicht geplant, dass er spielt", sagte der Bayern-Trainer später auf der Pressekonferenz. Kimmich habe ihm in der Halbzeit jedoch sehr deutlich zu verstehen gegeben, "dass er sich bereit fühlt". Ein Hauch von Günter Netzer, der sich im Pokalfinale 1973 für Gladbach gegen Köln bekanntlich selbst eingewechselt und in der Verlängerung zum 2:1-Sieg getroffen hatte.
Mit Kimmich neben David Alaba auf der Sechs hatten die Gäste nun mehr und mehr Ballbesitz, Bayer tauchte immer seltener vor dem Tor von Manuel Neuer auf. Bayern zog zwar kein Powerplay auf, aber die Schlinge zog sich merklich zu. "Mit Josh, David und auch Jamal hatten wir mehr Ballkontrolle im Mittelfeld", sagte Flick, gefolgt von einer Binsenweisheit: "Joshua ist sehr wichtig."
In der Nachspielzeit eröffnete Kimmich dann das Pressing gegen Moussa Diaby und eroberte schließlich den Ball von Jonathan Tah. Ballgewinn und Pass waren quasi eins, schon stand Robert Lewandowski vor dem Tor und vollendete mithilfe des Oberschenkels von Edmund Tapsoba zum Sieg (90.+3).
"Josh hat Ruhe ins Spiel gebracht, organisiert, angetrieben", lobte Sport-Vorstand Hasan Salihamidzic. "Da sieht man, wie wichtig Kimmich ist", lobte "Sky"-Experte Lothar Matthäus. Müßig zu erwähnen, dass Kimmich den Bayern just in dem Spiel abhandengekommen war, in dem die 0:1-Serie ihren Anfang gefunden hatte.
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Flick über Kimmich-Comeback: "War nicht geplant"

Quelle: Perform

3. Lewandowski krönt sein Sahne-Jahr

Ein Spiel hat Cristiano Ronaldo noch, um Lewandowski von der Spitze zu verdrängen. Die Rede ist von der europäischen Torjägerliste im Kalenderjahr 2020 – die führt Lewandowski nämlich wie im Vorjahr, als er 48 Pflichtspieltore für Bayern erzielt hatte, an. Nach dem Spiel in Leverkusen steht es 45 zu 41 für Lewandowski.
Ronaldo muss sich am Dienstag gegen Florenz also arg strecken, will er an der Reihenfolge noch etwas ändern. Zurück zum Spiel: Mit seinem Doppelpack gegen Leverkusen veredelte der polnische Mittelstürmer der Bayern sein absolutes Sahne-Jahr. Alle Wettbewerbe mit Bayern gewonnen, dazu mehrere Einzelauszeichnungen inklusive des Weltfußballertitels eingestrichen – viel mehr geht nicht.
"Ich bin sehr stolz. Das war ein sensationelles Jahr", meinte Lewandowski bei "Sky". Richtig schwierig war's in Leverkusen nicht; beim 1:1 war ihm der Ball mehr oder weniger auf den Kopf gefallen, beim 2:1 fälschte ein Bayer-Bein seinen Schuss aus der Halbposition ins Netz ab. Doch wer nicht wagt, der auch nichts gewinnt. "Ich musste es einfach selbst versuchen", sagte der 32-Jährige.
Nach 13 Bundesliga-Spieltagen steht Lewandowski schon wieder bei 17 Treffern – das schaffte vor ihm nur Gerd Müller. Die letzten fünf Saisontore der Bayern halt alle er erzielt. "Seine größte Entwicklung war glaube ich, dass er Spaß hat mit der Mannschaft zu spielen und nicht mehr nur auf seinen Torerfolg achtet", meinte Müller: "Dafür mein Kompliment an ihn."
Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings, dass Bayer Lewandowski diesmal auch zum Tore schießen eingeladen hatte. Vor dem 1:1 stießen Tah und Torhüter Lukas Hradecky im Fünfer Slapstick artig zusammen. "Sonst hätte ich den Ball gehabt", klagte der Keeper, der sich jedoch auch nicht lautstark bemerkbar gemacht hatte.
Vor dem 1:2 verlor Tah den Ball plump an Kimmich. "Kindische Fehler haben uns den Punkt oder Sieg gekostet und mehr will ich gar nicht analysieren", meinte Hradecky niedergeschlagen: "So ist das Leben."
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Bosz sauer: "Haben Niederlage nicht verdient"

Quelle: Perform

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