Das Ende der Geisterspiele beginnt in der Hauptstadt: Quasi als Vorhut des deutschen Spitzenfußballs läutet Union Berlin das Ende der fanfreien Zeit in den Arenen ein. Zu knapp einem Viertel wird sich das Stadion An der Alten Försterei am Samstag füllen, bis zu 5000 Personen sind beim Testspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg erlaubt.

Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start markiert die Partie den Startschuss für die angepeilte Zuschauerrückkehr. Das dezentrale Vorgehen sorgt jedoch für Unmut. "Die Liga muss selbst überlegen, ob sie jetzt tatsächlich einen Flickenteppich will", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Interview mit den "Funke-Medien": "Das führt zu einer erheblichen Wettbewerbsverzerrung unter den Vereinen, wenn nur an bestimmten Spielorten einheimische Fans ins Stadion dürfen."

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Die Bundesregierung hatte sich mit den 16 Bundesländern im Bund-Länder-Gipfel in der Vorwoche darauf verständigt, dass der Profisport bis mindestens Ende Oktober generell auf Zuschauer verzichten müsse. Kurz darauf folgte die Nachricht, dass RB Leipzig zum Saisonstart eine Genehmigung für 8500 Zuschauer im Stadion erhält.

Nagelsmann: "Keine Entscheidung aus dem Bauch heraus"

Alle Beschlüsse waren quasi ad absurdum geführt, die Büchse der Pandora aus Söders Sicht geöffnet. Dennoch sei es, so RB-Trainer Julian Nagelsmann am Freitag, "keine Entscheidung aus dem Bauch heraus", sondern "wissenschaftlich begründet".

Gemeinsam mit Leipzig bilden die Berliner Klubs Hertha BSC und 1. FC Union so etwas wie die Speerspitze im Kampf um die Wiederzulassung von Fans auf den Rängen. Dank der neuen Infektionsschutzverordnung, die seit dem 1. September gilt, gestattet das Land Berlin Freiluftevents mit bis zu 5000 Zuschauern.

Union will daher am 19. September gegen den FC Augsburg vor eben jenen 5000 Zuschauern in die Saison starten, sechs Tage später möchte Hertha im Olympiastadion gegen Eintracht Frankfurt vor 4000 Anhängern spielen.

Seifert: Keine Wettbewerbsverzerrung

"Wir haben in den Gesprächen mit den zuständigen Behörden und dem Senat durchweg positive Rückmeldungen und Zustimmung auf unser detailliertes Konzept bekommen und freuen uns jetzt sehr auf unser erstes Heimspiel vor unseren Fans", sagte Thomas Herrich, Mitglied der Geschäftsleitung bei Hertha BSC.

Bei all der Freude der Klubs birgt der Status quo weiterhin Spannungspotenzial - vor allem zwischen Politik und Sport. Söder will, wie beim Gipfel vereinbart, eine einheitliche Regelung bis Ende Oktober.

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Doch bis dahin droht viel Flickschusterei. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), teilt Söders Bedenken nicht. "Ich würde das scharfe Schwert der Wettbewerbsverzerrung mal stecken lassen, aber das hat heute auch keiner gezogen", hatte Seifert nach der DFL-Mitgliederversammlung am Donnerstag gesagt.

Keine Fans in Bayern

Der Begriff treffe nicht den Kern, "weil der Wettbewerb immer noch unter so außergewöhnlichen Voraussetzungen stattfindet". Die Klubs scheinen also auf Linie, denn über Ungleichbehandlung beschwert sich niemand, obwohl sich die Voraussetzungen in den einzelnen Bundesländern derzeit stark unterscheiden.

In Bayern dürfen aktuell noch keine Fans kommen, weshalb sich Triplegewinner Bayern München zurückhaltend gab. Man fordere nichts, sagte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen dem Klub-TV. Stattdessen sei der Rekordmeister "glücklich, wenn wir mit 5000 anfangen können". Mit maximal 300 Zuschauern ist derweil in Nordrhein-Westfalen zu rechnen, wo Ministerpräsident Armin Laschet am Freitag wie Söder im Bezug auf Vorstöße einzelner Vereine von einer Wettbewerbsverzerrung sprach und die DFL zur Schaffung "vergleichbarer Regeln" aufforderte.

Die meisten Klubs haben die Bemühungen in Berlin und Leipzig dagegen wohlwollend aufgenommen, auch wenn sie selbst noch auf die Erlaubnis der Behörden warten. So bezeichnete Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald im Magazin "buten un binnen" bei "Radio Bremen" die Initiative in Sachsen als "Schritt in die richtige Richtung zu mehr Normalität unter Corona-Bedingungen".

(SID)

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