Borussia Dortmund hat mit dem 3:2 gegen RB Leipzig am Samstagnachmittag zwar den FC Bayern München zum Deutschen Meister gemacht, freute sich aber dennoch über einen hart erkämpften Sieg.
Ohne Starstürmer Erling Haaland kam der BVB dank Jadon Sancho (87.) noch zum Heimsieg, als nach 2:0-Führung und 2:2-Zwischenstand schon alles verspielt schien.
"Glückwunsch an Bayern, aber wir freuen uns natürlich mehr darüber, dass wir die drei Punkte eingefahren haben", meinte Dortmunds Trainer Edin Terzic nach dem fünften Liga-Sieg in Folge.
Bundesliga
3:2! Sancho schießt BVB in Richtung Königsklasse und Bayern zum Meister
08/05/2021 AM 15:24
Doch durch den Erfolg gegen den designierten Vize-Meister sprang Dortmund (58 Punkte) zumindest bis Sonntag über den Strich auf Platz vier und damit den letzten Champions-League-Rang, baute Druck auf Eintracht Frankfurt (56) auf, das nun gegen den zuletzt so starken 1. FSV Mainz 05 nachziehen muss (15:30 Uhr im Liveticker).
Spielbericht: 3:2! Sancho schießt BVB in Richtung Königsklasse und Bayern zum Meister
Drei Dinge, die uns im Top-Spiel auffielen.

1. Die Leiden des Erling H.

Erling Haaland war am Samstagnachmittag 90 Minuten einfach nur BVB-Fan – und reagierte auf alles auf dem Platz fast wie ein langjähriger Schwarz-Gelber. Durch eine Muskelverhärtung nach einem vor zwei Wochen in Wolfsburg erlittenen "Pferdekuss" zum Zuschauen verdammt, litt Haaland auf der Tribüne mit als würde er normalerweise mit Kutte auf der Südtribüne stehen.
Zunächst lief beim BVB ja alles nach Plan: In seiner dicken Daunenjacke und mit ordnungsgemäß angebrachtem Mund-Nase-Schutz im Gesicht quittierte der junge Norweger die verdiente 2:0-Führung der Dortmunder durch Marco Reus (7.) und Jadon Sancho (51.) mit ausladenden Gesten und frenetischem Klatschen.
Doch zu Beginn der zweiten Halbzeit wiegte sich der BVB zu früh in Sicherheit. Mit der Auswechslung von Keeper Marwin Hitz zur Pause (nach Zusammenprall mit Manuel Akanji) verlor die Dortmunder Defensive peu a peu an Stabilität. Dass Edin Terzic nach einer Stunde Mahmoud Dahoud statt dem nicht gerade frisch wirkenden Emre Can auswechselte, machte die Sache für den BVB nicht besser.
"Ich erwarte mir mehr Abgeklärtheit und Souveränität. Wenn ich 2:0 vorne bin, muss ich so ein Spiel nach Hause fahren", kritisierte "Sky"-Experte Dietmar Hamann. Prompt ließ Can den Leipziger Torschützen Lukas Klostermann (63.) beim 1:2 aus den Augen. 14 Minuten später stellte Dani Olmo mit dem 2:2 sogar den Ausgleich her – Haaland quittierte den Rückschlag mit einem Stoßgebet in Richtung Himmel.
"Wir sind zu passiv geworden", meinte Can. Marco Reus meinte: "Unsere Mittelfeldspieler waren zu weit hinten, konnten keinen Druck mehr ausüben. Das werden wir ansprechen müssen. Wir haben Glück gehabt, dass wir nicht das 2:3 bekommen haben." Doch der BVB hatte ja noch Sancho, der nach Abpfiff von Haaland auf dem Spielfeld innig geherzt wurde.
Zur Wahrheit des BVB-"Fans" Haaland gehört freilich auch: Dortmund will den Norweger (Vertrag bis 2024) im Sommer nicht verkaufen – Haaland selbst will aber unbedingt in der Champions League spielen. Ein Jahr in der Europa League käme für ihn einem Rückschritt gleich. Deswegen fiel dem 20-Jährigen auch so ein großer Stein vom Herzen.
Ob der Angreifer indes am Donnerstag im DFB-Pokalfinale gegen Leipzig auflaufen kann, steht noch nicht fest. "Der Pferdekuss ist hartnäckig, es hat sich sehr viel Flüssigkeit gebildet, der Bereich ist sehr verhärtet. Wir hoffen, dass es jetzt von Tag zu Tag weniger wird", sagte Trainer Terzic. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit ...

Erling Haaland (l.), Jude Bellingham - Borussia Dortmund vs. RB Leipzig

Fotocredit: Imago

2. Mit Sancho läuft's beim BVB

Anders als bei Haaland ist die Lage bei Sancho, der Dortmund im Sommer vielleicht verlassen – und wenn ja, eine ziemliche Lücke hinterlassen wird. Wie wichtig der Engländer für die BVB-Offensive ist, verdeutlichen die vergangenen Wochen: Seit seiner Rückkehr nach Muskelbündelriss läuft's wieder bei den Dortmundern (drei Siege).
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Gegen Leipzig vermochte es Sancho erneut besonders gut, dem BVB vor allem das Attribut "Tempo" zu verleihen. Durch geschickte Spielverlagerungen schafften es die Schwarz-Gelben auch immer wieder gut, Sancho in isolierte Eins-gegen-Eins-Situationen zu bringen, in denen der 21-Jährige seine Geschwindigkeit ausspielen konnte.
Sancho "dankte" es seinen Mitspielern mit zwei blitzsauberen Treffern (51./87.). Beim Siegtor hatte er die Situation mit einer feinen Ablage auf Raphael Guerreiro sogar selbst heraufbeschworen. "Das waren zwei Geniestreiche. Er hilft ihnen in der Abwesenheit von Haaland ungemein", befand "Sky"-Experte Hamann.
Nach einem schwachen Saisonstart mit null Toren nach 13 Bundesliga-Spieltagen, hat sich der BVB-Flügelstürmer seit Jahresbeginn 2021 kontinuierlich gesteigert und war seither in 13 Spielen an 14 Treffern direkt beteiligt (acht Tore, sechs Vorlagen).
"Er hat ein super Spiel gemacht", sagte Terzic: "Er hat einen großen Beitrag geleistet und ich hoffe, dass das so weitergeht."

Jadon Sancho (Mitte) jubelt über das 3:2 - Borussia Dortmund vs. FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

3. Leipzig fehlt die Schärfe

RB Leipzig spielte eine erste Halbzeit zum Vergessen – nicht, weil die Leipziger nicht gefällig kombinierten, sondern weil sie sehr schlecht auf den BVB reagierten. Beim Anlaufen waren oft ein paar Zehntel des Zögerns erkennbar, so als müssten sich die Spieler erst zum Laufen motivieren.
Während die Dortmunder bissig die Zweikämpfe suchten, machten die Leipziger den Anschein, als wüssten sie nicht so ganz, um was sie spielten – die rechnerisch zu dem Zeitpunkt noch mögliche Meisterschaft schien den Spielern offensichtlich ein zu vager Gedanke zu sein.
Erst nach der Halbzeitpause und einer Ansprache von Julian Nagelsmann nahm die Intensität bei den Gästen kontinuierlich zu - fast schon logisch fielen die Tore von Lukas Klostermann (64.) und Dani Olmo (77.). "Nach dem 2:2 waren die Leipziger eher am Siegtor dran als Dortmund", meinte Hamann bei "Sky".
Doch ganz gedreht bekam RB die Partie nicht mehr. Im Gegenteil: Nach einem Konter fing man sich noch das 2:3, ein klarer Fingerzeig für kommenden Donnerstag, wie man es nicht machen sollte.
Nagelsmann jedenfalls wird einiges an Anschauungsmaterial haben, das er seinen Spielern präsentieren kann. Individuelle Fehler wie von Dayot Upamecano und Willy Orban vorm 0:1, als die beiden Innenverteidiger beide falsche Laufwege wählten, oder Klostermann beim 0:2, der keinen Gegnerdruck aufbauen konnte, oder von Amadou Haidara beim 2:3, der den heranrauschenden Raphael Guerreiro nicht rechtzeitig aufnahm, wird der Coach seinen Mannen ankreiden – darf dabei aber auch nicht zu kratzbürstig rüberkommen.
"Wir müssen die Köpfe schnell wieder hochkriegen, denn das nächste Spiel ist ein ganz, ganz wichtiges", meinte Klostermann. "Am Donnerstag wird alles stimmen müssen", meinte dagegen Nagelsmann. "Teilweise haben wir es gut gemacht, teilweise sehr schlecht. In der zweiten Halbzeit waren wir die bessere Mannschaft. Aber drei Gegentore sind zu viele. Deswegen haben wir verloren."
Achja: Nagelsmann hat damit nur eins von elf Spielen gegen den BVB gewonnen – keine gute Quote mit Blick aufs Pokalfinale am Donnerstag und seinen neuen Job beim FC Bayern ...
Bundesliga - 32. Spieltag: Ergebnisse und Tabelle
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Dan-Axel Zagadou mit Erling Haaland (r.) beim Spiel Borussia Dortmund gegen RB Leipzig

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