Nach dem Champions-League-Aus nahm der BVB nun in der Liga die Königsklasse ins Visier. Den Angriff auf die Konkurrenz auf Frankfurt und Wolfsburg ging BVB-Trainer mit zwei Neuen an: Julian Brandt und Giovanni Reyna ersetzten Emre Can und Ansgar Knauff (beide Bank).
Der SV Werder Bremen blickte auf vier Ligapleiten zurück. Zu Beginn der „Schlüsselwoche (Florian Kohfeldt) nahm der SVW-Trainer gleich sechs personelle Änderungen im Vergleich zur 1:4-Niederlage gegen Leipzig vor: Jean Manuel Mbom, Felix Agu, Eren Dinkci, Davie Selke, Josh Sargent (alle Bank) sowie Ömer Toprak (Muskelfaserriss) wurden durch Milos Veljkovic, Maximilian Eggestein, Kevin Möhwald, Leonardo Bittencourt, Yuya Osako und Milot Rashica ersetzt.
Gegen das Bremer Abwehr-Bollwerk war der BVB von Anfang an spielbestimmend, tat sich gegen den SVW allerdings sehr schwer. Bremen begann taktisch sehr gut und lauerte auf Umschaltaktionen. Einer dieser Nadelstiche führte durch Rashica zum 0:1 (14.). Beim BVB fehlte allen voran die Absicherung in den Rückräumen, sodass Bremen immer wieder kontern konnte, diese jedoch nicht gut zu Ende spielte.
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Mitte der ersten Halbzeit stellte sich Schwarz-Gelb besser darauf ein - und überrannte den Gegner förmlich. Ein tolles Tor von Reyna eröffnete eine fulminante Schlussviertelstunde (29.). Erling Haaland erzielte per Foulelfmeter (Möhwald an Marco Reus) das 2:1 (34.) und stand auch in der 38. Minute goldrichtig, als er einen Querschläger von Möhwald nur über die Linie drücken musste.
Nach dem Wiederanpfiff stand Bremen etwas höher, doch Dortmund hatte die Begegnung voll im Griff. So gestaltete sich eine Partie, die nicht mehr den Unterhaltungswert der ersten Halbzeit hatte. Marco Reus mit zwei Schüssen (55./56.) hatte noch die besten Möglichkeiten.
Im weiteren Verlauf brachte Kohfeldt mit Sargent und Selke zwei Stürmer und stellte auf 4-4-2 um. So präsentierte sich der SVW offensiver und kam durch Eggestein zu ersten Chance, der Nationalspieler scheiterte jedoch am Pfosten (63.). Josh Sargent fand mit einem Flachschuss seinen Sieger in Marvin Hitz (73.).
Auf der Gegenseite bot sich dem BVB dadurch mehr Platz, was die Hausherren immer wieder zu Umschaltaktionen nutzen konnten. Doch Schwarz-Gelb verpasste es, den Sack zuzumachen. In der Schlussphase kam Bremen besser in die Partie und wurde zunehmend präsenter rund um den Dortmunder Strafraum.
Gegen Ende wurde Dortmund wieder gefährlicher und wollte die endgültige Entscheidung herbeiführen. Haalands Abseitstor fand zu Recht keine Anerkennung (83.), Reyna setzte einen Kopfball knapp über die Latte (84.). So waren es erneut die Bremer, die beim vierten Treffer Aktien hatten: Einen Kopfball von Mats Hummels drückte Gebre Selassie per Knie über die eigene Torlinie zum 4:1-Endstand (87.).
Für beide Teams geht es in der Englischen Woche am Mittwoch (20:30 Uhr) weiter. Dortmund empfängt das Überraschungsteam Union Berlin. Bremen hat Mainz zu Gast.

Stimmen zum Spiel

Edin Terzic (Trainer Borussia Dortmund): "Es war ein gutes Spiel von uns. Wir haben es nicht in allen Phasen sauber zu Ende gespielt und haben zu viele Torchancen zugelassen. In der ersten Halbzeit haben wir den einen oder anderen blöden Konter gefangen. Das konnten wir dann korrigieren. Das sind Dinge, die wollen wir unbedingt vermeiden, das wissen wir."
Florian Kohfeldt (Trainer Werder Bremen): "Bis zum 1:1 war es ein sehr gutes Spiel von uns. Wir haben das Tor geschossen, hatten Umschaltaktionen, hatten Ballgewinne. Die Zeit bis zur Halbzeit, das geht so nicht. Wir haben den Kopf verloren, legen ein Tor auf, machen einen ganz dummen Elfmeter, das ist das Problem. Danach haben wir eine ordentliche zweite Halbzeit gespielt. Die Phase vom ersten Gegentor bis zur Halbzeit hat uns heute das Spiel gekostet. Ich bin sehr unzufrieden. Es muss der Anspruch an jeden sein, dass man über 90 Minuten scharf bleibt."
Marco Reus (Borussia Dortmund): "Nach den Ergebnissen von gestern waren wir sehr heiß. Wir haben den Abstand weiter verkürzt. Nach dem Rückstand sind wir ruhig geblieben und haben unseren Stiefel runtergespielt, auf einem hohen Niveau. Nach der Führung haben wir es uns nicht mehr nehmen lassen. In den letzten Wochen haben wir eine gute Reaktion auf alles gezeigt und nach gestern haben wir eine zweite Chance erhalten. Wir wollten die anderen unbedingt unter Druck setzen und das haben wir geschafft. Jetzt ist alles offen, wir dürfen natürlich keine Federn lassen. In dieser Phase ist nicht wichtig, wie wir die Spiele gewinnen, sondern dass wir sie gewinnen."
Marco Friedl (Werder Bremen): "Wir sind super ins Spiel gekommen, sind in Führung gegangen und haben alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Dann haben wir uns in kürzester Zeit die Tore selbst reingehauen (…) Wir wussten, dass Dortmund mehr Ballbesitz haben wird als wir. In der ersten Halbzeit hatten wir 25 Minuten drin, in denen es nicht so gut lief. In dieser Phase haben wir das Spiel verloren. In der zweiten Halbzeit war es ein offenes Spiel, wir hatten gute Chancen. Unterm Strich haben wir das Spiel verdient verloren. Nun haben wir ein Must-Win-Spiel und wir brauchen unbedingt Punkte. Wir wissen alle, was die Stunde geschlagen hat."
Niklas Moisander (Werder Bremen): "Unser Matchplan war kompakt zu stehen und dann auf Konter zu spielen. Das hat eigentlich perfekt funktioniert, aber nach dem 2:1 war es schwierig. Wir mussten dann mehr ins Risiko, waren aber nicht aggressiv genug. Nach der Halbzeit haben wir alles versucht, aber es war zu spät. Wir verstehen unsere Situation und wir müssen gegen Mainz gewinnen. Drei Punkte sind unser einziges Ziel am Mittwoch."
Manuel Akanji (Borussia Dortmund): "Es war nicht optimal, aber wir sind ruhig geblieben und haben unsere Angriffe geduldig zu Ende gespielt. Das hat sich ausgezahlt. Nach dem Spiel gegen Manchester waren wir sehr enttäuscht. Es war eine gute Leistung in beiden Spielen von uns. Wir wussten, dass wir diese Vorstellung auch in der Bundesliga zeigen müssen. Es gibt der Mannschaft Hoffnung, wenn man sieht, dass man den Rückstand verkürzen kann. Wir wissen, dass wir keine Punkte liegen lassen können."

Das fiel auf: Trotz Bollwerk – Bremens Abwehr löchrig

Eine ruhige Saison wollten sie in Bremen erleben. Doch nach fünf Ligapleiten in Folge droht dem SVW wieder ein unruhiges Saisonende. Ein Grund dafür ist auch die sehr löchrige Abwehr der Werderaner. Wie schon gegen Leipzig bot Florian Kohfeldt auch gegen Dortmund ein Abwehr-Bollwerk auf. Wie schon gegen RBL standen am Ende dennoch vier Gegentore. 14 Gegentreffer in den vergangenen fünf Spielen sind schlechtester Wert in der Liga – zusammen mit Schalke 04. Die individuellen Patzer muss Bremen unbedingt abstellen, will man den Abstiegsrängen fernbleiben.

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Der BVB setzte vor der Partie gegen Bremen ein farbliches Statement. Reus und Co. trugen wieder schwarz-neongelbe Trikots. Die neuen Trikots sollen an die erfolgreiche Ära in den 90ern erinnern, die mit zwei Meisterschaften und dem Champions-League-Sieg 1997 die erfolgreichsten Phase in der Vereinsgeschichte war. Pünktlich zum Angriff auf die Champions-League-Plätze soll ein Hauch vergangener Helden durch die heutige Generation fließen.

Statistik: 36

Erling Haaland schreibt weiter Bundesliga-Geschichte. Gegen Bremen erzielte der Norweger seinen neunten Mehrfachpack in dieser Saison, das ist neuer Vereinsrekord. Beeindruckender sind jedoch die 36 Bundesligatreffer, die Haaland bislang erzielte. Er ist damit der jüngste Spieler in der BL-Historie mit so vielen Toren. Er brauchte für diese 36 Buden lediglich 39 Spiele. Nur ein gewisser Uwe Seeler brauchte weniger Einsätze.
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