Edin Terzic hatte in den vergangenen Wochen viel lesen und hören müssen. Über seine Arbeit, seine Vorgesetzten und die Leistung seiner Mannschaft. Nun reichte es ihm.
Also sprach der BVB-Trainer auf der Pressekonferenz vor dem Spiel der Borussia gegen die TSG Hoffenheim (Samstag, 15:30 Uhr im Liveticker) Klartext. Wohl durchdacht, nicht überdreht, aber mit Dringlichkeit ging der 38-Jährige am Mikrofon zu Werke.
Kampflos wollte er sich nicht geschlagen geben. Diesen Eindruck jedenfalls vermittelte er, nachdem zuletzt auch verstärkt Diskussionen um seine Position aufgekommen waren.
Bundesliga
Es rumort beim BVB - nur ein Star macht Hoffnung
11/02/2021 AM 11:25
Und das nach nicht einmal zwei Monaten im Amt.

Terzic knöpft sich BVB-Star vor

Nach der Niederlage in Freiburg am vergangenen Wochenende sei ihm die Hutschnur geplatzt, gab Terzic zu, auch wenn er eine etwas salomonischere Formulierung wählte.
Ihm sei es wichtig gewesen, "einige Dinge loszuwerden", berichtete der 38-Jährige. Das habe er dann auch "sehr deutlich getan. Ich habe alle, denen ich etwas zu sagen hatte, persönlich angesprochen".
Was genau am Sonntag nach dem Spiel auf dem Trainingsgelände in Brackel besprochen wurde, wollte der Nachfolger von Lucien Favre zunächst nicht verraten. Es ginge darum, "gemeinsam wieder in die gleiche Richtung zu arbeiten", meinte er. Dann aber ging er doch ins Detail.

Terzic spricht Klartext: "Eine Sache passt mir gar nicht"

"Eine Sache passt mir als Trainer in dieser schwierigen Situation gar nicht", sagte Terzic. Und weiter: "Jeder darf immer sauer sein auf dich, sollte er mal nicht spielen oder nur eingewechselt werden. Aber den Anspruch, dass der Trainer mal sauer sein darf, den hat irgendwie niemand."
Als Coach müsse man "immer noch eine Chance geben, Vertrauen schenken und denjenigen immer wieder beschützen". Das werde er auch weiterhin tun. "Aber nicht nach dem Spiel gegen Freiburg." Da wurde Tacheles gesprochen.
Ob Auslöser auch die Reaktion von Kapitän Marco Reus nach seiner Auswechslung in Freiburg gewesen sei, wollte der BVB-Coach nicht explizit ausführen. Mit ihm würde er aber ohnehin jeden Tag Gespräche führen, schob er dennoch nach.
Vielmehr als einzelne Spieler anzugehen, ging es Terzic darum, seine Führungsspieler auf den Schlussspurt einzuschwören und hinter sich zu versammeln.

BVB-Spieler Julian Brandt (l.), Marco Reus (v.), Erling Haaland und Mats Hummels

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Führungsspieler des BVB sollen liefern

"Wir fordern von den etablierten Spielern, sich diesen Schuh anzuziehen, die Verantwortung zu übernehmen und die Dinge wieder in die richtige Bahn zu leiten", sagte Terzic bestimmt und betonte, was er seinen Führungsspielern gleich nach seinem Amtsantritt mit auf den (gemeinsamen) Weg gegeben hatte.
Eine klare Botschaft sei das gewesen. "Sie sind die ersten, die sich angesprochen fühlen sollen, wenn ich etwas sage. Sie sollen meine Ansagen mit Leben füllen und vorweg gehen."
Hier fühlt sich der Trainer offenbar allein gelassen. Zumindest Teile der Mannschaft scheinen vom Weg abgekommen zu sein. Auch deshalb rutschte die Borussia auf den sechsten Tabellenplatz ab.
In der Kabine soll zudem lebhaft über die Entscheidung pro Terzic und gegen Favre diskutiert werden.

Terzic erhält Rückendeckung von Zorc

Michael Zorc will auch diese Ausreden nicht hören. Ihm geht es allein um das Erreichen des Mindestziels Champions League (also Platz vier) - auch aus finanziellen Gesichtspunkten.
Vier Punkte beträgt der Rückstand 14 Spieltage vor Schluss.
"Wir sind mit der aktuellen Punkteausbeute und der Situation in der Bundesliga nicht zufrieden. Der Champions-League-Platz ist unser erklärtes Ziel. Wir haben weiter das Vertrauen in unsere Mannschaft. Sie ist stark genug, um dieses Ziel zu erreichen", sagte der Sportdirektor.
Noch ist genug Zeit. Aber der Umschwung muss zeitnah eingeleitet werden.

Youssoufa Moukoko

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Moukoko gegen Hoffenheim in der Startelf?

Die jüngsten Misserfolge könnten gegen Hoffenheim indes auch Auswirkungen auf die Aufstellung haben.
So drängt der erst 16-jährige Youssoufa Moukoko in die Startelf. "Er ist definitiv eine Option. Jeder kann sich zeigen und beweisen", sagte Terzic, der von seiner Mannschaft "viel Fleiß, viel Arbeit und einen guten Teamgedanken" forderte, "um aus dieser Situation rauszukommen".
Moukoko hatte bislang einmal in der Startelf von Terzic gestanden. Kurz vor Weihnachten, gegen Union Berlin. Zu Jahresbeginn fehlte das Supertalent dann verletzt.
Gegen Freiburg war er nach seiner Einwechslung sofort gefährlichster BVB-Akteur - und traf. Weitere Tore gegen die TSG würden allen beim BVB helfen. Gerade auch dem Trainer.
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