Die letzten 20 Minuten der nächsten Dortmunder Niederlage musste Marco Reus von der Auswechselbank aus verfolgen.
Erkennbar ungehalten saß der Kapitän der Schwarz-Gelben da, beide Beine weit von sich gestreckt – und der Arbeitsschuhe längst entledigt.
Es wirkte, als wollte der 31-Jährige mit den Dingern an seinen Füßen nichts mehr zu tun haben.
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Und seinem Frust über das 2:4 in Mönchengladbach ließ Reus nach dem Schlusspfiff dann auch freien Lauf.

Das Innenleben beim BVB hat sich mächtig gewandelt

Drei Tore hatte der Vizemeister der letzten zwei Jahre nach Standards bekommen – so viele wie zuletzt im April 2019, als der damalige Übungsleiter Lucien Favre das Meisterschaftsrennen gegen die Bayern nach der 2:4-Heimpleite gegen Revierrivale Schalke für entschieden erklärte.
Zwei Jahre später wären die Westfalen froh, auch nur einigermaßen in Reichweite zu den Münchnern zu sein. Stattdessen sind sie von Gladbach frisch von Champions-League-Rang vier verdrängt worden. Und zwar auf eine Art, dass Reus zeterte: "Wir machen immer die gleichen Fehler. Wenn wir das nicht abstellen, wird es schwierig, ein Spiel zu gewinnen. Das stinkt gewaltig."

Marco Reus - Borussia Dortmund

Fotocredit: Imago

Innerhalb von drei Tagen und den beiden Niederlagen bei den direkten Konkurrenten Leverkusen und Gladbach hat sich das Innenleben beim BVB mächtig gewandelt. Zu Wochenbeginn schwärmte Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, noch von der höheren Intensität, die seit dem Trainerwechsel von Favre zu Edin Terzic im Dortmunder Spiel zu erkennen sei. Das Spiel mit und gegen den Ball sehe deutlich besser aus, es könne die Woche des BVB werden, erklärte Kehl voller Zuversicht.

Abwehrchef Hummels braucht dringend Erholung

Die ist nun rasant gewichen – und beim abgestürzten Titelaspiranten wächst die Sorge vor dem Verpassen des Minimalziels Königsklasse. Ohne die in den vergangenen Jahren gewohnten Einnahmen aus der Champions League würde die durch die Folgen der Corona-Pandemie wirtschaftlich ohnehin schwierige Lage noch angespannter. "Dringende Erholung ist notwendig, zumindest für mich", erklärte Abwehrchef Mats Hummels nach der Niederlage im Borussia-Park. Sein Arbeitgeber aber braucht im Moment keine Pause – sondern schnelle Lösungen.

Erling Haaland (Dortmund)

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Denn der Anfangselan unter dem Mitte Dezember eingesetzten, bundesligaunerfahrenen Terzic ist inzwischen verflogen. Der zweckorientierte Fußball, den sich ein Routinier wie Hummels durch den Trainerwechsel erhoffte und der bei den Siegen in Bremen, Leipzig und gegen Wolfsburg auch zu erkennen war, hat sich mittlerweile wieder in Luft aufgelöst. Und die Art und Weise, wie sich die Dortmunder die sechs Gegentreffer in Leverkusen und Gladbach einfingen, ließ den Klubchefs die Haare ähnlich zu Berge stehen wie in der finalen Phase der Ära Favre.

Begradigung der Tabelle misslungen

So kam bei der Freitagspleite am Niederrhein Gladbachs Innenverteidiger Nico Elvedi, der drei Tage zuvor schon den 1:0-Siegtreffer gegen Bremen erzielt hatte, ausgesprochen problemlos zu seinen zwei Toren vor der Pause. "Beim ersten ist Elvedi blank – und beim zweiten auch, da läuft keiner mit", monierte Innenverteidiger Manuel Akanji. Und über das 2:3 kurz nach Wiederbeginn echauffierte sich Spielführer Reus: "In der Situation darf niemals ein Tor fallen. Das ist einfach bitter. Du bringst dich um den Lohn und musst immer so viel investieren, um wieder zurückzukommen."

Borussia Dortmund kassiert die nächste Niederlage

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Phasenweise ließen die Dortmunder in Leverkusen wie in Gladbach aufblitzen, welche Qualitäten in ihnen stecken. Doch die Phasen sind zu kurz und die Effizienz der Mannschaft zu gering, um die erhoffte „Begradigung” (Kehl) der Tabelle hinzubekommen. Stattdessen drücken von unten mehr und mehr Teams wie Wolfsburg, Union Berlin und Frankfurt. Und dieser Zustand scheint dem Rasenpersonal des BVB nicht nur körperlich, sondern zunehmend auch mental zu schaffen zu machen.

Cheftrainer Terzic wenig inspiriert

"Es waren einfach zu viele Rückschläge, auf die wir nicht mehr reagieren konnten. Es war auch ein zu großes Missverhältnis, was wir für Tore aufwenden mussten und welchen Aufwand Gladbach dafür treiben musste", hielt Übungsleiter Terzic fest und schlug mit Blick auf die nächste Partie in einer Woche gegen Augsburg nicht eben inspiriert vor: "Es geht darum, die Ärmel hochzukrempeln, das Ganze gut zu verarbeiten und zu analysieren."
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