Borussia Dortmund hat nach einer Woche zum Vergessen beim Lieblingsgegner den wohl schon entscheidenden Nackenschlag im Titelkampf kassiert.
Der Vizemeister unterlag beim furiosen Rückrundenauftakt bei Borussia Mönchengladbach in einer mitreißenden Begegnung mit 2:4 (2:2) und rutschte nach der bereits siebten Saisonpleite aus den Champions-League-Plätzen.
Die Gladbacher eroberten mit dem ersten Sieg gegen den BVB seit April 2015 nach dem Corona-Wirbel um Breel Embolo zumindest für eine Nacht Rang vier.
Bundesliga
"Das stinkt gewaltig": Reus wettert nach BVB-Pleite in Gladbach
22/01/2021 AM 22:52
Was uns auffiel.

1. Gladbachs Stärke ist Dortmunds Achillesferse

Eigentlich stand von vornherein fest, wie die Tore im Borussen-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund fallen würden. 14 Mal waren die Fohlen vor dem Spiel bereits nach Standardsituationen erfolgreich (Ligahöchstwert), während der BVB 42 Prozent seiner Gegentreffer nach ruhenden Bällen kassierte - ebenfalls Ligahöchstwert.
Trotzdem ist der Fakt, dass die Gladbacher den BVB gleich drei Mal nach Freistößen und Eckbällen überwanden, bemerkenswert - und für die Schwarz-Gelben kaum zu ertragen.
"Wir verlieren wieder ein Spiel durch Standards", ärgerte sich ein fassungsloser Mats Hummels nach dem Spiel bei "DAZN" und gab anschließend unumwunden zu: "Standards verteidigen ist ein ganz großer Punkt bei uns."

Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Auch Kapitän Marco Reus, der nach seiner Auswechslung in der 71. Minute frustriert den Ball wegschlug und damit um ein Haar Schiedsrichter Manuel Gräfe traf, trottete kopfschüttelnd zum Interview am Spielfeldrand.
"Ich glaube, wir wiederholen uns in den letzten Wochen sehr, sehr häufig, was unsere Gegentore und individuelle Fehler betrifft, die dann zu Gegentoren führen. Wenn wir die individuellen Fehler, die zu Gegentoren führen, nicht abstellen, dann wird es schwierig, ein Spiel zu gewinnen", analysierte der frustrierte Offensivmann bei "DAZN" und schob später im "ZDF" noch nach: "Das stinkt gewaltig."
Aufseiten der Gladbacher verbindet man dieser Tage nur Positives mit dem Thema Standardsituationen. Insgesamt 17 seiner 35 Treffer erzielte die Elf vom Niederrhein nach Freistößen oder Ecken.

2. Terzic und das Konstanz-Problem

Seit sechs Bundesligaspielen ist Edin Terzic nun Trainer von Borussia Dortmund. In jedem dieser Spiele hatte der BVB gute Phasen, in denen die Mannschaft andeutete, welch großes Talent in ihr steckt. Und genau da liegt das Problem: Mehr als gute Teilabschnitte bietet Schwarzgelb aktuell eben nicht an.
Bei den Siegen gegen den VfL Wolfsburg (2:0) und RB Leipzig (3:1) führte eine enorme Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel zum Erfolg. Bei den Niederlagen bei Union Berlin und Bayer Leverkusen (jeweils 1:2) brachten die Westfalen kaum mehr als 20 gute Minuten auf den Rasen.
Im Borussen-Duell zeigte der BVB nun schon in der ersten Halbzeit seine beiden Gesichter. Nach einer komplett verschlafenen Anfangsphase drehten die Dortmunder durch einen Doppelpack von Erling Haaland (22./28.) die Partie noch vor dem Seitenwechsel.
"Ab der zehnten Minute haben wir in der ersten Halbzeit wirklich ein Top-Spiel hingelegt. Dass wir nur mit 2:2 in die Pause gehen, hat uns dann ein bisschen wehgetan - da hatten wir ein besseres Ergebnis haben können", befand auch Hummels nach dem Spiel - wohlwissend, dass seine Mannschaft in den zweiten 45 Minuten das Niveau erneut nicht halten konnten.

Erling Haaland

Fotocredit: Getty Images

"In der zweiten Halbzeit war es nicht mehr das Spiel, das hin und her ging auf beiden Seiten. Wir kriegen dann komplett unnötig das 3:2 - da darf niemals ein Tor passieren, niemals", schimpfte Reus und machte deutlich, dass immer wiederkehrende Rückschläge "extrem schwer für den Kopf" seien.
In die gleiche Kerbe schlug auch Trainer Edin Terzic: "Es waren viel zu viele Rückschläge. Irgendwann haben wir es nicht mehr hingekriegt, auf jeden Rückschlag zu reagieren." Es ginge für die Mannschaft jetzt darum, "die Ärmel hochzukrempeln, das Ganze zu analysieren und wirklich gut zu verarbeiten."
Für ihn ganz persönlich geht es aber vor allem darum, die Souveränität zurück ins Dortmunder Spiel zu bringen. Gelingt ihm das nicht, drohen dem BVB die Minimalziele (Qualifikation für die Champions League) zu entgleiten.

3. Gestatten: Torjäger Elvedi

Nico Elvedi, seines Zeichens Abwehrspieler bei Borussia Mönchengladbach, hatte gut lachen: "Heute hat es einfach perfekt gepasst, ich stand immer am richtigen Ort." Auf den Punkt analysiert, denn wirklich viel anders hätte er weder bei seinem ersten noch seinem zweiten Treffer gegen den BVB stehen dürfen.
"Das erste Tor war ein super Freistoß, da muss ich nur noch einköpfen. Beim zweiten Tor habe ich gut gelauert. Ich glaube, beide Tore waren sehr knapp, ich bin froh, dass es schlussendlich kein Abseits war und ich die zwei Tore schießen konnte."

Nico Elvedi traf doppelt gegen Borussia Dortmund

Fotocredit: Getty Images

Der Schweizer avanciert dieser Tage zum Toptorjäger der Fohlen. Schon am vergangenen Spieltag erzielte der 24-Jährige den Siegtreffer gegen Werder Bremen (1:0). Insgesamt ist er hinter Lars Stindl (9 Tore), Jonas Hofmann (4) der drittbeste Torjäger bei den Gladbachern in dieser Saison. Er traf also ebenso oft wie Breel Embolo und Marcus Thuram und einmal mehr als Alassane Pléa (2).
Kein Wunder, dass Kapitän Stindl seinem Kollegen beim Interview-Wechsel am Spielfeldrand noch ein flapsiges "Torjäger" zurief. Elvedi selbst wollte seine eigene Leistung, bescheiden wie der Schweizer nunmal ist, nicht allzu hoch hängen, auch wenn er "schon sehr stolz" sei und machte klar: "Wir als Mannschaft haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht."
Das könnte Dich auch interessieren: "Das stinkt gewaltig": Reus wettert nach BVB-Pleite in Gladbach

Plötzlich wird Flick emotional: "Müller war mein großes Vorbild"

Bundesliga
Trotz Haaland-Doppelpack: Gladbach triumphiert im Borussen-Duell
22/01/2021 AM 21:26
Bundesliga
Lewandowski gewinnt Wettschießen gegen Haaland - und jagt Müller-Rekord
VOR 8 STUNDEN