Der Start ins neue Jahr ist dem BVB geglückt. Gegen einen starken VfL Wolfsburg, der zuvor nur ein einziges Bundesligaspiel verloren hatte (1:2 beim FC Bayern), gelang der Mannschaft von Trainer Edin Terzic ein mühsamer, aber womöglich wegweisender 2:0-Erfolg.
"Es war ein wichtiger Sieg", bilanzierte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung, am Rande einer Trainingseinheit am Mittwoch. "Endlich haben wir mal wieder ein Heimspiel gewonnen. Wir standen unter Druck, die letzten drei Spiele waren nicht so berauschend."
In der Tat hatte sich nach der Entlassung Lucien Favres und der Installation seines einstigen Co-Trainers Terzic zum neuen Chef-Coach spielerisch kaum etwas am Leistungsniveau geändert. Der BVB mühte sich zu einem 2:1-Sieg in Bremen, verlor dann sang- und klanglos bei Union Berlin (1:2) und konnte auch beim 2:0-Sieg im DFB-Pokal beim strauchelnden Zweitligisten Eintracht Braunschweig nicht glänzen.
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Rückschlag für Dortmund: BVB zum Saisonstart wohl ohne Hummels
VOR 5 STUNDEN
Gegen den VfL Wolfsburg tat sich der BVB erneut schwer. Das Ergebnis stimmte, mehr aber nicht.

Kehl fordert neue Leistungskultur

Das soll sich in den kommenden Wochen ändern. Es geht mit dem Hinblick auf das vollgepackte Frühjahr nun darum, die Mannschaft in Form und Rhythmus zu bekommen. Eine schwierige Aufgabe, denn es fehlt aktuell schlicht an Zeit.
"Wahnsinnig viele Trainingseinheiten hatten wir nicht", sagte Kehl angesprochen auf den Einfluss, den Terzic nach knapp drei Wochen im Amt schon auf die Mannschaft hatte und führte aus: "Wir sind froh, dass wir jetzt keine Englische Woche haben und einige Einheiten nutzen können, um an verschiedenen Dingen zu arbeiten, die Edin vorhat. Vor allem geht es darum, dass die Mannschaft in eine bessere Form kommt."

BVB-Coach Terzic im Training mit Witsel, Reus und Co.

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Die Mannschaft selber beschäftige sich "natürlich auch mit dieser Situation, sie hat sie nicht einfach so hingenommen", so Kehl weiter. Die Ansprüche sind nicht nur aus Sicht der Verantwortlichen aktuell nicht zufriedenstellend, auch innerhalb der Mannschaft seien sie "deutlich höher und jeder weiß, dass wir mehr tun müssen. Wir müssen eine neue Leistungskultur auf dem Platz kreieren. Da sind die erfahrenen Spieler gefordert, sie müssen vorangehen."

Mats Hummels kritisiert Favre-Ära

Eine Botschaft, die bei Abwehrchef Mats Hummels angekommen ist. In einem Interview mit der "Sport Bild" analysierte der Weltmeister von 2014 jedenfalls schon einmal knallhart, was in der Ära Favre schief lief. "Wir haben zu oft keinen Erwachsenen-Fußball gespielt. Die Art, wie wir Fußball gespielt haben, musste zwangsläufig dazu führen, dass wir immer wieder Punkte liegen lassen", sagte der 32-Jährige: "Wir haben dem Gegner zu leicht die Bälle, die Tore und die Punkte geschenkt. Das müssen wir abstellen. Es muss wieder harte Arbeit sein, den BVB zu schlagen - und kein Vergnügen."
Eine Ansicht, die Kehl stellvertretend für die Führungsetage bei der Borussia teilt: "Es ist total legitim, dass ein so erfahrener Spieler auch mal den Finger in die Wunde legen darf. Seine Aussagen sind in vielen Bereichen richtig, ich teile sie. Wir können besser Fußball spielen und haben mehr Potenzial."

BVB: Jubel bei Hummels und Piszczek

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Dafür müsse sich jeder einzelne Spieler darauf besinnen, eine bessere Leistung zu bringen. In der Verantwortung sei da nicht nur Trainer Terzic, sondern die gesamte Mannschaft. "Wir wissen alle, dass wir uns in einer Situation befinden, die für Borussia Dortmund etwas unüblich ist. Wir müssen im Moment mit Kritik umgehen, das ist ganz normal. Wir haben aber auch höhere Erwartungen an uns. Wolfsburg war ein erster Schritt in einem für uns sehr aufregenden Monat."

Von Kapitän Reus muss mehr kommen

Neben Hummels gehört auch Marco Reus als Kapitän der Mannschaft zu den Führungsspielern, die nun besonders gefragt sind. Terzic stärkte den 31-Jährigen zuletzt, brachte ihn in allen drei Bundesligaspielen unter seiner Leitung von Beginn an. Doch Reus spielt bislang eine, vorsichtig ausgedrückt, durchwachsene Saison.
Der Nationalspieler hat sichtbar an Spritzigkeit und Spielwitz eingebüßt. Noch immer ist er nach seiner langwierigen Verletzung, die ihn fast die komplette vergangene Rückrunde kostete, noch nicht annähernd bei 100 Prozent. Aktuell soll er dennoch vorangehen - zumindest in Sachen Einstellung.

Marco Reus von Borussia Dortmund

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"Dass sich unsere Mannschaft nicht nur über den Kampf definiert, darin sind wir uns einig", erläuterte Kehl. "Wir haben eine fußballerisch sehr starke Mannschaft, wir haben eine große Individualität im Team. Aber in schwierigen Zeiten geht es nun mal nur über eine gewisse Bereitschaft. Über die Bereitschaft, zu laufen. Über die Bereitschaft, sich zu quälen. Über die Bereitschaft, intensiv zu arbeiten. Ich glaube, dass die Mannschaft das verstanden hat. Der Kampf und die Bereitschaft stehen da jetzt im Vordergrund."

RB Leipzig: Terzics erster echter Gradmesser

Wenn der BVB am Samstag-Abend im Topspiel bei RB Leipzig ran muss (ab 18:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport.de), wird sich zeigen, wie es um das Leistungsniveau der Borussia bestellt ist.
Leipzig ist aktuell die spielerisch beste Mannschaft in der Bundesliga, der BVB muss mit den von Kehl angesprochenen Grundtugenden dagegenhalten, wenn man etwas Zählbares mit nach Dortmund nehmen möchte. Sollte das gelingen, könnte das als Initialzündung dienen und die kommenden schwierigen Wochen aus Dortmunder Sicht deutlich einfacher machen.
"Wir können sehr viel gewinnen", so Kehl weiter: "Wir haben jetzt alle Möglichkeiten gegen Leipzig, mit den Spielen gegen Leverkusen und Mönchengladbach. Wir müssen natürlich auch Mainz zu Hause schlagen. Aber wir haben alle Möglichkeiten. Wir haben die direkten Konkurrenten gegen uns und können einen deutlichen Schritt nach vorne machen."

Mats Hummels und der BVB meldeten Timo Werner (rechts) in dessen letzten Heimspiel für RB Leipzig komplett ab

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Einen Grund, warum dem BVB im Januar ein solcher Lauf nicht gelingen sollte, sieht Kehl nicht. Man habe alle Spieler bis auf Thorgan Hazard und Jude Bellingham an Bord, Ausreden gebe es daher keine.
Allerdings tat sich der BVB in der Vergangenheit häufiger schwer, wenn es in den großen Spielen ernst wurde. Der Januar bietet für den BVB jede Menge Upside, aber auch Downside. So platt es klingen mag: Die Wochen der Wahrheit beginnen mit dem Spiel in Leipzig.
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