Douglas Costa: Lieber Waffe als Söldner

Douglas Costa probiert's ein zweites Mal beim FC Bayern München - dabei hallt Uli Hoeneß' Söldner-Aussage aus dem Jahr 2017 noch nach. Für die Münchner gibt der 30 Jahre alte Flügelstürmer eine willkommene Alternative zu Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman ab. Für ihn selbst ist es eine große Chance, seiner Karriere nochmal einen Kick zu geben. In Turin braucht man ihn nämlich nicht mehr.

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Nein, ein Telefonat mit Uli Hoeneß habe sich noch nicht ergeben, erzählte Douglas Costa am Dienstag auf der Pressekonferenz des FC Bayern München so ziemlich als Erstes.
"Wir haben noch nicht gesprochen", sagte der Brasilianer vor der roten Werbewand an der Säbener Straße: "Aber es ist sehr wichtig."
Die Worte des Ex-Präsidenten aus dem Jahr 2017 hallen schließlich auch drei Jahre später noch nach.
"Costa hat nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war, der uns charakterlich nicht gefallen hat", hatte Hoeneß im Sommer 2017 über den Brasilianer gesagt, als dessen erste Zeit beim FC Bayern nach nur zwei Jahren abrupt zu Ende gegangen war.

Douglas Costas seltsame Rückkehr

Nur wenige konnten sich danach vorstellen, dass Costa nochmal das Trikot des FC Bayern tragen würde. Und doch saß er am Dienstag wieder im Bayern-Outfit vor dem Mikrofon.
"Es ist ein bisschen seltsam, mich hier nochmal neu vorstellen zu müssen, denn ich kenne schon alles", sagte der Angreifer, den die Bayern am letzten Transfertag für ein Jahr von Juventus Turin ausgeliehen haben: "Aber ich bin sehr glücklich, hier zu sein."
Bis vor zwei Wochen hätte man die Liaison zwischen Douglas Costa, 30, und dem FC Bayern, 120, getrost als gescheitert bezeichnen können.

Costa bei Bayern: Stark angefangen, stark nachgelassen

2015 von Schachtjor Donezk verpflichtet, hatte Costa damals ein Halbjahr lang alles und jeden an die Wand gespielt – war dann jedoch schnell in der Versenkung verschwunden.
Nach etlichen Verletzungen und gescheiterten Anläufen, sich wieder in Topform zu bringen, gaben ihn die Bayern 2017 als Leihe mit Kaufpflicht an Juventus Turin ab. 40 Millionen Euro Ablöse gab's, bis heute Rekord für einen Bayern-Abgang, - und ein paar böse Hoeneß-Worte zum Abschied.
Es gäbe Spieler, sagte Hoeneß damals auch noch in Richtung Costa, "die fangen zwei Tage nach Vertragsunterschrift an nachzudenken, wo man noch mehr Geld verdienen kann". Wem das noch nicht konkret genug war: Costa habe "nach kürzester Zeit, obwohl die Leistungen gar nicht so gut waren, mehr Geld haben wollen".
Es sei daher die Aufgabe der Klubs, "charakterstarke Spieler unter Vertrag zu nehmen".

Salihamidzic zwischen Soft und Hard Skills

Sprung zurück ins Jahr 2020, in dem Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Dienstag ins selbe Horn wie Hoeneß stieß.
"Wir sind sehr interessiert daran, dass die Jungs, die wir verpflichten, einen guten Charakter und einen guten Spirit haben", sagte der 43-Jährige: "Da legt auch unser Trainer großen Wert darauf. Deswegen entscheiden wir uns für die Spieler, die einen Top-Charakter haben und in unsere Mannschaft passen."
Rollenverständnis und Teamwork seien "Soft Skills, die passen müssen".
Eric Maxim Choupo-Moting, den sie bei Bayern auch ein bisschen als Gute-Laune-Bär verpflichtet haben, nickte dabei zustimmend.

Charakter - wichtig oder nicht?

Am Dienstag, als Costa neben Salihamidzic saß, hörte sich das schon ein bisschen anders an.
"Natürlich haben wir nicht nur nach Charakter ausgesucht – hier wird auch Fußball gespielt", sagte Salihamidzic da. Costa müsse halt einfach "dazupassen". Was er tut. Innerhalb der Mannschaft hatte kein Spieler ein größeres Problem mit dem Brasilianer.
"Darauf haben wir geachtet. Wir wissen, was er hier geleistet hat. Wir sind überzeugt, dass wir ihn wieder auf diesen Leistungsstand bringen können", führte der Sportvorstand fort.

Costa wirft Hoeneß nichts vor

Als "Leistungsstand" haben sie freilich noch Costas Bundesliga-Hinrunde 2015/16 vor Augen, in der der Außenstürmer in zwölf Spielen zwölf Torvorlagen ablieferte und zweimal selbst traf, während es in den weiteren 65 Einsätzen für Bayern "nur" noch zu zwölf Toren und 15 Assists reichte.
Anno 2020 ist Costa erpicht darauf, die Causa Hoeneß schnell ad acta zu legen. "Ich lebe nicht in der Vergangenheit", sagte er am Dienstag: "Was passiert ist, ist passiert. Das Thema ist erledigt."
Eine zufriedenstellende Replik auf Hoeneß hatte Costa übrigens schon im Herbst 2017 gegeben. "Wenn ich Präsident gewesen wäre, hätte ich vielleicht auch etwas gesagt, auch wenn ich das Wort 'Söldner' nicht in den Mund genommen hätte. Aber ich wäre auch sauer gewesen", sagte Costa damals fast schon versöhnlich.
Er selbst sei "ein sehr entspannter Typ" und würde das dem Bayern-Polterer im Nachhinein niemals vorwerfen: "Dieses Spiel mache ich nicht mit." Überhaupt werde er als Profi mit solchen Kritiken "für den Rest meines Fußballerlebens umgehen müssen". Was ziemlich erwachsen klang aus dem Mund eines Söldners.
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Trotz Vorwürfen beim Abgang: Darum ist Costa Hoeneß dankbar

Quelle: Perform

Bayern hofft auf den Costa-Effekt

Bei Bayern hoffen sie nun inständig, dass Costa nicht nur zum Abholen seiner Gehaltsschecks zurück an die Säbener Straße gekommen ist. Interessanter Nebenaspekt: Dem Vernehmen nach bezahlt Bayern für die einjährige Leihe des Brasilianers keine Gebühr, übernimmt aber dessen komplettes Gehalt (angeblich zwölf Millionen Euro brutto).
"Wir wissen, wie gut er spielen kann", sagte Salihamidzic: "Douglas macht uns noch unberechenbarer auf den Außenpositionen. Er ist eine Waffe im Eins-gegen-Eins. Er kann richtig gut flanken und unserem Spiel Impulse geben."
Dafür, so mahnte der Sportvorstand, müsse der Brasilianer allerdings "gesund bleiben, topfit sein".

In Turin planen sie ohne Costa

Wenn man so will, hatte sich Costas Bayern-Schicksal in Turin nämlich wiederholt. Nach starkem Beginn, häuften sich die Verletzungen, zuletzt acht in zwei Jahren, zumeist muskulärer Natur – der Hauptgrund dafür, warum ihn Trainer Andrea Pirlo in Turin trotz Vertrags bis 2022 nicht mehr zurückerwartet.
"Er ist nicht Teil von Pirlos Plänen", weiß Stefano Fonsato von Eurosport Italien, der in Costas Ausleihe an die Bayern einen Hintergedanken erkennt:
"Die Beziehungen wurden aufgefrischt, um David Alaba, der sich mit Juventus bereits über einen ablösefreien Wechsel im Sommer einig sein soll, vielleicht schon im Winter verpflichten zu können."
Das wiederum hören sie in München nun nicht so gerne.

Costa vermisste seine Bayern-Kollegen

Wohl aber, wie Costa seine zweite Chance angehen will. "Ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich die nötige Fitness erreiche", sagte er am Dienstag, wohlwissend, dass er am Donnerstag im DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Düren (20:45 Uhr im Liveticker) höchstwahrscheinlich nicht gleich in der Startelf stehen wird.
Ein bisschen ehrfürchtig klang es auch, wie der Brasilianer über die Trainingseinheiten der Bayern sprach. "Sie trainieren mit großer Intensität hier", sagte er: "Es wird immer eine große Herausforderung sein, hier zu arbeiten."
Abgeschreckt hat ihn das aber nicht, im Gegenteil. "Ich habe meine Kameraden sehr vermisst und mich oft gefragt, wie es ihnen geht. Ich habe mich hier wirklich sehr wohl gefühlt", berichtete er.
Überhaupt sei er "in Italien reifer geworden" und habe "noch härter an meinem Körper gearbeitet":
"Jetzt will ich zeigen, was ich kann."
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Ups! Kleines Malheur bei Vorstellung von Choupo-Moting

Quelle: Perform

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