39 Punkte nach 21 Spielen, nur zwei Niederlagen in der gesamten Saison und zuletzt mit 16 von 18 möglichen Punkten – Eintracht Frankfurt geht mit breiter Brust ins Spitzenspiel gegen den FC Bayern.
"Dass wir bei dem Spitzenspiel dabei sind, haben wir uns verdient", sagte Trainer Adi Hütter auf der Spieltagspressekonferenz. Man sehe sich zwar nicht auf Augenhöhe mit den Bayern, habe mit einer guten Leistung aber die Chance auf ein gutes Ergebnis.
Nach einem durchwachsenen Saisonstart in dem aus der letzten Saison bekannten 3-4-1-2 hat Hütter sein System etwas modifiziert. Statt einem klaren Zehner und zwei Stürmern gibt es nun zwei Zehner hinter der Sturmspitze André Silva.
Bundesliga
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19/02/2021 AM 13:24
Das 3-4-2-1 hat die Frankfurter deutlich flexibler gemacht und scheint das perfekte System für diesen Kader zu sein.

Frankfurts Dreierkette: Dynamisch und mit viel Offensivdrang

Dass Frankfurt erst zwei Spiele verloren hat, hängt maßgeblich mit der guten Defensivarbeit zusammen. Die Eintracht hat eine gute Balance zwischen hohem Anlaufen, bei dem der Gegner sehr mannorientiert verfolgt wird, und einer tieferen Ordnung mit Fokus auf die offensiven Umschaltmomente.
Unabhängig von der Höhe des Anlaufens verteidigt Frankfurt sehr aggressiv. Die Innenverteidiger gehen mutig nach vorne und attackieren auch die Offensivspieler, die sich im Bereich zwischen den Linien anbieten.
Dabei kracht es auch mal: Frankfurt sammelt die meisten Gelben Karten (50) und foult am zweithäufigsten (14,3 Fouls pro Spiel, nur Hertha "toppt" dies mit 15,3). Die Eintracht ist jedoch keine Tretertruppe, sondern schlichtweg hart im Zweikampf – und gewinnt dabei auch sehr viele Bälle.

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Hinteregger als zentraler Spieler der Eintracht-Defensive

So konnte beispielsweise kein Spieler in der Bundesliga bislang mehr erfolgreiche Tacklings anbringen als Martin Hinteregger: 56 Mal hat der Österreicher bereits einen Gegner fair vom Ball getrennt.
Der zentrale Mann der Eintracht-Dreierkette besticht durch gutes Timing beim Herausrücken – und natürlich eine resolute Zweikampfführung.

Hannes Wolf vs. Martin Hinteregger - Eintracht Frankfurt vs. Borussia Mönchengladbach

Fotocredit: Getty Images

Auch Hintereggers Nebenleute Evans N´Dicka und Tuta überzeugen in Frankfurts Defensivverbund. Die beiden 21-Jährigen bringen gutes Tempo mit und setzen ihre Körper geschickt ein.
Weil sie für Innenverteidiger recht schnell sind, fällt ihnen das Durchschieben auf die Flügel auch leichter – in anderen Teams sieht man oftmals langsamere Innenverteidiger, die sich nicht trauen, Gegner auf den Außenbahnen zu attackieren, wenn der Vordermann weiter vorne Druck gemacht hat und überspielt worden ist.

Eintracht Frankfurt: N´Dicka und Tuta schalten sich ins Mittelfeld ein

Doch nicht nur in der Defensive ist die Dreierkette ein wichtiger Faktor. Auch im Spielaufbau tragen N´Dicka, Hinteregger und Tuta viel zum Erfolg der Eintracht bei. Sie stehen in der Regel sehr breit aufgefächert.
Hinteregger verteilt die Bälle aus dem Zentrum mit einer guten Passschärfe. Er spielt Tuta und N´Dicka nicht direkt an, sondern wenn möglich immer in die Vorwärtsbewegung.
Die äußeren Innenverteidiger dribbeln dann oftmals ins Mittelfeld an und stellen den Gegner vor die Entscheidung, wer aus dem Mittelfeld nun attackiert: Kommt der Flügelspieler raus, werden Filip Kostic (links) oder Erik Durm (rechts) anspielbar.
Ist es ein zentraler Mittelfeldspieler, der Tuta oder N´Dicka anläuft, werden Frankfurts sehr umtriebige Zehner Amin Younes oder Daichi Kamada für einen kurzen Moment frei.

Kostic und Durm als dynamische Flügelzange

Hütter lobte zuletzt immer wieder, wie wenig ausrechenbar seine Mannschaft mittlerweile sei – und das zurecht. Das Flügelspiel ist zwar weiterhin die größte Stärke der Eintracht, durch die Systemumstellung geht nun allerdings auch sehr viel durchs Zentrum. Mit Durm auf der rechten und Kostic auf der linken Seite hat man zwei sehr dynamische Flügelspieler, die ihre Außenbahnen im Alleingang beackern können.
Weil Frankfurt mit einem Innenverteidiger ins Mittelfeld dribbelt und dort ohnehin schon zwei Sechser und zwei Zehner stehen, muss der Gegner sich sehr kompakt zusammenziehen und versuchen, die nominelle Unterzahl im Zentrum durch eine sehr enge Staffelung aufzufangen. Die Folge: viel Raum auf den Flügeln.
Sowohl Kostic als auch Durm haben ihre Stärken in den Situationen, in denen sie mit Anlauf in einen großen Raum starten können. Mit präzisen, scharf gespielten Flanken sorgen sie für große Gefahr.

André Silva (l.) und Filip Kostic beim Torjubel

Fotocredit: Getty Images

Neben einer guten Flanke gehört aber auch immer eine gut organisierte Strafraumbesetzung dazu. Hier hat man mit Stoßstürmer André Silva einen Spieler, der sich die Position in der Box mit einem guten Näschen aussucht – meistens geht er auf den kurzen Pfosten.
Die dahinter einlaufenden Zehner orientieren sich daran und besetzen zweiten Pfosten und den Bereich um den Elfmeterpunkt herum. Der FC Bayern muss hier besonders die Sinne schärfen, schließlich hatte er Rekordmeister immer wieder Probleme mit der Zuordnung im Zentrum bei gegnerischen Flanken.
Weil die Sechser den Rückraum gut sichern und auch der ballferne Flügelspieler mit einrückt und sich um den Strafraum herum positioniert, kommt Frankfurt hier zu vielen Abschlüssen oder gewinnt den geklärten Ball gleich wieder zurück und kann die nächste Angriffswelle einleiten.

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Eintracht Frankfurt: Plan B - lange Bälle

Neben den erwähnten Abläufen über die Flügel gibt es in Frankfurts Matchplan auch immer den Plan B, den langen Ball. Tun sich keine klaren Anspielstationen im Mittelfeld oder auf den Flügeln auf, schlagen die Innenverteidiger lange Bälle.
Diese kommen jedoch nicht planlos – im Gegenteil: Frankfurts Offensivspieler sind stark in Kopfballduellen, zudem ist die Eintracht hervorragend für den sogenannten zweiten Ball gestaffelt.
Mit zwei Sechsern und zwei Zehnern hinter dem Zielspieler Silva stehen gleich vier Spieler bereit, die abgelegte oder eben geklärte Bälle direkt weiterspielen oder zurückerobern können.
Die wendigen Kreativspieler Younes und Kamada können in diesen Situationen oft gegen einen nach dem langen Ball ungeordneten Gegner Tempo aufnehmen und ins Dribbling gehen. So spielen sie oftmals die Flügelspieler frei oder holen Standardsituationen heraus.
Genau wie beim langen Ball kommt hier Frankfurts Kopfballstärke zum Tragen, keine andere Mannschaft hat in dieser Spielzeit so viele offensive Luftduelle für sich entscheiden können: Frankfurts 433 gewonnenen Kopfballduellen stehen auf Münchener Seite nur 276 gegenüber – der niedrigste Wert der Liga.

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Eurosport-Check: Die 5:0-Klatsche in der Allianz Arena aus der Hinrunde sollte mittlerweile aus den Köpfen der Frankfurter sein. Seitdem hat sich die Mannschaft erst stabilisiert und schließlich zu einer Spitzenmannschaft gemausert.
Mit sehr einfachen, aber sehr klaren und vor allem konsequent umgesetzten Abläufen können sie aufgrund ihrer Wucht und Intensität jeden Gegner vor Schwierigkeiten stellen. Mit ihrem sehr verdichteten Zentrum werden sie es den Bayern schwer machen, zu klar herausgespielten Torchancen zu kommen.
In der Offensive können sie mit ihrer Wucht über die Flügel sicherlich die ein oder andere Flanke anbringen und möglicherweise die Münchener Schwächen in der Strafraumverteidigung ausnutzen können.
Frankfurt hat sich dieses Spitzenspiel tatsächlich verdient – und hat auch realistische Chancen auf einen Sieg.
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