Beim FC Bayern München freut man sich auf die zukünftige und langfristig ausgelegte Zusammenarbeit mit Julian Nagelsmann. Der 33-Jährige unterschreibt einen Fünfjahresvertrag.
Vorstandsmitglied Oliver Kahn meinte unter anderem im offiziellen Statement zur Verpflichtung des neues Trainers: "Ich bin überzeugt davon, dass wir die sportliche Zukunft des FC Bayern zusammen mit Julian Nagelsmann sehr erfolgreich gestalten werden."
Nagelsmann selbst will sich zwar nach eigener Aussage mit Respekt, aber auch mit viel Selbstbewusstsein an die neue Aufgabe heranwagen. Dabei erwarten ihn ein paar ganz spezielle Herausforderungen.
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Denn schon einige Trainer vor dem jungen Coach scheiterten beim FC Bayern, weil sie im Nachhinein betrachtet essentielle Fehler machten.

Große Fußstapfen für Julian Nagelsmann

Wie auch Pep Guardiola wird sich der Noch-Leipziger mit seinem sehr erfolgreichen Vorgänger vergleichen lassen müssen. Beim Katalanen ging Triple-Trainer Jupp Heynckes voraus. Diesen Erfolg konnte Guardiola in seinen drei Jahren nicht wiederholen.
Hansi Flick sorgte sogar für noch größere Fußstapfen. In seinen knapp eineinhalb Jahren als Bayern-Chefcoach wird der 56-Jährige bald sieben Titel gewonnen haben. Alleine der vergangenen Saison können sechs Erfolge zugeschrieben werden. Flick wurde der Sextuple-Trainer.
Dass Nagelsmann einen ähnlichen Triumphzug in seinem ersten Trainerjahr erreicht, scheint ausgeschlossen. Dennoch wird er sich an Flicks Erfolgen messen lassen müssen. Bei den Bayern zählt nämlich trotz aller Vorschusslorbeeren nur eines: Titel.
Eine Sache, an der besonders Flick scheiterte, ist der Kontakt zu den weiteren Entscheidungsträgern beim FC Bayern. Wie zerrüttet die Beziehung am Ende zwischen dem scheidenden Bayern-Trainer und Sportvorstand Hasan Salihamidzic war, kann nur gemutmaßt werden. Am Ende sorgten (auch) die Streitereien dafür, dass Flick die Münchener vorzeitig verlässt - obwohl die Beziehung zur Mannschaft weiter intakt war.

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"Thiago oder nix": Diese Taktik ist erfolgreich

Somit wird für Nagelsmann von Beginn an wichtig sein, vor allem mit Salihamidzic und dem baldigen Vorstandvorsitzenden Oliver Kahn auf einer Wellenlänge zu sein und zu bleiben. Nach Uli Hoeneß wird im Winter auch Karl-Heinz Rummenigge nach vielen Jahren an der Vereinsspitze in den Hintergrund treten. Die Macht bei den Bayern wird neu verteilt. Die richtigen Verbündeten sind somit für Neu-Trainer Nagelsmann entscheidend.
Stimmt es mit den Vereinsbossen, bekommt man zudem eher seine Wunschspieler. Guardiola machte dies mit seinem berühmten "Thiago oder nix"-Spruch vor und er bekam den Spanier wenig später auch. Bei den Münchenern zeigte sich vor allem in der jüngeren Vergangenheit, dass die Coaches mit dieser Taktik besser gefahren sind.
Flick wollte generell mehr Einfluss auf die Transferpolitik, was letztlich bei der Trennung eine wichtige Rolle spielte. Flick-Vorgänger Niko Kovac wiederum hielt sich komplett heraus und hatte damit auch keinen Erfolg. Orientiert sich Nagelsmann an Guardiola, wäre es also zu empfehlen, sich genau einen bestimmten Spieler zu wünschen. Das zeugt davon, eine klare Vorstellung vom Kader zu haben und zugleich nicht zu viel Macht zu wollen.
Dem 33-Jährigen sollte zudem bewusst sein, dass man beim FC Bayern wie auch bei anderen Topklubs nie sicher ist. Die Vertragslaufzeit darf nicht mit der Amtszeit verwechselt werden. Seit Guardiola erfüllte kein Bayern-Chefcoach mehr seinen Vertrag. Carlo Ancelotti musste 2017 nach etwas mehr als einem Jahr gehen. Jupp Heynckes half daraufhin bis zum Saisonende aus. Für Kovac war nach rund 16 Monaten Schluss und Flick macht nun nach nur eineinhalb Jahren selbstgewählt den Abgang.

Julian Nagelsmann mit einem seiner Vorgänger beim FC Bayern, Pep Guardiola

Fotocredit: Getty Images

Nur Siege zählen beim FC Bayern

Ancelotti und Kovac stolperten dabei über eine simple Sache: Sie verloren aus Sicht der Vereinschefs zu viele Spiele. Für Nagelsmann heißt das: Fehlen die Siege, wird es für den hochgelobten 33-Jährigen auch schnell eng - egal wie rekordverdächtig die Ablöse (angeblich bis zu 25 Millionen Euro) war. Dem bisher noch titellosen Nagelsmann - mit Leipzig könnt er jedoch diese Saison noch den DFB-Pokalsieg erreichen - wird daher eine Portion Demut und eine gewisse Lockerheit bei seiner neuen Aufgabe helfen. Besonders das Fehlen des letzteren wurde einigen Trainern über die Zeit zum Verhängnis.
Zu guter Letzt sollte man die Bayern-Fans nicht vergessen. Dem gebürtigen Bayer wird zwar eine große Fan-Liebe zu den Münchenern in der Kindheit nachgesagt. Und auch die Aussagen, dass er einzig für den FC Bayern Leipzig vorzeitig verlassen hätte, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, findet Gefallen bei Anhängern des Rekordmeisters.
Seine Vergangenheit beim TSV 1860 München, wo er als Spieler aktiv war, dürfte ihm allerdings nicht von jedem Bayern-Fan sofort verziehen werden. Überzeugend wären sicherlich schnelle Erfolge mit der Mannschaft und wiederkehrende Beweise, dass Nagelsmann einer von ihnen ist. Einen Oberbayer als Bayern-Cheftrainer gab es in der Bundesliga, sieht man mal von den zwei Episoden mit Franz Beckenbauer als Aushilfstrainer ab, noch nie.
Hält sich der junge Trainer an diese Verhaltensregeln, steht einem Erfolg bei den Münchenern nicht viel im Weg. Einzig Siege kann man sich so noch nicht kaufen.
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