Das ging schnell: Am Montag und Dienstag überschlugen sich bei der Trainersuche des FC Bayern die Ereignisse. Zunächst berichteten "Sky" und "tz" von einer ersten Kontaktaufnahme der Münchener mit RB Leipzig.
Wenig später hieß es vom "Kicker", Julian Nagelsmann habe bei den Leipziger Bossen um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Am Dienstag, 10:42 Uhr gab es dann Gewissheit. Der FC Bayern verkündete per Pressemitteilung, das der 33-Jährige einen Fünfjahresvertrag bis 2026 an der Isar bekommt.
Ein Transfer, der die Bayern teuer zu stehen kommt: "Bild" und "Sport Bild" berichten von einer Ablösesumme bis zu 25 Millionen Euro. Offiziell äußerten sich beide Seiten nicht zum finanziellen Aspekt der Einigung.
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So oder so dürfte der gebürtige Bayer der teuerste Trainer aller Zeiten sein. Bisher hält André Villas-Boas mit seinem Wechsel zu Chelsea 2011 den Rekord (15 Millionen Euro). In einer weniger dringlichen Situation hätten die Bayern vermutlich einen anderen (günstigeren) Weg gesucht. Doch als Nachfolger der Sextuple-Trainers Flick brauchte es ein Ausrufezeichen.
Nagelsmann, so viel ist sicher, war die Wunschlösung der Münchner.

Nagelsmann: Vertrauensbeweis oder Verzweiflungsakt?

Nachdem Hansi Flick vor wenigen Wochen öffentlich klargestellt hatte, nicht mehr beim FC Bayern arbeiten zu wollen, gerieten die Münchener Vereinsbosse unter Druck. Ein passender Trainer musste her, doch das ist während einer laufenden Saison nicht immer einfach.
Das Problem: Die beiden Wunschtrainer Nagelsmann und Jürgen Klopp standen langfristig bei ihren Vereinen unter Vertrag. Der in Vorjahren bereits gehandelte Thomas Tuchel war keine Option, unterschrieb er doch kürzlich erst beim FC Chelsea. Den Bayern wurde also schnell klar, dass der neue Coach teuer werden würde.
Aber gleich so teuer? 25 Millionen Euro sind schließlich eine absolute Weltrekordablöse. Dass sich die Münchner scheinbar gar nicht groß mit anderen Trainern beschäftigten, sondern recht schnell die Forderungen der Leipziger erfüllten, zeigt auf der einen Seite, wie viel Vertrauen dem jungen Trainer bereits entgegengebracht wird. Auf der anderen Seite kann dies aber auch als Akt der Verzweiflung gesehen werden. Schließlich war durchaus absehbar, dass man für die Saison 2021/22 einen neuen Trainer brauchen würde.

FC Bayern: Salihamidzic und Flick

Fotocredit: Imago

Schon im vergangenen Jahr hatte Flick öffentlich um neue Spieler und mehr Einfluss bei Transfers gebeten. Bei Hasan Salihamidzic kam das weniger gut an. Der Wunsch des Coaches blieb unerhört, die Beziehung zum Sportvorstand zerbrach und machte eine Zusammenarbeit bis zum Vertragsende 2023 undenkbar.
Flick entschied schließlich nach dem Champions-League-Aus bei Paris Saint-Germain, die Vorgesetzten davon in Kenntnis zu setzen, dass er den Verein verlassen will. Wie dringlich sein Wunsch war, zeigte sein Alleingang nach dem Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg, als er die Öffentlichkeit über die Situation informierte und die Klubbosse damit kalt erwischte. Die Aussicht auf den Bundestrainerposten spielte dabei womöglich eine gewisse Rolle.

Julian Nagelsmann 2016 beim FC Bayern im Gespräch

Sei's drum! Der FC Bayern schaffte schließlich ebenfalls schnell Fakten, entsprach Flicks Wunsch nach Vertragsauflösung und schnappte sich mit nagelsmann das wohl größte Trainer-Juwel weltweit. Schon 2016 stand der 33-Jährige vor einer Anstellung beim FC Bayern. Der damalige technische Direktor des Rekordmeisters, Michael Reschke, erzählte bei "Sport1": "Er sollte bei Bayern München U19-Trainer werden. Die Gespräche waren super, Uli Hoeneß war komplett begeistert und wollte das dann auch auf jeden Fall umsetzen."
Die TSG 1899 Hoffenheim, dort arbeitete Nagelsmann in der U19, wollte das Trainer-Talent aber nicht abgeben. Wenig später übernahm der erst 28-Jährige die Profimannschaft der Kraichgauer. Ein Wechsel von Nagelsmann nach München war damit aus heutiger Sicht aber nur aufgeschoben.
Über die Stationen Hoffenheim und RB Leipzig führt sein Weg den jungen Fußballlehrer letztendlich also nach München - vom FC Bayern war von bereits als Kind ein großer Fan war. Daher verblüfft es auch nicht, dass Nagelsmann auf der Homepage der Leipziger mitteilte: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich der Trainerposten beim FC Bayern München reizt und ich diesen Job gerne annehmen würde, wenn sich diese vielleicht einmalige Gelegenheit ergeben sollte. Es ist für mich etwas sehr Spezielles, das Traineramt beim FC Bayern zu übernehmen."

RB-Trainer Julian Nagelsmann (l.) nach dem Spiel gegen den FC Bayern München im Dezember 2020

Fotocredit: Getty Images

Oliver Kahn hofft auf lange Zusammenarbeit

Auch Bayern-Vorstand Oliver Kahn hofft auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit. In einem Statement des Münchener erklärte er: "Allein schon Julians Vertragslaufzeit von fünf Jahren zeigt, wie sehr er sich mit dem FC Bayern identifiziert. Ich bin überzeugt davon, dass wir die sportliche Zukunft des FC Bayern zusammen mit Julian Nagelsmann sehr erfolgreich gestalten werden."
Die hohe Ablöse darf ebenfalls als ein Versprechen in die Zukunft und ein Vertrauensbeweis der Bayern-Bosse angesehen werden. Denn über 20 Millionen Euro für einen Trainer zahlt ein Verein nur, wenn man absolut überzeugt ist, dass dieser die Mannschaft zum Erfolg führen und über Jahre die Geschicke des Klubs leiten kann.
Nagelsmann muss diesen Vertrauensvorschuss, trotz aller vorzeitigen Lobeshymnen der Bayern-Bosse erst noch rechtfertigen. Beim FC Bayern heißt es am Ende nämlich auch für den 33-Jährigen: Titel müssen her.
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