FC Bayern: Durchwachsene Leihbilanz von Zirkzee, Cuisance und Co. - die meisten spielen gar nicht

Der FC Bayern München hat diese Saison nicht weniger als acht Nachwuchsspieler verliehen, die anderswo Spielpraxis sammeln und sich damit für höhere Aufgaben in München empfehlen sollten. Kurz vor Ende der Spielzeit muss man bei Joshua Zirkzee, Michaël Cuisance, Adrian Fein und Co. aber feststellen: die wenigsten Leihgeschäfte haben funktioniert. Auch wenn es einen Lichtblick gibt.

Joshua Zirkzee 2020 im Trikot des FC Bayern München

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Philipp Lahm wählte einst den Umweg über Stuttgart, Toni Kroos über Leverkusen, David Alaba über Hoffenheim.
Beim FC Bayern München sind das die Paradebeispiele aus der Vergangenheit für folgenden Umstand: Junger, verheißungsvoller, aber noch nicht ganz ausgereifter Spieler wird ausgeliehen, um anderswo Spielpraxis zu sammeln, sich auf Top-Niveau zu beweisen – und schließlich als echte Alternative zum FC Bayern zurückzukehren.
Und wann wäre ein talentierter Unterbau nicht besser nutzbar als in Zeiten von Corona, in denen keine großen Ablösesummen rauszuhauen sind? "Es ist kein Geheimnis, dass Corona auch den FC Bayern hart trifft", hatte Präsident Herbert Hainer schließlich erst diese Woche bei "Sport1" gesagt.
So hat der deutsche Rekordmeister das mit den Leihgeschäften diese Saison gleich mit einer ganzen Armada an Nachwuchsspielern probiert - acht an der Zahl - und dabei aber, so viel kann man kurz vor Ende der Spielzeit schon sagen, nicht wirklich ins Schwarze getroffen.

FC Bayern und die Leihen: Julian Nagelsmann hilft das nur wenig

Joshua Zirkzee, Michaël Cuisance, Adrian Fein, Christian Früchtl, Leon Dajaku und Oliver Batista Meier jedenfalls haben bei ihren Leihklubs keinen Sprung nach vorne gemacht, zum Teil machten sie sogar eher einen Schritt zurück.
So dürfen mit Abstrichen Lasse Mai und sonst nur Chris Richards ihre Leihsaison als Erfolg verbuchen. Julian Nagelsmann als neuen Bayern-Trainer dürfte das aber nur wenig helfen.
Wer sich wie wo schlug - Eurosport.de blickt auf die zum größten Teil verkorksten Bayern-Leihen.
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Joshua Zirkzee im Trikot des FC Parma

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Joshua Zirkzee (19, Stürmer)

Profi-Debüt bei Bayern: Dezember 2019Derzeit ausgeliehen an: FC ParmaVertrag bei Bayern bis: 2023
Der Mittelstürmer war Leidtragender der Spätsommer-Verpflichtung von Eric Maxim Choupo-Moting. In der vergangenen Saison als Backup von Robert Lewandowski noch mit vier Bundesliga-Toren in neun Einsätzen, kam er diese Hinrunde nur noch in drei Ligaspielen zum Einsatz und wechselte daraufhin im Winter zum FC Parma, um dort Spielpraxis zu sammeln.
In der Serie A fasste der 19 Jahre alte Niederländer jedoch nie Fuß. Nach zwei Jokereinsätzen setzte ihn erst eine Rückenverletzung außer Gefecht, nach zwei weiteren Kurzeinsätzen erwischte ihn eine Innenbandverletzung. Parma, das die letzten sechs Spiele alle verlor, hatte im Abstiegskampf also nie die gewünschte Verstärkung. Und die Bayern ärgerten sich andersrum dann doch, Zirkzee nicht noch als Einwechseloption zu haben, als Robert Lewandowski in der Champions League gegen PSG (2:3, 1:0) verletzt fehlte.
Wie es mit Zirkzee im Sommer weiter geht, ist völlig offen. Relativ klar ist allerdings, dass Parma als Absteiger die 15 Millionen Euro vereinbare Kaufoption eher nicht berappen wird. Wahrscheinlich ist ein weiteres Leihgeschäft – den Bayern hatte bei Zirkzee zuletzt ohnehin der rechte Biss und unbedingte Wille zur Weiterentwicklung gefehlt.
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Michaël Cuisance (Olympique Marseille)

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Michaël Cuisance (21, zentraler Mittelfeldspieler)

Profi-Debüt bei Bayern: August 2019Derzeit ausgeliehen an: Olympique MarseilleVertrag bei Bayern bis: 2024
Nachdem sich im vergangenen Sommer nach einem Jahr bei Bayern mit wenig Spielpraxis ein Wechsel zu Leeds United im letzten Moment zerschlug, sollte der Ex-Gladbacher mit dem nicht ganz einfachen Charakter in der Heimat bei Olympique Marseille wieder Selbstvertrauen tanken. Zu Saisonbeginn unter André Villas-Boas sogar gesetzt, nahm seine Spielzeit jedoch mehr und mehr ab.
Dass Villas-Boas im Winter geschasst wurde, half dem 21-Jährigen nicht. "Er muss auf dem Feld ein wenig disziplinierter werden. Individuell kann er Großes leisten, hat eine tolle Zukunft vor sich. Aber heute brauchen wir Spieler, die ihre Qualitäten auch einbringen", kritisierte ihn Interimstrainer Nasser Larguet im Februar via "L'Equipe".
Im März übernahm dann Jorge Sampaoli - und obwohl Cuisance als Joker bei den Siegen gegen Rennes (1:0) und Brest (3:1) zustach, stand er seither nur noch einmal in der Startelf. Zwischendurch machte ihm aber auch ein verstauchter Knöchel zu schaffen. "Im Moment verdiene ich es nicht zu bleiben", sagte Cuisance Mitte März selbstkritisch.
Dass OM im Sommer die Kaufoption (angeblich bis zu 18 Millionen Euro) zieht, scheint daher arg unwahrscheinlich. Aktuell wahrscheinlichstes Szenario: Julian Nagelsmann schaut sich Cuisance in der Saisonvorbereitung genauer an und entscheidet dann, ob er ihn in seinem Kader sehen will – oder ob sich Cuisance einen neuen Verein suchen muss.
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VfB-Profi Silas Wamangituka (weißes Trikot) im Zweikampf mit Chris Richards von der TSG Hoffenheim

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Chris Richards (21, Innenverteidiger)

Profi-Debüt bei Bayern: Juni 2020Derzeit ausgeliehen an: TSG 1899 HoffenheimVertrag bei Bayern bis: 2023
Ein Lichtblick unter den Bayern-Leihspielern: Im Winter an die TSG 1899 Hoffenheim mit Ex-Bayern-II-Trainer Sebastian Hoeneß am Ruder ausgeliehen, stand er in allen elf Spielen, in denen er fit war, in der Startelf und machte seine Sache zumeist ordentlich bis gut – egal ob halblinks in der Dreierkette oder innen in der Viererkette.
Laut "Sport Bild" würden die Kraichgauer den US-Amerikaner gerne ein weiteres Jahr ausleihen, wogegen Richards sicher auch nichts einzuwenden hätte – unklar ist jedoch noch, wie Nagelsmann in der Abwehr plant.
Anstelle von Jérôme Boateng haben die Bayern ja schon Dayot Upamecano von RB Leipzig verpflichtet. Dennoch könnte Richards mittelfristig die Planstelle von David Alaba als Innenverteidiger-Außenverteidiger-Hybrid übernehmen, auch wenn dessen Fußstapfen natürlich immens groß sind und Richards qualitativ vorerst kein vergleichbarer Ersatz wäre. Zwei große Pluspunkte hat der 21-Jährige jedoch: Er ist beidfüßig, zweikampf- und kopfballstark.
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Adrian Fein

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Adrian Fein (22, zentraler Mittelfeldspieler)

Profi-Debüt bei Bayern: -Derzeit ausgeliehen an: PSV EindhovenVertrag bei Bayern bis: 2023
Der Mittelfeldmann mit dem Münchner Stadtlogo als Tattoo auf dem linken Arm wurde nach einer vielversprechenden Saison beim HSV erst von Hansi Flick aussortiert und dann an PSV Eindhoven verliehen, wo er jedoch unter Trainer Roger Schmidt regelrecht auf der Bank versauerte.
Seine beste Phase im Dezember mit vier Torbeteiligungen in drei Spielen war nur ein Strohfeuer – in der Rückrunde saß der 22 Jahre alte zentrale Mittelfeldspieler fast nur draußen, kam zuletzt nicht mal mehr als Joker zum Einsatz.
PSV wird die Kaufoption (angeblich sechs Millionen Euro) entsprechend wohl auch nicht ziehen. Zukunft bei Bayern? Unwahrscheinlich – außer Nagelsmann sieht in Fein im Vergleich zu Marc Roca die passendere Ergänzung zum Stammpersonal im Mittelfeld.
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Christian Früchtl im Trikot des 1. FC Nürnberg

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Christian Früchtl (21, Torwart)

Profi-Debüt bei Bayern: -Derzeit ausgeliehen an: 1. FC NürnbergVertrag bei Bayern bis: 2022
Entgegen anderslautender Versprechungen – wie zumindest die Früchtl-Seite beteuert – kam er beim 1. FC Nürnberg in der ganzen Zweitliga-Saison überhaupt nicht zum Einsatz. Trainer Robert Klauß legte sich zu Saisonbeginn auf Christian Mathenia fest und Früchtl schaute in die Röhre, was für den 21-Jährigen einer sportlichen Katastrophe gleichkommt.
Die Bayern-Oberen konnte Früchtl so auch nicht im Geringsten davon überzeugen, langfristig vielleicht sogar die bessere Alternative zu Alexander Nübel zu sein. In der Zwischenzeit verlängerten die Münchner mit Früchtl-Konkurrenz Ron-Thorben Hoffmann – auch kein gutes Zeichen.
Kurzum: Ein Jahr zum Vergessen für Früchtl, der sich nun einen neuen Plan zurechtlegen muss. Sein Berater Christian Rößner kündigte gegenüber "spox.com" jedoch an, dass Früchtl kommende Saison wohl eher in München bleiben werde – wo er dann um eine Verlängerung seines 2022 auslaufenden Vertrages kämpfen muss.
Schwacher Trost: Sollte Nübel sich ausleihen lassen, könnte Früchtl dann immerhin seinen Hut für die Backup-Rolle hinter Manuel Neuer in den Ring werfen.
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Lars Lukas Mai im Trikot des SV Darmstadt 98

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Lars Lukas Mai (21, Innenverteidiger)

Profi-Debüt bei Bayern: April 2018Derzeit ausgeliehen an: SV Darmstadt 98Vertrag bei Bayern bis: 2023
Mit Richards das Innenverteidiger-Duo der Drittliga-Meistermannschaft der Bayern 2019/20, machte der robuste Defensivspezialist vergangenen Sommer einen Schritt nach oben und heuerte leihweise beim SV Darmstadt 98 an, wo er sich auf Anhieb durchsetzte und sogar die drittmeisten Spielminuten aller Darmstädter Feldspieler absolvierte – allerdings haben die Lilien mit 52 Gegentoren die fünfschlechteste Abwehr der Liga, Mai spielte meist ordentlich, aber selten herausragend.
Insofern machte der 21-Jährige auch nicht den entscheidenden Schritt nach vorne, um sich für die Bayern-Profis zu empfehlen. "Mein Traum als Kind war immer Stammspieler bei Bayern München zu werden. Ob er sich nächstes Jahr, übernächstes Jahr oder in fünf Jahren erfüllt, ist eigentlich egal. Hauptsache der Traum erfüllt sich irgendwann einmal", sagte er im Februar zu "90min".
Perspektivisch könnte es für "Lasse" Mai schon für einen Job bei einem Bundesligisten reichen – im Profi-Kader der Bayern jedoch hat der gebürtige Dresdner aktuell wenige bis gar keine Chancen.
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Oliver Batista Meier (r., SC Heerenveen)

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Oliver Batista Meier (20, offensiver Mittelfeldspieler)

Profi-Debüt bei Bayern: Mai 2020Derzeit ausgeliehen an: SC HeerenveenVertrag bei Bayern bis: 2023
Der Youngster mit brasilianischen Wurzeln wurde vor Saisonbeginn in die Eredivisie ausgeliehen, wo er erstmals konstant Erstligaluft schnuppern sollte. Mit drei Scorerpunkten in drei Spielen legte der 20-Jährige einen Top-Start hin, kam in der Folge aber nie über die Rolle des Jokers hinaus.
2021 kommt Batista Meier sogar nur noch auf 40 Minuten Einsatzzeit. Für die Bayern-Profis ist das freilich viel zu wenig; sollte Bayern II absteigen, wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als sich einen neuen Verein zu suchen.
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Leon Dajaku (1. FC Union Berlin)

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Leon Dajaku (20, offensiver Mittelfeldspieler)

Profi-Debüt bei Bayern: Dezember 2019Derzeit ausgeliehen an: 1. FC Union Berlin (bis 2022)Vertrag bei Bayern bis: 2023
Der beim VfB Stuttgart ausgebildete Offensivallrounder wechselte im Winter nach einer nicht besonders berauschenden Hinrunde bei Bayern II in die Bundesliga zu Union Berlin. Das Leihgeschäft ist langfristig angelegt (bis 2022), bei den Köpenickern fasste Dajaku bislang jedoch noch überhaupt nicht richtig Fuß.
Nach zwei Jokereinsätzen zu Jahresbeginn blieb für ihn erst mal nur die Bank, zuletzt setzten den 20-Jährigen dann ein positiver Coronatest und eine Fußverletzung außer Gefecht. Kurzum: ein nicht gerade zufriedenstellendes Halbjahr - 35 Einsatzminuten hätte er vielleicht auch bei den Bayern-Profis bekommen.
Für die bis 2022 zu ziehende Kaufoption hat sich Dajaku beim 1. FC Union jedenfalls so noch nicht beworben – und für eine Zukunft bei den Bayern-Profis wie so viele andere Leihspieler erst recht nicht.
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