Schätzungsweise 65 Millionen Euro überweist der FC Bayern im Sommer nach Leipzig. Im Gegenzug dafür sichern sich die Münchner die Dienste von Innenverteidiger Dayot Upamecano und Trainer Julian Nagelsmann.
Weitere Neuzugänge sollen hinzukommen, doch viel Geld steht dafür nicht bereit. Das liegt daran, dass sich der deutsche Rekordmeister selbst einen Sparplan auferlegt hat, um in Zeiten der Corona-Pandemie vernünftig hauszuhalten.
"Es ist kein Geheimnis, dass Corona auch den FC Bayern hart trifft. Das hat Einfluss auf unseren Budget-Rahmen. Wir gehen von etwa 150 Millionen Euro Mindereinnahmen aus seit März 2020", konstatierte Herbert Hainer kürzlich im "Bild"-Podcast "Bayern-Insider".
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Deshalb seien auch keine großen Ausgaben mehr möglich, wie der Bayern-Präsident erklärte: "Wir werden den Kader ergänzen, aber keine teuren Transfers tätigen. Wir haben eine unheimlich starke, junge Mannschaft mit enorm viel Potenzial. Insofern mache ich mir keine Sorgen.“

Bayern sucht Nachfolger für Alaba, Boateng und Martínez

Das Talent ist sicherlich vorhanden in der Mannschaft, dennoch sind die Münchner unter zwei Gesichtspunkten zum Handeln gezwungen. Zum einen bemängelte Trainer Hansi Flick in dieser Saison schon die Kadertiefe. Auch Nagelsmann soll dieses Problem laut "Sport Bild" bereits angeprangert haben. Zum anderen verlassen den Verein mit David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez drei Spieler, die sowohl innerhalb der Mannschaft als auch als Identifikationsfiguren bei den Fans wichtige Rollen einnahmen.
Diese Planstellen soll Sportvorstand Hasan Salihamidzic nun bearbeiten. Für den 44-Jährigen ist es die wohl bisher größte Herausforderung in seiner Zeit bei den Bayern, mit geringen finanziellen Mitteln hochkarätige Transfers aus dem Hut zu zaubern. Vor allem auf dem Markt der ablösefreien Spieler oder bei Leih-Geschäften kann Salihamidzic sein Verhandlungsgeschick nun beweisen. Eurosport.de ordnet die möglichen Kandidaten ein.

Ablösefreie Spieler: Draxler, Wijnaldum, Richards

Bereits vor einigen Wochen vermeldeten verschiedene Medien wie der "Kicker" den ablösefreien Wechsel von Omar Richards als perfekt. Eine offizielle Verkündung seitens der Bayern lässt seitdem auf sich warten. Der 23-Jährige vom englischen Zweitligisten FC Reading würde als Backup auf der linken Abwehrseite fungieren.
Auch das Mittelfeld könnte durch Spieler, deren Verträge im Sommer auslaufen, verstärkt werden. Allen voran standen auf dieser Liste die Namen Julian Draxler, Lucas Vázquez und Georginio Wijnaldum. Der im Zentrum und auf dem Flügel einsetzbare Draxler soll mit einem Wechsel nach Deutschland geliebäugelt, sich laut eines Berichts der "L’Équipe" nun aber doch für eine Vertragsverlängerung bei Paris Saint-Germain entschieden haben.
Laut der französischen Zeitung soll Draxler einen neuen Dreijahresvertrag erhalten und dafür sogar ein höheres Gehalt bei den Bayern ausgeschlagen haben. Grund für Draxlers Sinneswandel sei der neue PSG-Trainer Mauricio Pochettino, unter dem der Nationalspieler mehr Spielzeit erhält.

Der eine geht, der andere kommt: Georginio Wijnaldum ist ein Kandidat beim FC Bayern.

Fotocredit: Getty Images

Offener stellt sich dagegen die Situation bei Wijnaldum dar, der den FC Liverpool im Sommer vermutlich verlassen wird. Sein Berater Humphry Nijman deutete bei "Sport1" bereits an, dass der Rekordmeister eine Option für den Niederländer darstellt. Wijnaldum wäre eine echte Verstärkung für das Mittelfeld und würde in der Rotation neben Joshua Kimmich und Leon Goretzka ordentlich Druck auf Corentin Tolisso machen.
Sollten Handgeld und Gehaltsforderungen nicht den Rahmen sprengen, wäre ein Transfer des 30-Jährigen durchaus ein Coup.
Wohl zerschlagen hat sich dagegen bereits ein Transfer von Real-Allzweckwaffe Vázquez. Laut "Spox" führten die Bayern im April bereits erste Gehaltsverhandlungen mit dem Spanier, der auf der rechten Abwehrseite und im Mittelfeld zum Einsatz kommen kann, eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass der 29-Jährige in Madrid verlängert.
Mit Blick auf die rechte Abwehrseite könnte deshalb Elseid Hysaj ein Thema werden. Schon 2016 wurde der Albaner als potenzieller Nachfolger von Philipp Lahm gehandelt, verlängerte dann aber beim SSC Neapel, wo sein Vertrag nun ausläuft. Hysaj besitzt internationale Erfahrung, zudem ist das finanzielle Risiko gering. Eine konkrete Spur zu Bayern gibt es aber noch nicht.

Leihen: Einst James und Coutinho, jetzt Dembélé?

Schon in den vergangenen Jahren suchte sich Bayern immer wieder temporäre Verstärkung in Form von Leihgeschäften. Den Anfang machte James Rodríguez, es folgten Philippe Coutinho und Ivan Perisic im vergangenen Jahr sowie Douglas Costa in dieser Saison. Salihamidzic wird versuchen, auch in der kommenden Saison ähnliche Leih-Modelle einzufädeln, ist dabei aber vor allem darauf angewiesen, welche Spieler bei anderen Vereinen nicht mehr die erste Wahl sind.
Gleichzeitig muss der Spieler den Bayern auch weiterhelfen können und nicht wie Álvaro Odriozola ohne nennenswerte Einsatzzeiten bleiben.
Somit ergibt sich nur ein kleiner Pool an möglichen Spielern, der sich vermutlich erst im Laufe der Saisonvorbereitung vergrößern könnte. Da einige Topvereine finanziell nicht gut dastehen und teure Spieler von der Gehaltsliste bekommen wollen, könnte sich dann noch etwas ergeben – vor allem dann, wenn ein Verkauf nicht möglich ist.
Ein solcher Fall könnte Ousmane Dembélé sein. Barcelona drückt ein riesiger Schuldenberg, im Sommer sollen Spieler verkauft werden, auch Dembélé steht auf der Liste der Kandidaten. Spanische Medien sagten den Münchnern zuletzt loses Interesse nach. Wenn die Katalanen keinen kaufkräftigen Abnehmer finden, könnten sie ein Jahr per Leihe überbrücken und sich sein Gehalt sparen.
Ein ähnlicher Deal zwischen Bayern und Barça funktionierte schon bei Coutinho. Dembélé hat allerdings nur noch ein Jahr Vertrag, vor einer Leihe müsste er also bei Barcelona verlängern, was im Moment noch in den Sternen steht. Eine Leihe ist nach aktuellem Stand also eher unwahrscheinlich, für einen Kauf dürfte den Bayern der Preis zu hoch sein.
Der eben genannte Coutinho wurde zudem auch wieder mit einem zweiten Engagement in München in Verbindung gebracht. Es sieht aber im Moment danach aus, als würde es den Brasilianer für geschätzte 40 Millionen Euro zum FC Everton ziehen.

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Top-Transfers: Hakimi, Sancho und Camavinga wohl zu teuer

Ein weiterer ganz großer Name wird außerhalb von Leih-Transfers wohl nicht zustande kommen, auch wenn die Bayern fast logischerweise immer wieder mit Topspielern in Verbindung gebracht werden. Selbst ein möglicher Verkauf von Tolisso sollte an dieser Situation nichts ändern.
Nichtsdestotrotz kursierte zuletzt der Name von Eduardo Camavinga an der Isar. Das französische Megatalent strebt im Sommer einen Wechsel an, neben Real Madrid sollen die Bayern die besten Karten haben, müssten aber in den Schmerzbereich von mehr als 40 Millionen Euro Ablöse gehen. Camavinga selbst zeigte sich bei "TF1" von den Gerüchten geschmeichelt: "Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht gefällt. Natürlich ist es schön, wenn zwei große Klubs Interesse zeigen."
Ähnliches gilt für Achraf Hakimi, dessen Berater mit einem Engagement beim deutschen Rekordmeister liebäugelte. Im Falle des Ex-BVB-Spielers könnte den Bayern zugutekommen, dass sich Inter Mailands Eigentümer aufgrund der Corona-Pandemie zu Verkäufen gezwungen sehen. Dennoch dürfte die Ablöse das übersteigen, was Bayern zu zahlen gewillt ist.
Einem Bericht des "Telegraph" zufolge sollen die Münchner zudem in das Rennen um Jadon Sancho eingestiegen sein. Allerdings ist es kaum vorstellbar, dass Bayern an die 100 Millionen Euro in die Hand nimmt.

Salihamidzic auf Schnäppchen-Jagd

Folglich könnte sich der FCB ein Regal weiter unten nach Verstärkungen umschauen und nach Schnäppchen Ausschau halten. Je nachdem, wie sich die Situation um den wechselwilligen Alexander Nübel verhält, könnte Stefan Ortega ein solches sein. Der Bielefelder hat nur noch ein Jahr Vertrag und will die Alm wohl schon im Sommer verlassen. Hinter Neuer wäre der 28-Jährige eine starke Nummer zwei und würde wohl nicht allzu viel kosten.
Auch Emil Forsberg galt immer wieder als ein Kandidat, ohne dass die Bayern bisher aktiv geworden sein sollen. Der Schwede hat in Leipzig noch ein Jahr Vertrag und kennt Trainer Julian Nagelsmann bestens. Allerdings hatte Nagelsmann betont, keine weiteren Spieler von Leipzig nach München mitnehmen zu wollen. Zudem soll sich Forsberg zuletzt auf eine Vertragsverlängerung bei den Roten Bullen zu bewegt haben.
Daneben wurde vom spanischen Transferportal "Fichjaes" noch der Name Teun Koopmeiners in den Raum geworfen. Der zentrale Mittelfeldspieler von AZ Alkmaar überzeugte in der laufenden Saison mit 20 Torbeteiligungen in 30 Spielen. Nagelsmann soll den 23-Jährigen sehr schätzen. 20 Millionen Euro werden als mögliche Ablösesumme genannt, was wohl bei gleichzeitigen Verkäufen für die Bayern zu stemmen wäre.
Wie jedes Jahr wird der FC Bayern auch im kommenden Sommertransferfenster mit vielen Namen in Verbindung gebracht, ohne dass daraus etwas entsteht. Fakt ist aber, dass die Münchner einige Abgänge kompensieren und die Kaderbreite verbessern müssen. Zudem macht es Sinn, dem neuen Trainer Nagelsmann für seine Spielidee passendes Personal an die Seite zu stellen. Jetzt kommt es auf Salihamidzic an, kreative Lösungen für kleines Geld zu finden und seine Qualitäten als Sportvorstand unter Beweis zu stellen.

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