FC Bayern: Führungsspieler Goretzka übernimmt das Kommando

Leon Goretzka emanzipierte sich in der vergangenen Saison beim FC Bayern zum Schlüsselspieler im System von Hansi Flick. Die Metamorphose zum Führungsspieler hat er laut eigener Aussage jedoch noch nicht abgeschlossen. Das soll sich in der kommenden Spielzeit ändern. Der 25-Jährige ist bereit, das Kommando zu übernehmen - und Hansi Flick wird ihn daran nicht hindern.

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Lange überlegen musste Leon Goretzka nicht.
Es sei vor allem "Zeit", die ihm noch fehle, um beim FC Bayern endgültig zur Riege der Führungsspieler zu zählen. Ansonsten, so befand der 25-Jährige auf einer Pressekonferenz am Dienstag, befinde er sich diesbezüglich "auf einem guten Weg". Eine Selbsteinschätzung, die sich mit den Beobachtungen der Öffentlichkeit - vor allem in der vergangenen Rückrunde - deckt.
Goretzka ist nach zwei Spielzeiten komplett angekommen in München, gehört zu den wichtigsten Puzzleteilen von Trainer Hansi Flick. Die Entwicklung, die er unter dem 55-Jährigen in der vergangenen Spielzeit genommen hat, ist beeindruckend. Die Metamorphose vom Schlüssel- zum Führungsspieler ist bald abgeschlossen. Die nötige Zeit jedenfalls, wir Flick dafür nur allzu gerne zu Verfügung stellen.

FC Bayern: Goretzka und Ballack-Vergleich

Er habe immer gesagt, dass es sein klares Ziel ist, beim FC Bayern zum Führungsspieler zu reifen, sagte Goretzka auf einer Pressekonferenz am Dienstag. Damit dies gelingt, müsse "die Leistung auf dem Platz stimmen" - und zwar konstant. "Dann erst", so Goretzka weiter, "kannst du dich darum kümmern, dass auch andere selbiges tun."
Schaut man sich Goretzkas vergangene Saison genauer an, ist eine gewisse Konstanz durchaus zu erkennen. Acht Tore und elf Vorlagen lieferte der gebürtiger Bochumer in 38 Pflichtspielen ab. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte gehörte er - auch wegen einer langwierigen Verletzung von Thiago - zum absoluten Stammpersonal in der Zentrale.
Goretzkas große Stärke ist das Box-to-Box-Spiel. Der Nationalspieler schmeißt sich genauso in Defensiv-Zweikämpfe, wie er sich in der Offensive mit seiner Torgefahr einbringt. Er ist laufstark und quasi überall auf dem Feld zu finden. Zudem ist er mit 1,89 Metern Körpergröße auch im Kopfballspiel nicht zu vernachlässigen. Fähigkeiten, die an den früheren Kapitän des FC Bayern und der Nationalmannschaft, Michael Ballack, erinnern.
"Er war ein herausragender Spieler, deswegen gibt es Schlimmeres, als mit ihm verglichen zu werden", sagte Goretzka einmal über den Ballack-Vergleich. Nachvollziehen könne er dieser aber allemal, "weil sich der Spielstil ähnelt." Dennoch will Goretzka natürlich seine eigene Geschichte schreiben - und das nächste Kapitel ist bereits in vollem Gange.

Goretzka: "An dem Punkt, das Kommando zu übernehmen"

In der kommenden Saison, Goretzkas dritter beim FC Bayern, soll der Schritt zum Führungsspieler nämlich vollendet werden. Zum ersten Mal geht er als unumstrittene Stammkraft in eine Spielzeit, was auch ein Mehr an Verantwortung mit sich bringt.
Bisher trugen diese vor allem die Alteingesessenen. Die Manuel Neuers, die Robert Lewandowskis, die Jérôme Boatengs und die Thomas Müllers. Führungsspieler und Vereins-Ikonen, die schon Teil der 2013er Triple-Mannschaft waren.
Goretzka gehört zur neuen Generation an Leistungsträgern. Genau wie Joshua Kimmich, der sich in der Vergangenheit schon als eine Art Wortführer auf dem Platz herauskristallisiert hatte, soll und will auch er mehr und mehr führen. "Bisher", sagt Goretzka, "war ich in der Phase, in der ich mich darauf konzentriert habe, selber auf dem Platz meine Leistung zu bringen. Jetzt bin ich an dem Punkt, vielleicht auch mal das Kommando zu übernehmen." Das gilt nicht nur für den FC Bayern, sondern mit Blick auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr sicher auch für die Nationalmannschaft.

Goretzka beim FC Bayern: Mit "neuem" Körper zu mehr Sicherheit

Um dafür gewappnet zu sein, baute er in der spielfreien Corona-Pause in Rekordzeit Muskelmasse auf. "Ich bin selbstbewusster und robuster. Mit diesem Gefühl in die Zweikämpfe zu gehen, auch dann, wenn es mal knallt, gibt mir Sicherheit", beschrieb Goretzka erst kürzlich in einem Interview mit "Sport1" sein neugewonnenes Körpergefühl. Er habe den "Lockdown bestmöglich nutzen" wollen, "als Sportler und als Person des öffentlichen Lebens - ich glaube, dass mir beides ganz gut gelungen ist."
Wenn am Freitag sein Ex-Klub Schalke 04 zum Eröffnungsspiel der neuen Bundesligasaison in die Allianz Arena kommt (ab 20:30 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de), heißt es für Goretzka: dranbleiben. Dabei dürfte ihm entgegenkommen, dass er seine super Form in den knapp zwei Wochen Sommerpause schon aufgrund der kurzen Zeit kaum verlieren konnte.
Wie passend, denn beim FC Bayern hat sich keineswegs irgendeine Art von Sättigungsgefühl eingestellt. Auch nicht nach der achten Meisterschaft in Folge und dem zweiten Triple binnen sieben Jahren, wie Goretzka beschwört: "Wir haben eine super Mannschaft, gerade das Triple gewonnen und noch große Ziele. Unser Weg hat gerade erst begonnen."
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