Die Augen zusammengekniffen. Das Gesicht leicht verzogen.

Von Schmerzen geplagt saß Leroy Sané nach gut einer Stunde Spielzeit auf dem Rasen des Stuttgarter Fußballstadions und signalisierte dem Bundestrainer, dass er ihn nun auswechseln könne. Er hatte fertig.

UEFA Nations League
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03/09/2020 AM 23:00

Und Joachim Löw reagierte schnell, brachte Matthias Ginter. Sané nahm den Seitenausgang und schleppte sich die Außenlinie entlang zur Bank. Da führte die DFB-Elf beim ersten Nations-League-Spiel gegen Spanien noch. Am Ende stand ein Remis.

Der 24-Jährige hatte bei seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft nach 15 Monaten eine starke Leistung gezeigt, war auffälligster Akteur der schnellen Offensiv-Abteilung gewesen.

Spielverständnis und Ideenreichtum, gepaart mit kreativem Zug zum Tor - all das zeigte er in Hülle und Fülle. In Sachen Antritt, Spritzigkeit, ja Fitness, ließ er noch Luft nach oben.

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Krämpfe nach wochenlangem Aufbautraining

"Es war ein Comeback mit einer ordentlichen Leistung, aber ich bin erst bei 80 Prozent", bilanzierte Sané deshalb auch nach der Partie am "ZDF"-Mikro. Er fühle sich "ganz okay", der Spielrhythmus aber fehle ihm. "Ich muss Kraft und Power wiederbekommen", betonte er. Unter diesen Umständen sei er "ganz froh mit meinem Spiel".

Eine Selbsteinschätzung, die keine Fragen offenließ, eben weil sie den Kern der Sache traf. Denn auch verletzt hatte sich der ehemalige Schalker nicht. Die Schmerzen, die ihn schließlich zur Beendigung des eigenen Tagwerks zwangen, hatten einen anderen Ursprung.

"Leroy hatte Krämpfe", sagte Löw, der aber Nachsicht walten ließ: "Es ist klar, dass die Kraft nachlässt. Man muss sehen, woher er kommt."

Nun, zunächst einmal kam Sané aus München - aus dem Aufbautraining. Bei seinem neuen Verein hatte er in den vergangenen Wochen ein behutsames Aufbautraining in Folge seines Kreuzbandrisses absolviert.

Während seine Neu-Kollegen in Lissabon Europas höchsten Gipfel erklommen, arbeitete der neue Superstar an der heimischen Säbener Straße am eigenen Rüstzeug, um beim nächsten Versuch mit dabei zu sein.

Nun kehrte er auf Länderebene zurück auf den Platz. Es war sein erster Startelfeinsatz seit August 2019. "Bevor wir eine Verletzung riskieren, mussten wir wechseln. Aber ich denke, dass er keine Probleme davonträgt", sagte Löw und betonte: "Aber man muss aufpassen bei ihm, das ist auch die nächsten Wochen wichtig."

Leroy Sané und Niklas Süle (im Hintergrund) feierten ihr DFB Comeback

Fotocredit: Getty Images

Bayern-Stars bleibt keine Zeit zur Erholung

Am Sonntag gegen die Schweiz wird Sané deshalb wohl pausieren. Danach ist es an seinem Vereinstrainer Hans-Dieter Flick, auf die Gesundheit seines Spielers zu achten. Dabei bestreitet der Triple-Coach einen äußerst schmalen Grat.

Auf der einen Seite muss Sané mit Samthandschuhen angefasst werden. Andererseits dürfte der FC Bayern seinen Neuzugang besonders in der Frühphase besonders brauchen. Sané könnte schnell unverzichtbar werden.

Nach der langen (Corona-)Saison, die für die Münchner erst am 23. August endete, steigt der Großteil des Kaders am 11. September wieder ins Training ein. Nicht mal eine Woche später steht der Bundesliga-Auftakt gegen Schalke auf dem Programm. Danach geht es Schlag auf Schlag. Englische Wochen im Dauertakt.

Wirkliche Erholung für die Stammspieler? Fehlanzeige!

Kommt noch ein weiterer Außenspieler?

Sané wird als zusätzliche Option für die Außenbahnen dringend gebraucht, muss deshalb schnell sein Fitnesslevel steigern. Serge Gnabry und Kingsley Coman brauchen Pausen, bei Ivan Perisic ist noch gar nicht geklärt, ob er auch in Zukunft für den Rekordmeister aufläuft.

Auch deshalb forderte Flick in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal einen weiteren Spieler für die offensive Außenbahn.

So lange der aber nicht da ist, wird Sané einen Teil der großen Last Schultern müssen. Auch wenn ihn hier und da noch Krämpfe plagen.

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