Hansi Flick hatte große Mühe, seinen Unmut zurückzuhalten. Gleich mehrmals betonte der Trainer vom FC Bayern München, er habe eigentlich gar keine Lust, die Meldung über die bevorstehende Trennung von Jérôme Boateng zu kommentieren - und tat es dann doch. Mit einem weiteren großen Lob für den Innenverteidiger, das einer Watschn für die Entscheidungsträger beim deutschen Rekordmeister gleichkam.
"Jeder weiß, wie ich zu Jérôme stehe und was für eine Qualität er hat", betonte Flick vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Paris Saint-Germain (ab 21:00 Uhr im Eurosport Liveticker) leicht genervt.
In der Tat: Es war Flick, der Boateng einst vom Abstellgleis geholt und wieder zu einem Abwehrspieler von internationalem Format gemacht hat. Doch seine Bosse, allen voran Sportvorstand Hasan Salihamidzic, sehen in dem 32-Jährigen ein Auslaufmodell - und wollen ihn mit Ende seines Vertrages im Sommer ziehen lassen. Wie Flicks Musterschüler David Alaba, und wie im vergangenen Sommer schon Thiago - alle gegen Flicks Willen.
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Flick verteidigt Boateng

Boateng sei "sehr konzentriert auf seinen Job, das ist eine gute Basis dafür, dass er Leistung bringen kann. Es ist immer eine gute Sache, wenn man solche Spieler hat", führte Flick am Dienstag aus. Zuvor hatte der "Kicker" gemeldet, dass der Aufsichtsrat der Bayern beschlossen habe, mit dem Rio-Weltmeister nicht mehr zu verlängern. Diese Entscheidung sei auch Boatengs Berater mitgeteilt worden.
"Ich weiß nicht, wie so etwas an die Medien gelangt", sagte Flick, den das Thema sichtlich aufwühlte. Ob die Meldung tatsächlich stimme, würden "die kommenden Wochen zeigen".
Ähnlich hatte er geklungen, als über Thiago und Alaba spekuliert wurde - bis die Trennung in beiden Fällen dann doch Fakt war. Flick muss bei den für ihn entscheidenden Personalien immer wieder erkennen, dass sein Wort im Zweifel ungehört bleibt. Das von ihm eingeforderte Mitspracherecht bei Transfers hat er nie bekommen, Spieler werden ohne seine Expertise geholt und abgegeben. Bei den Bayern ist und bleibt der Trainer nur ein Angestellter - auch wenn er ein "Sextuple" gewinnt.

Hoeneß schießt gegen Boateng

Im Fall Boateng hatte ausgerechnet Uli Hoeneß das Feld bereitet. Schon im Mai 2019 legte der damalige Präsident dem Verteidiger einen Abschied nahe, vergangene Woche meinte das noch immer mächtige Aufsichtsratsmitglied, ein Comeback des Routiniers in der Nationalelf sei überflüssig. Und nur wenige Tage später sickerte aus besagtem Aufsichtsrat durch, dass Boateng gehen kann - an ein Medium, das mit Hoeneß seit jeher gut vernetzt ist.
Die Zeichen für einen Abschied nach zehn Jahren hatten sich in den vergangenen Wochen verdichtet. Schon Mitte Februar verpflichteten die Bayern Dayot Upamecano (22) vom Ligakonkurrenten RB Leipzig, um die Innenverteidigung weiter zu verjüngen.
Die Frage bleibt jedoch, ob mit der Personalie Boateng nicht der notdürftig beigelegte Streit zwischen Flick und Salihamidzic neu aufflammt. Und die Bayern im Sommer nicht noch auf einer viel wichtigeren Position Handlungsbedarf haben werden: der des Trainers.
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(SID)

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