Borussia Dortmund hat erneut überrascht, positiv dieses Mal.
Man könnte auch sagen: Die Spieler haben ihre schweren Bundesliga-Rucksäcke in der Kabine stehen gelassen und nur das leichte Europa-Gepäck mit auf den Platz genommen. Und siehe da: Der BVB war plötzlich in der Lage, der für viele Experten besten Mannschaft Europas die Stirn zu bieten. Manchester City konnte letztlich froh sein, die Partie überhaupt noch knapp mit 2:1 gewonnen zu haben.
Dortmund muss sich indes - mal wieder - die Frage gefallen lassen, warum das Team nicht konstant auf diesem Niveau agieren kann? "Wenn wir wüssten, woran das liegt, würden wir versuchen, es in jedem Spiel so zu machen. Aber das kriegen wir irgendwie momentan nicht hin", wirkte Kapitän Marco Reus nach der Partie im Interview mit "DAZN" ratlos.
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Da war mehr drin: Zwei verhängnisvolle Momente kosten den BVB
06/04/2021 AM 23:06
Tatsächlich ist es ob des hochkarätig besetzten Kaders ein Rätsel, warum die Borussia in der Bundesliga regelmäßig stolpert.
Heimpleiten wie das 1:5 gegen Stuttgart oder das jüngste 1:2 gegen Frankfurt und Auswärtsniederlagen in Augsburg, Berlin oder Freiburg sind der Grund dafür, dass der Rückstand auf den ersten Champions-League-Platz schon satte sieben Punkte beträgt.
Doch genau da muss Dortmund wieder hin. Um Stars wie Erling Braut Haaland Perspektiven zu bieten, um Einnahmen zu generieren, um attraktiv zu bleiben für Neuzugänge. Die Ursachenforschung für die mangelnde Konstanz ist also entscheidend für den Weg, den der Klub in den kommenden Jahren gehen wird.

Zu lasches BVB-Training? Hummels macht Andeutung

City-Trainer Pep Guardiola lobte den BVB zwar als "typisches Champions-League-Team", als Ansatz zur Verbesserung taugt die Aussage aber nicht.
Hilfreich sind da schon eher die Gedankengänge von Mats Hummels. "Man erarbeitet sich solche Leistungen jeden Tag im Training. Wenn man es jeden Tag im Training abruft, dann zeigt man sie auch im Spiel", so der 32-Jährige bei "Sky". Umgekehrt lässt sich daraus ableiten, dass dem Innenverteidiger die Einheiten sonst gerne mal zu lasch sind.

Mats Hummels im Training des BVB

Fotocredit: Getty Images

Eine mögliche Stellschraube, an der Trainer Edin Terzic drehen könnte. Ebenso wie am taktischen Verhalten seiner Profis in Partien mit hohem Ballbesitz. Denn es ist auffällig, dass der BVB seine PS gegen große Mannschaften wie Manchester City, Bayern München oder Sevilla meist deutlich besser auf den Platz bringt als gegen die vermeintlich kleineren Teams. Mit Underdogs, die auf Konter setzen und den Ball sonst lieber dem Gegner überlassen, haben die Schwarz-Gelben Probleme. Fakt ist aber auch, dass Dortmund die Qualität hat bzw. haben müsste, damit umzugehen und solche Partien klar für sich zu entscheiden.
Es passiert nur zu selten.

Terzic lobt: "Eine gute Reaktion"

Diese Schwächen muss sich Terzic freilich nicht komplett selbst ankreiden. "Wir reden nicht erst seit einem Jahr davon, dass wir Kontinuität in unser Spiel bringen", betonte Reus und stellte damit klar, dass es auch schon unter Terzic-Vorgänger Lucien Favre massive Probleme gab, konstant auf hohem Level zu performen. Man habe "zu wenige Spiele wie heute, in denen wir unser Niveau zeigen", monierte Reus in Manchester.
Dennoch, da sind sich Spieler und Trainer einig, ist nun Optimismus angebracht. "Das Spiel sollte uns Vertrauen geben, weil wir die Tugenden auf den Platz gebracht haben, die wir heute auch brauchten und auch bringen müssen in einem Champions-League-Spiel", so der 31-Jährige. Terzic sprach derweil von einer "guten Reaktion", nachdem man "in den letzten Tagen völlig zu Recht ein bisschen was einstecken" musste.

BVB-Trainer Terzic macht klar: "Kritik ist völlig berechtigt"

Die nächsten beiden Partien werden zeigen, ob die couragierte Vorstellung in Manchester nachhaltig war. Am Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker) gilt es in der Bundesliga, das 1:5-Debakel gegen den VfB aus der Hinrunde zu korrigieren. Vier Tage später kommt es im Signal-Iduna-Park zum Rückspiel gegen Manchester City (14. April ab 21:00 Uhr im Liveticker). Mit zwei Siegen könnte der BVB eine Menge reparieren.

Hummels: Das muss jetzt passieren

Man muss jetzt die richtigen Lehren ziehen. Hummels hat da bereits konkrete Vorstellungen.
Die Partie in Manchester sei zwar "ein Schritt nach vorne" gewesen, aber: "Unser Thema ist nicht, die Schritte nach vorne zu machen, sondern auch vorne und oben zu bleiben - was Einsatz, Konzentration und Seriosität angeht. Da müssen wir zeigen, dass das nicht nur auf der ganz großen Bühne möglich ist, sondern samstags gegen Frankfurt, samstags in Stuttgart", forderte der Weltmeister von 2014.
Will man die Hoffnung auf das erneute Erreichen der Königsklasse irgendwie aufrecht erhalten, wird es höchste Zeit, dass die Borussia mal mit etwas Neuem überrascht: mit Konstanz.
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