15:46 Uhr, 16:17 Uhr, 18:02 Uhr und 20:31 Uhr.

Was auf den ersten Blick ausschaut wie der unregelmäßige Fahrplan eines Linienbuses in der abgelegenen bayrischen Peripherie, sind in Wirklichkeit die Uhrzeiten, an denen der FC Bayern am Montag fleißig Pressemitteilungen versandte.

Bundesliga
Perfekt: Bayern leiht Benfica-Juwel aus - Fein verabschiedet sich
06/10/2020 AM 17:46

Gleich vier Transfers gab der deutsche Rekordmeister am Deadline Day bekannt. Eric Maxim Choupo-Moting (PSG), Bouna Sarr (Olympique Marseille) und Douglas Costa (Juventus Turin) werden in der kommenden Saison das rote Dress des FCB tragen. Die Verpflichtung von Mittelfeldspieler Marc Roca hatten die Münchner bereits am Sonntagabend bekannt gegeben. Zudem wird Michael Cuisance die Bayern auf Leihbasis Richtung Marseille verlassen.

Letzterer Deal kam wenig überraschend, nachdem ein Transfer des Franzosen in die Premier League noch vor wenigen Tagen gescheitert war. Bei den Zugängen dürfte sich aber der ein oder andere Bayern-Fan verwundert die Augen gerieben haben.

Fakt ist: Coach Hansi Flick, der vehement neue Spieler für seinen arg ausgedünnten Kader gefordert hatte, hat diese auf den letzten Drücker bekommen. Das genauso knappe wie furiose 4:3 gegen Hertha BSC am vergangenen Sonntag hat einmal mehr gezeigt, dass einige Profis sowohl körperlich als auch mental ausgelaugt sind. Die kräftezerrende Corona-Triple-Saison hat ihre Spuren hinterlassen. In Sachen Belastungssteuerung kommen die Neuen also gerade recht.

Auch klar ist aber: Ihre Wunschspieler haben Sportvorstand Hasan Salihamidzic & Co. nicht bekommen. Die Alternativen, die der FC Bayern unter Zeitdruck präsentiert hat, wirken auf den ersten Blick eher wie Paniktransfers und weniger wie gut überlegte Verstärkungen. Auf den zweiten Blick könnte der Notfall-Plan aber aufgehen. Der Neuzugangs-Check:

Douglas Costa: Der Rückkehrer

  • Kommt von: Juventus Turin
  • Ablöse: Leihe
  • Vertrag bis: 2021
  • Position: Flügel

Douglas Costa ist zurück! Der auf dem Papier größte Name sorgte wohl auch für die größte Verwunderung unter den Bayern-Anhängern. Natürlich war im Netz die Häme nicht weit, hatte Ex-Präsident Uli Hoeneß gegen den Brasilianer, der bereits von 2015 – 2017 für die Münchner aufgelaufen war, doch einst ordentlich nachgetreten.

"Costa hat nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war", hatte der 68-Jährige nach Costas Abgang im Interview mit der "Frankenpost" gewettert. Sei's drum. Der Brasilianer hatte Hoeneß seine Kritik schon vor drei Jahren nicht übel genommen und da dieser mittlerweile nicht mehr im operativen Geschäft des Rekordmeisters tätig ist, kann die Vorgeschichte schnell ad acta gelegt werden. Fußball ist und bleibt eben ein Geschäft.

Sportlich ist Costa ganz klar eine B-Lösung. Callum Hudson-Odoi haben die Bayern (mal wieder) nicht bekommen. Angeblich scheiterte der Deal mit dem FC Chelsea daran, dass sich beide Vereine in Sachen Finanzen und Vertragsmodalitäten nicht einig wurden.

In Turin gehörte Costa zuletzt nicht mehr zur ersten Garde, stand in der vergangenen Saison lediglich 1084 Minuten auf dem Platz (drei Tore, sieben Vorlagen). Auch in München wird sich der 30-Jährige in der Hackordnung auf dem Flügel klar hinter Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman einordnen müssen.

Da der Brasilianer nur ausgeliehen ist, hält sich auch das finanzielle Risiko für den FCB in Grenzen. Costa wird über die Saison hinaus keine Zukunft in München haben, sollte mit seiner individuellen Klasse aber punktuell das liefern können, was sich Flick wünscht: Tempo und Explosivität von der Bank. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Flügelflitzer - wie Ivan Perisic vor ihm - ohne Murren mit seiner Rolle als Back-Up zufrieden gibt und keine Unruhe in die Kabine bringt.

Douglas Costa im Trikot des FC Bayern im Jahr 2017

Fotocredit: Getty Images

Eric Maxim Choupo-Moting: Der Glue-Guy

  • Kommt von: PSG
  • Ablöse: Ablösefrei
  • Vertrag bis: 2021
  • Position: Sturm

"Ich bin froh, dass wir Eric verpflichten konnten. Er gibt unserem Kader in der Offensive, vor allem im Zentrum eine Tiefe, die wir brauchen werden", wird Salihamidzic in der offiziellen Pressemitteilung der Münchner zitiert: "Eric hat bei Paris Saint-Germain internationale Erfahrung gesammelt, er kennt die Bundesliga, Eric kommt ablösefrei. Das passt alles sehr gut zusammen."

Und damit sind tatsächlich die wichtigsten Punkte aufgezählt. Der 31-Jährige, der 2018 nach Stationen in Hamburg, Nürnberg, Mainz, Schalke und Stoke City urplötzlich bei PSG gelandet war, ist der klassische Back-Up in der Offensive. Robert Lewandowski wird mit seinen 32 Jahren nicht jünger und selbst ein herausragender Athlet wie der Pole dürfte in der anstehenden Marathon-Saison seine Pausen brauchen.

Bereits in Paris setzte sich Choupo-Moting zwei Jahre lang ohne (zumindest öffentliches) Aufbegehren hinter Neymar, Kylian Mbappé, Edinson Cavani und Mauro Icardi auf die Bank, war jedoch da, wenn er gebraucht wurde. So gesehen im August, als er die Pariser in der 93. Minute im Champions-League-Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo zum Sieg schoss und anschließend sogar die Man-of-the-Match-Trophäe von Neymar überreicht bekam.

Das zeigt, was er trotz seiner kleineren Rolle auf dem Platz für ein Standing innerhalb des Teams hatte. Im US-Sport wird ein Spieler wie der Deutsch-Kameruner gerne als Glue-Guy bezeichnet, als Klebstoff in der Kabine. Ein Transfer, der sich für Bayern auszahlen dürfte.

Eric Maxim Choupo-Moting und Neymar

Fotocredit: Getty Images

Bouna Sarr: Das Fragezeichen

  • Kommt von: Olympique Marseille
  • Ablöse: 10 Millionen Euro
  • Vertrag bis: 2024
  • Position: Rechtsverteidiger

28 Jahre, noch kein Champions-League-Spiel, noch kein Länderspiel. Willkommen beim FC Bayern, Bouna Sarr. Auf dem Papier passt der Rechtsverteidiger nicht wirklich ins Transferkonzept des frischgebackenen Triple-Siegers, was umso mehr die Vermutung befeuert, dass Sarr eine Art Notlösung ist. Allerdings überraschenderweise mit langfristigem Vertrag.

Sergiño Dest war Bayerns erste Option, entschied sich aber für den FC Barcelona, auch an den Talenten Tariq Lamptey (Brighton & Hove Albion) und Maximilan Aarons (Norwich City) soll der Rekordmeister dran gewesen sein. Von einem Interesse an Sarr hatte man in französischen und deutschen Medien dagegen bis Sonntag nichts gelesen.

Ob der Franzose wirklich jemand ist, der den internen Konkurrenzkampf mit Benjamin Pavard befeuern kann, darf bezweifelt werden. Sarr hatte in seinen sechs Jahren in Marseille nicht immer einen Stammplatz inne, auch sein Entwicklungspotenzial ist mit 28 Jahren sicher nicht mehr das größte.

Zudem zeigte das 20-jährige Nachwuchstalent Chris Richards gegen Hertha, dass er durchaus in die Rolle als Rechtsverteidiger hineinwachsen kann. "Dem Eigengewächs den Weg zu versperren, ich verstehe diesen Transfer daher nicht. Das hätte man sicherlich auch anders lösen können", zeigte sich auch "Sky"-Experte Dietmar Hamann von der Verpflichtung überrascht. Sarr wird die Kritiker erst noch überzeugen müssen.

Marc Roca: Der vermeintliche Thiago-Nachfolger

  • Kommt von: Espanyol Barcelona
  • Ablöse: 9 Millionen Euro
  • Vertrag bis: 2025
  • Position: Defensives Mittelfeld

Bereits im vergangenen Sommer wurde in spanischen Medien über das Interesse des FCB an Roca berichtet, dass der Transfer jedoch gerade jetzt über die Bühne ging, wirft ein paar Fragen auf. "Roca hat sich entschieden, mit Espanyol in die zweite Liga zu gehen und hat dort zu Beginn der Saison nicht einmal in der Startformation gestanden", berichtet Fußball-Experte Felix Martin von Eurosport in Spanien: "Deshalb war es schon eine Überraschung, dass ihn Bayern verpflichtet hat."

Natürlich liegt nun das romantische Narrativ auf der Hand, Roca könnte in München in die Fußstapfen des nach Liverpool abgewanderten Thiago treten und die Ära der erfolgreichen Spanier fortführen.

Marc Roca im Trikot von Espanyol Barcelona

Fotocredit: Getty Images

Allerdings ist Roca davon noch weit entfernt und unterscheidet sich nicht nur durch seine Körpergröße (1,84 Meter) vom langjährigen Bayern-Star: "Er ist ein junger Spieler und muss noch viel lernen", so Martin: "Er sollte noch ein paar Muskeln aufbauen, um in einer physischen Liga wie der Bundesliga zu bestehen."

Allerdings ist Roca auch erst 23 Jahre alt und hat großes Entwicklungspotenzial. Technisch ist der Spanier bereits sehr weit, zudem ungemein ballsicher. Ein Perspektiv-Transfer, zudem für neun Millionen Euro in Corona-Zeiten vertretbar.

Einzig die Vergleiche mit Thiago sollte man schnell wieder aus den Köpfen streichen.

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