68 Minuten schaute sich Flick die Darbietung seines FC Bayern in Mönchengladbach an. Dann reagierte er.
Einer der schwächsten ging vom Platz. Linksaußen Douglas Costa wurde durch den von einer Verletzung genesenen eigentlichen Platzhirschen Kingsley Coman ersetzt.
Costa war weitestgehend wirkungslos geblieben - wie so oft in dieser Spielzeit. Sein Trainer verteidigte ihn trotzdem.
Bundesliga
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"Douglas hat sich gut geschlagen", meinte der 55-Jährige und konkretisierte: "Er hat defensiv gearbeitet und offensiv einige Dinge ausprobiert." Ein eher schwammiges Kompliment, denn gelungen war Costa nicht sonderlich viel.
In seinen bislang 18 Pflichtspielen seit seiner Rückkehr nach München war das schon oft so. Auch Flick wird sich mehr versprochen haben. Trotzdem hält er öffentlich den Ball flach.

FC Bayern: Fünf Neuzugange, kaum Hilfe

Dem Triple-Coach ist noch in guter Erinnerung, wie sich die Situation zu Beginn der Saison darstellte. Der Kader des Rekordmeisters kam dermaßen ausgedünnt daher, er hätte die aktuelle, brutal kräftezehrende Saison niemals durchgestanden.
Auch deshalb kamen auf Flicks Bitten hin am letzten Tag der Transferperiode noch fünf neue Spieler. Als die Namen publik wurden, war schnell klar: Die Bayern wollten sich eher in die Breite als in der Spitze verstärken. Man hatte Spieler geholt, die das Stammpersonal entlasten und punktuell für Druck sorgen sollten.
Bouna Sarr, Eric Maxim Choupo-Moting, Marc Roca und Tiago Dantas kamen. Und eben Douglas Costa - der prominenteste des Quintetts.

Douglas Costa, Marc Roca, Hasan Salihamidzic

Fotocredit: Getty Images

Douglas Costa war nur die B-Lösung

Die Bayern einigten sich mit Juventus Turin auf eine Leihe bis in den Sommer 2021 hinein und übernahmen das Gehalt in Höhe von elf Millionen Euro brutto komplett.
Der 30-Jährige sollte das mit Serge Gnabry, Coman und Leroy Sané besetzte Flügelportfolio vervollständigen und immer wieder hochqualitativ in die Bresche springen, seine Dynamik und Dribbelstärke einbringen.
Dass Costa nach der zum wiederholten Male gescheiterten Verpflichtung von Chelseas Callum Hudson-Odoi nur eine B-Lösung war und mit jeder Menge Trainingsrückstand nach München kam - darüber wurde hinweggesehen.
Drei Monate später wirkt der Brasilianer aber alles andere als fit.

Costas Geschichte mit Bayern ist vorbelastet

Nachvollziehbar, findet Flick. "Anlaufschwierigkeiten sind ganz normal. Man kommt in eine Mannschaft, die von der Philosophie sehr mutig und selbstbewusst agiert, mit hoher Intensität und der Bereitschaft, sich ins Spiel einzubinden", meinte der 55-Jährige erst kürzlich.
Den Willen aber wolle er keinem seiner Neuzugänge absprechen, diese seien professionell allesamt "top. Aber jeder hat seine eigene Geschichte".
Costas führte ihn schon im Jahr 2015 nach München. Zwei Jahre blieb er dort, bis ihn sein Weg nach Turin führte. Zunächst via Leihe, später für 40 Millionen Euro Ablöse. In München hatte er sich nicht endgültig durchsetzen können.
Hinterhergerufen wurden ihm zum Abschied allerhand unschöne Dinge. Am lautesten meldete sich Uli Hoeneß zu Wort. Der damalige Präsident meinte: "Costa hat nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war, der uns charakterlich nicht gefallen hat." So jemanden brauche man nun wirklich nicht.
Als der Spieler dann knapp zwei Jahre nach seinem Abgang wieder zurückkehrte, kam das schon überraschend.

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Costa zeigt Verständnis für Hoeneß

Costa aber schlägt seitdem - wenn er denn mal öffentlich spricht - sanfte Töne an.
"Die Reaktion von Uli Hoeneß nach meinem Weggang halte ich für nachvollziehbar: Der Verein hat einen Spieler verloren, der wichtig war. In Hoeneß’ Augen ging es mir beim Wechsel damals nur um Geld. Ich hätte an Hoeneß’ Stelle dasselbe über mich gesagt", sagte der 30-Jährige in der "SportBild" und kündigte an, möglichst bald wieder wichtig werden zu wollen.
18 Pflichtspiele, ein Tor, drei Vorlagen, aber nur neun Torschüsse später ist dieser Plan vorerst nicht aufgegangen. Folgt kein deutlicher Leistungssprung, wird man die Verpflichtung des Brasilianers retrospektiv als Flop einordnen müssen.

Wie geht es mit Costa weiter?

Eine Weiterverpflichtung an der Säbener Straße scheint über den Sommer hinaus unrealistisch. Davon geht auch Costas Berater Giovanni Branchini aus.
"Unglücklicherweise bekommt Douglas in München nicht viel Spielzeit. Deshalb glaube ich Stand jetzt nicht daran, dass der FC Bayern ihn fest verpflichtet“, sagte er bei "TMW Radio".
Und das, obwohl Karl-Heinz Rummenigge zuletzt durchaus positiv über den Brasilianer geredet hatte. "Wir haben uns noch nicht entschieden, aber wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist wirklich gut auf dem Platz und daneben", sagte der Bayern Boss.
Costas Vertrag in Turin endet im Sommer ebenfalls.

Hat Flick wirklich Vertrauen in die Neuen?

Coach Flick hat die Hoffnung - zumindest für die aktuelle Spielzeit - jedenfalls noch nicht aufgegeben. "Obwohl er noch an seiner Fitness arbeiten muss, ist er auf dem richtigen Weg", sagte er nach dem Spiel in Mönchengladbach.
Übrigens blieb die Auswechslung Costas der einzige Impuls, den Flick bei der Niederlage setzte. Dabei hätte er fünf Mal wechseln dürfen. Draußen saßen unter anderem noch Roca, Sarr und Choupo-Moting.
Auch ein deutliches Zeichen, dass er seinen Neuzugängen nicht vollends vertraut.
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