Robert Lewandowskis Verletzung hat gerade noch gefehlt. Vor dem Spitzenspiel beim härtesten Verfolger im Titelrennen muss Flick nämlich ohnehin schon viel umbauen: Mit Alphonso Davies und Jérôme Boateng fallen zwei fest eingeplante Akteure aus der Viererkette aus. Gut möglich, dass Niklas Süle zurückkehrt und neben David Alaba in der Innenverteidigung spielt.
Damit hätte man gegen Leipzigs Hochgeschwindigkeitskicker ein ordentliches Tempo im Abwehrzentrum – anders als mit Javi Martínez. Sollte es bei Süle nicht reichen, müsste wohl der Spanier ran. Diese Variante würde sicherlich so einigen Bayern-Fans ein paar Sorgenfalten auf die Stirn treiben.
Bayern müsste zwingend durchgehend viel Druck auf den Gegner ausüben, um die Bälle in die Tiefe zu erschweren oder aber etwas tiefer stehen, damit Martínez nicht im Rücken erwischt wird und in ein Laufduell in großem Raum muss.
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Dass der schnelle Lucas Hernández links verteidigt und nicht innen, scheint recht sicher zu sein: Der Franzose wird als Ersatz für Davies gebraucht.

Pavard als einzig realistische Option für die Innenverteidigung

Bliebe noch Benjamin Pavard, der jedoch rechts gesetzt sein dürfte. Weil Bouna Sarr sich bislang noch nicht auf Top-Niveau beweisen konnte und man auch Joshua Kimmich nicht aus dem Herzstück des Mittelfelds herausreißen möchte, bleibt Pavard die einzige Option auf der rechten Seite.
Während die personelle Lage sich in der Abwehr ja zeitnah wieder entspannen wird, muss in der Offensive jedoch ein Plan B für gleich mehrere Wochen her …

Gnabry könnte auf dem Feld Platz schaffen für Müller

Gut möglich, dass Serge Gnabry für Lewandowski in die Spitze rückt. Ähnlich wie in der Nationalmannschaft würde der eigentliche Flügelspieler die Rolle natürlich anders interpretieren als der verletzte Weltfußballer.
Gnabry ist keine klassische Anspielstation mit Rücken zum Tor oder ein besonders guter Abnehmer von hohen Flanken. Mit ihm würde Bayern vorne variabler spielen und mehr Aktionen in den Halbräumen haben – also in den Zonen zwischen Spielfeldzentrum und Außenbahn.
Hier kann der trickreiche und antrittsschnelle Gnabry mit den Flügelstürmern kombinieren. Doppelpässe, kurze Antritte und Dribblings auf engem Raum ziehen die Aufmerksamkeit des Gegners auf sich, der Defensivblock wird sich demnach verschieben.
Wichtig ist dann, dass der frei gewordene Raum von anderen Spielern belaufen wird. Hier kommen vor allem "Raumdeuter" Thomas Müller und auch Leon Goretzka ins Spiel. Beide haben ein sehr gutes Timing beim Belaufen der Tiefe und könnten vor allem mit Chipbällen hinter die Kette (entgegen derer Verschieberichtung) bedient werden.

Serge Gnabry (l.) im Duell mit dem Leipziger Angeliño beim Spiel in der Hinrunde in München

Fotocredit: Getty Images

Gnabry im Sturm bedeutet Änderungen im Flügelspiel

Was sich mit Gnabry im Sturmzentrum ebenfalls ändern dürfte: Wir werden mehr flache Hereingaben von außen sehen. Während Lewandowski sich mit seiner körperlichen Präsenz Platz verschafft und generell in der Luft stehen zu können scheint, braucht Gnabry eher die scharf gespielten flachen Bälle von der Seite.
Weil flache Flanken von ganz weit außen in der Regel nicht bis in den gefährlichen Bereich durchrutschen, muss Bayern noch öfter als ohnehin schon nahe am Tor zur Grundlinie kommen.
Daher ist es durchaus denkbar, dass Flick seine Dribbelkünstler Leroy Sané und Kingsley Coman auf ihren "eigentlichen" Seiten spielen lässt.
Sané agiert bei Bayern in der Regel rechts und zieht nach innen, könnte aber nun wie im DFB-Team aus einer breiteren Position am linken Flügel starten, von dort in möglichst isolierte Eins-gegen-Eins-Situationen gebracht werden.

Sanés halbhohe Flanken bergen Eigentor-Potenzial

Lässt der Gegner Sané Platz, um nicht überstürzt ins Duell zu gehen, hat der Flügelflitzer die Zeit, mit dem zweiten Ballkontakt eine scharfe, flache oder halbhohe Flanke zwischen Abwehrkette und Torwart zu spielen.
Für die Innenverteidiger ist das äußerst unangenehm zu verteidigen, da immer die Gefahr des Eigentors droht. Will der Gegner diese Flanken verhindern, muss er schneller und aggressiver in das Duell mit Sané gehen.
Mit seiner Geschwindigkeit und dem Bewegungvorteil – schließlich blickt er schon zum gegnerischen Tor und muss sich im Gegensatz zum Verteidiger nicht erst noch drehen – wird er definitiv mehrere Male pro Spiel vorbeikommen und am oder im Strafraum bis zur Grundlinie gehen können. Für Coman gilt auf der anderen Seite das gleiche Prinzip – nur spiegelverkehrt.

Leroy Sané beim Dribbling

Fotocredit: Getty Images

Was für Müller oder Choupo-Moting spricht – und was nicht

Für eine Lösung mit Thomas Müller oder Eric Maxim Choupo-Moting in der Spitze spricht vor allem die Tatsache, dass Bayern dann auf den Flügeln weiterhin drei Topspieler zur Verfügung hätte, die sich die zwei Positionen im engen Wettkampfkalender teilen können.
Mit Choupo-Moting würde sich grundsätzlich am wenigsten ändern, da er eine ähnliche Größe und Körperlichkeit mitbringt wie Lewandowski. Trotzdem bewegt sich der Neuzugang bei aller Qualität auf einem anderen Niveau, zudem ist er kein typischer Strafraumstürmer, sondern eher der spielerische Typ, der aus tieferen Positionen Dribblings sucht.
Bliebe Müller, der sowohl bei den Bayern als auch beim DFB schon als Stürmer gespielt hat. Müller könnte die Rolle ähnlich wie Gnabry interpretieren. Dabei würden sicherlich mehr tiefe Laufwege zu sehen sein, die er überraschend nach dem Schleichen entlang der Abwehrkette anbringt.

Müller wird auch defensiv gebraucht

Gegen Müller in der Spitze spricht jedoch vor allem seine Wichtigkeit als Zehner. Von hier kann er viel besser auf die Dynamik des Spiels reagieren, die Situationen lesen und mit eigenen Vorstößen auf die Aktionen seiner Mitspieler reagieren.
Auch defensiv ist er als Leitwolf im Pressing unverzichtbar, zusammen mit Kimmich organisiert er das hohe Anlaufen – und ganz vorne hätte er diesen Überblick schlichtweg nicht.
Eurosport-Check: Dass Lewandowski ist in seiner Qualität nicht zu ersetzen ist, bringt niemanden zum Staunen. Gnabry als Neuner in einem beweglichen, dribbelstarken Dreiersturm ist eine Option, die nicht nur in der Theorie funktioniert: Beim DFB hat man gute Erfahrungen mit dieser Variante gemacht, genau wie mit dem dazugehörigen Seitenwechsel Sanés. Flick wird die letzten Spiele seines alten Arbeitgebers genau verfolgt haben – und sich auch daran orientieren.
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