Gut eineinhalb Jahre ist es nun her, dass Bundestrainer Joachim Löw den gestandenen Nationalspielern Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller eröffnete, nicht länger mit ihnen zu planen. Eine Zeit, in der die Führungsriege beim DFB den Umbruch mit aller Macht und durchaus auch Erfolg vorangetrieben hat, die Aussortierten sich in ihren Vereinen aber auch trotzig den Frust von der Seele gespielt haben.
Mats Hummels wechselte zurück in seine zweite Heimat zum BVB, wo er auf Anhieb wieder zum Führungsspieler, Vize-Kapitän und einem der besten Innenverteidiger der Bundesliga avancierte. Jérôme Boateng entwickelte sich beim FC Bayern vom wechselwilligen Problemkind zum Retter in der Not, als in der Viererkette mehrere Stammspieler lange fehlten und hatte als Stamm-Innenverteidiger neben dem umgeschulten David Alaba (früher Linksverteidiger) in der entscheidenden Saisonphase erheblichen Anteil am zweiten Triple der Vereinsgeschichte.
Die erstaunlichste Geschichte schrieb seither aber Thomas Müller, der sich nicht nur seit Monaten in der Form seines Lebens befindet und aktuell nicht nur zu den besten offensiven Mittelfeldspielern in Deutschland zählt. Auch europaweit gibt es nicht viele, die dem Ur-Bayer im Moment das Wasser reichen können. Aktuell sehen wir die wohl beste Version von Thomas Müller, die es je gegeben hat.
Bundesliga
Nagelsmann schwärmt von Müller: "Außergewöhnlich"
16/01/2022 AM 03:01
Doch was genau macht den 31-Jährigen momentan eigentlich so stark?

Thomas Müller: Erfahrener als jemals zuvor

Müller ist 31 Jahre alt, blickt mittlerweile auf 14 Jahre Profifußball beim FC Bayern zurück. 547 Pflichtspiele für den FC Bayern, nur Sepp Maier (651), Oliver Kahn (632), Gerd Müller (576) und Klaus Augenthaler (549) liefen öfter für den Rekordmeister auf. Müller kommt auf 357 Bundesligaspiele (Platz 111 in der ewigen Rangliste) und 122 Tore (Platz 31 in der ewigen Rangliste).
Doch es ist nicht nur die reine Anzahl an Spielen, die für einen reichen Erfahrungsschatz sorgen. Es sind die positiven aber vor allem auch negativen Erlebnisse, die Hoch- und Tiefphasen, die einen Sportler Zeit seiner Karriere zu dem machen, der er ist.

Thomas Müller beim 6:2 in Salzburg- FC Bayern München

Fotocredit: Imago

Müllers Karriere verlief lange Zeit nur in eine Richtung - steil nach oben. Klar, wenn man seine komplette Karriere beim besten deutschen Klub verbringt und Titel um Titel einfährt. Doch Müller lernte eben auch die andere Seite des Profisports kennen. Die Aussortierung aus der DFB-Elf, das beinahe Bayern-Aus unter Ex-Trainer Niko Kovac, der nicht mehr auf ihn setzte, haben Müller letztlich stärker gemacht.
Von diesen Erfahrungen zehrt er nun.

Thomas Müller: Effektiver als jemals zuvor

Ob als Vorlagengeber oder Torschütze - Müller legte in der vergangenen Spielzeit eine statistisch mehr als beeindruckende Saison hin. Wettbewerbsübergreifend erzielte der 31-Jährige 14 Tore und legte sagenhafte 26 weitere Treffer auf. Das bedeutet, dass Müller bei 3433 gespielten Minuten alle 85,83 Minuten an einem Pflichtspieltor beteiligt war.
Besser war er nur in der Saison 2015/16. Damals trat Müller eher als Goalgetter denn als Assistgeber in Erscheinung, traf 32 Mal und glänzte mit zwölf Vorlagen in insgesamt 3736 Minuten. Eine Torbeteiligung alle 84,90 Minuten - jedoch reichte es am Ende "nur" zur deutschen Meisterschaft - nicht aber zum zweiten Triple der Klubgeschichte.

Kingsley Coman (l.) jubelt mit Thomas Müller über seinen Treffer im Champions-League-Finale 2020

Fotocredit: Getty Images

In der laufenden Spielzeit steht er nach zehn Spielen bereits wieder bei fünf Toren und sieben Vorlagen in 790 Minuten. Das macht eine Torbeteiligung alle 65,84 Minuten. Damit ist er klar auf Rekordkurs - auch wenn es schwierig werden dürfte, diesen auch genauso zu halten.

Thomas Müller: Mehr Führungsspieler als jemals zuvor

Wenn die Corona-Zeit eines ganz deutlich zu Tage geführt hat, dann sind das Müllers (unüberhörbare) Führungsqualitäten. Er ist der Lautsprecher beim FC Bayern, kommuniziert ununterbrochen auf dem Feld mit seinen Kollegen. Seine Gesprächigkeit brachte ihm einst den Spitznamen "Radio Müller" ein - in den coronabedingt leeren Arenen der Republik war dies in den vergangenen Monaten nun für jeden Fernsehzuschauer deutlich hörbar. Müller ist immer auf Sendung.
Was sich lustig anhört, ist jedoch durchaus entscheidend. Müller rüttelt wach, hält die Kollegen auf Trab und korrigiert Fehler, bevor sie überhaupt entstehen.

Thomas Müller vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

"Wenn man von einem verlängerten Arm des Trainers sprechen will, dann ist Thomas Müller es mit Sicherheit", schwärmte Flick beispielsweise nach dem Champions-League-Auftakt gegen Atlético Madrid (4:0) bei "Sky" und ergänzte: "Er coacht das Team auf dem Feld. Das muss man so klar sagen. Er macht das top."
Müllers Führungsqualitäten haben sich in der Zeit unter Flick noch einmal entwickelt. Sie sind ein Grund, warum der 31-Jährige unter dem 55-Jährigen wieder den Status hat, den er einst unter Louis van Gaal besaß. Der Niederländer, der Bayern von 2009 bis 2011 coachte, sagte einmal den Satz: "Müller spielt immer!"
Ein Credo, das auch aktuell wieder gilt. Und mehr denn je: zu Recht.
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