Mario Götze: Das steckt hinter seinen kruden Aussagen
Mario Götze hat mit seiner Suche nach einem neuen Verein bisher keinen Erfolg. Der 28-Jährige, dessen Vertrag beim BVB am 30. Juni dieses Jahres ausgelaufen ist, meldet sich deshalb nun mit einem Interview bei der "Bild" zurück. Nicht ohne Hintergedanken, denn mit seinen dort getätigten Aussagen verfolgt er ein klares Ziel. Ob dieses realistisch ist, steht aber auf einem anderen Blatt Papier.
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Die Schlagzeilen verkauften sich natürlich gut.
Mario Götze sagt im Interview, dass er seine Karriere nicht beenden wolle, ohne die Champions League gewonnen zu haben.
Warum? "Die Champions League ist der geilste Wettbewerb, den es für einen Fußballer gibt. Unser WM-Triumph war auch unglaublich. Die tägliche Arbeit leistet man aber auf Vereinsebene - und da gibt es nichts Größeres als diesen Pokal." Darum!
Zunächst einmal sind solche Aussagen nichts Außergewöhnliches für einen der, noch immer, begabtesten Fußballer Deutschlands.Viermal gewann Götze den DFB-Pokal, fünfmal wurde er deutscher Meister und 2014 erzielte er das goldene Tor zum vierten deutschen WM-Titel in Rio de Janeiro. Die Champions League fehlt eben noch in seiner Titelsammlung.
Außergewöhnlich macht dieses Zitat lediglich, dass der Traum vom Champions-League-Titel eher weniger zu Götzes aktueller sportlicher Situation passt. Eigentlich passt er sogar gar nicht.
Götze: Interview als friendly Reminder?
Was also steckt hinter den Äußerungen des 63-fachen Nationalspielers? Im Vordergrund steht sicherlich die Absicht, Aufmerksamkeit zu schüren. Bis zum 5. Oktober muss Götze schließlich einen neuen Klub gefunden haben, die Zeit drängt. "Ich habe mich mit einigen Trainern und Vereinen in den vergangenen Wochen ausgetauscht", verriet Götze - das richtige Angebot schien für den Spieler aktuell noch nicht dabei gewesen zu sein.
Ein starkes Indiz dafür ist der zweite Beraterwechsel in den vergangenen sechs Monaten. Erst Anfang April hatte Götze Reza Fazeli angeheuert, um für ihn einen geeigneten neuen Arbeitgeber zu finden. Daraus wurde nichts, sodass Götze sich nun von Damir Smoljan (LIAN Sports) beraten lässt.
Es ist wahrscheinlich, dass die erste Beratertätigkeit der neuen Agentur darin bestand, Götze in der Öffentlichkeit zu platzieren. Im europäischen Ausland hat Götze aufgrund seiner Vita einen großen Namen. Mögen Götzes Aussagen hinsichtlich eines Königsklassen-Triumphs in Deutschland seltsam anmuten, so ist die Wirkung in Italien, Spanien und England eine andere.
Und dennoch muss sich die Götze-Seite eingestehen: Die vergangenen Jahre haben dem sportlichen Image des WM-Helden mit Sicherheit geschadet.
Mario Götze: Unter Favre beim BVB gescheitert
Von dem Mario Götze, der zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts, wie es sich für ein Jahrhunderttalent gehört, in der Bundesliga und unter Jürgen Klopp beim BVB zu einem der aufregendsten Jungprofis Europas aufstieg, ist im Jahr 2020 nicht mehr viel übrig.
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Die Realität sieht anders aus.
Götze ist heute 28 Jahre alt und vereinslos. Seine drei Jahre beim FC Bayern (2013-2016) verliefen eher schleppend. Die Entscheidung, im Jahr 2016 zum BVB zurückzukehren, bezeichnet er, unter sportlichen Aspekten, rückblickend als falsch.
"Nach meiner Rückkehr ist es leider nicht mehr so gelaufen, wie ich es mir bei meinem Wechsel 2016 erhofft habe", konstatiert Götze. Damit dürfte er in besonderem Maße die vergangenen zwei Jahre unter Lucien Favre meinen. Der Schweizer, der ihn in seiner ersten Saison 2018/2019 erst gar nicht berücksichtigte, dann zum Stammstürmer in vorderster Front beförderte, ließ ihn in der abgelaufenen Saison völlig außen vor.
15 Spiele, nur fünf davon von Beginn an, oder auch 514 Minuten Fußball - eine ernüchternde Bilanz für den gebürtigen Memminger. Die Botschaft, die Favre damit aussendete, dürfte klar sein: In meinem System ist kein Platz für den Spielertyp Götze.
Zu welchem Verein passt Götze?
Die Fragen, die sich alle nun stellen, lauten also: Wo wäre denn Platz für den Offensivallrounder? Welcher Trainer lässt ein System spielen, das von den zweifelsohne großen Fähigkeiten Götzes profitiert?
Götze ist nicht der Schnellste, seine Stärken sind sein Passspiel und seine Spielintelligenz. "In der Endgeschwindigkeit gibt es sicher schnellere Spieler als mich.
Die Handlungsgeschwindigkeit ist im Fußball aber ebenfalls von unheimlich großer Bedeutung. Ich denke, dass ich mich mit dem Ball und in engen Räumen schnell bewegen und mit meinem Instinkt in entscheidenden Situationen ein Team bereichern kann. Diese Fähigkeit macht oft den Unterschied aus und ich bin überzeugt, dass ich diese Qualität Vereinen geben kann", beschreibt sich der 28-Jährige selber.
Zudem hält er fest, dass es gar nicht ins Ausland gehen muss. Sein Fokus liege auf Europa, sagt Götze und führt aus: "Die Bundesliga gehört auch zu Europa und ich habe nie gesagt, dass ich die Bundesliga verlassen muss. Es gibt mehrere ambitionierte Vereine in Deutschland."
Bleibt Götze in der Bundesliga?
In erster Linie kommen einem da RB Leipzig und Bayer Leverkusen in den Sinn. Bei der Werkself steht mit Ex-Trainer Peter Bosz ein alter Bekannter an der Seitenlinie, an den Götze keine schlechten Erinnerungen hat: "Unter Peter Bosz hatte ich eine sehr gute Phase und seine Philosophie passt perfekt zu mir."
Aber die Champions League gewinnen mit Bayer Leverkusen? Ein kompliziertes Unterfangen, mit wenig Aussicht auf Erfolg. Realistisch ist der Gewinn des Henkelpotts in Deutschland wohl nur mit einem Verein - doch genau der ließ ihn 2016 ziehen.
Ist da also was im Busch? Götze als Thiago-Nachfolger zum FC Bayern? "Da weiß ich nichts von", wiegelt Götze ab, kann sich jedoch ein "aber" nicht verkneifen: "Aber natürlich ist Bayern ein großartiger Verein mit einem tollen Trainer."
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