"Ich bin nicht sauer, aber ich möchte natürlich gerne spielen. Ich will jedes Spiel von Beginn an spielen."

Ganz einverstanden war Thomas Delaney mit seiner Nebenrolle im Pokalspiel gegen den MSV Duisburg (5:0) sicher nicht. Irgendwo verständlich, musste sicher der erfahrene Däne doch hinter einen nicht einmal volljährigen Engländer, der noch kein einziges Pflichtspiel in einer ersten Liga auf dem Kerbholz hat, einreihen.

Bundesliga
Hazard beeindruckt: "Bellingham spielt wie ein Mann"
16/09/2020 AM 10:39

Jude Bellingham war am Montag blutjunge 17 Jahre und 77 Tage alt. In den 45 Minuten, die er spielen durfte, war er der beste Mann auf dem Platz und avancierte ganz nebenbei zum jüngsten Torschützen der Dortmunder Vereinsgeschichte. Eine Reihe weiter vorne durfte der ebenfalls 17 Jahre alte Giovanni Reyna von Beginn an auf der Zehnerposition ran. Fast schon ein gewohntes Bild, denn der Amerikaner schaffte seinen Durchbruch bei den Profis schon in der Rückrunde der vergangenen Saison.

Dass Lucien Favre den beiden Youngstern den Vorzug gab, hat nichts mit der vergleichsweise leichten Aufgabe Duisburg zu tun. Nein, beide überzeugten in der Vorbereitung so sehr, dass der Schweizer im Prinzip gar nicht an ihnen vorbeikam.

Jadon Sancho, Giovanni Reyna und Jude Bellingham von Borussia Dortmund (v.l.n.r.)

Fotocredit: Getty Images

"Heute standen zwei junge Spieler mit Gio (Giovani Reyna, Anm. D. Red.) und Jude (Bellingham, Anm. D. Red.) in der Startelf und die beiden sind super Spieler. Er (Bellingham, Anm. d. Red.) hat heute sehr gut gespielt", gab auch Delaney nach dem Spiel zu und erwischte sich sicher auch bei dem Gedanken, dass sich seine Aussichten auf Einsätze in der Startelf nun erst einmal verschlechtert haben dürften.

Thomas Delaney: Der große Verlierer beim BVB

Einen einfachen Stand hatte Delaney sowieso noch nie beim BVB. Er ist kein schillernder Star, kein großer Name mit internationaler Strahlkraft und auch kein junges Ausnahmetalent, das beim BVB den nächsten Schritt zur Weltkarriere machen will. Kurzum: Delaney steht selten im Scheinwerferlicht.

Mit 29 Jahren ist er mutmaßlich im letzten Karrieredrittel angekommen, der größte Verein in seiner Vita vor dem BVB ist Werder Bremen. Auf dem Feld besticht er durch Kampfgeist und Mentalität.

Thomas Delaney (BVB)

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Delaney ist mehr Abräumer als Spielgestalter und zudem der wohl schwächste Kombinationsspieler in der BVB-Zentrale. Dennoch werden seine Fähigkeiten gebraucht, insbesondere dann, wenn der zweikampfstarke Axel Witsel ausfallen sollte oder Pausen benötigt.

Der Belgier ist der derzeit einzig gesetzte Spieler im defensiven Mittelfeld. Witsel genießt das vollste Vertrauen seines Trainers, der ihn seit Beginn seiner Zeit in Dortmund als Mittelfeldchef in der Zentrale sieht. Der 31-Jährige ist ungemein ballsicher und erfahren, spielte in Portugal, Russland und China und seit vielen Jahren in der belgischen Nationalmannschaft - neben ihm können junge Spieler wachsen.

BVB: Julian Brandt muss sich hintenanstellen

Auch Julian Brandt könnte noch zu den "jungen" Spielern zählen, auch wenn er mit 24 Jahren ganze sieben Jahre mehr auf dem Buckel hat als Bellingham. Brandt legte im vergangenen Jahr eine ordentliche Debütsaison für den BVB hin. Neben einigen echten Glanzleistungen wie im Heimspiel gegen RB Leipzig (3:3) oder den FC Barcelona (0:0), fiel er hier und da aber auch ab.

Die fehlende Konstanz hat sicherlich auch mit den ständigen Positionswechseln zu tun. Brandt startete die Saison als Flügelstürmer, rutschte dann für den verletzten Paco Alcácer in die Spitze, ersetzte Marco Reus auf der Zehnerposition und landete schließlich neben Witsel auf der Sechs/Acht.

Julian Brandt (links) und Thorgan Hazard (rechts)

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Die Erkenntnis: Brandt ist kein Flügelspezialist, seine Stärken liegen in der Zentrale - egal ob defensives oder offensives Mittelfeld. Doch gerade auf diesen beiden Positionen spielen Reyna und Bellingham - und beide zogen in der Vorbereitung am gebürtigen Bremer vorbei. Brandt muss sich demnach erst einmal hinten anstellen.

Zudem meldete sich auch Reus in beeindruckender Manier und schneller als von vielen erwartet gegen Duisburg zurück und wird Brandt das Leben als zusätzlicher Konkurrent schwer machen.

Mo Dahoud: Eine fast aussichtslose Lage

Fast aussichtslos erscheint derweil die Lage von Mo Dahoud. Im Jahr 2017 als großer Transfer-Coup gefeiert, geht der Deutsch-Syrer nun in seine bereits vierte Saison in Schwarzgelb - angekommen ist er noch immer nicht gänzlich.

Dabei stand er etwas überraschend nach der Corona-Pause beim Bundesliga-Comeback gegen den FC Schalke 04 (4:0) in der Startelf und gehörte zu den Besten. Favre belohnte den 24-Jährigen, ließ ihn auch in Wolfsburg (2:0) und im Heimspiel gegen den FC Bayern (0:1) von Beginn an ran.

Mahmoud Dahoud von Borussia Dortmund

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Dann allerdings verletzte sich Dahoud am Knie und fiel für den Rest der Saison aus - bitter. In dieser Saison dürfte der Ex-Gladbacher in der Mittelfeld-Hierarchie ganz hinten anzusiedeln sein. Hoffnung auf Einsätze gibt es aufgrund des eng gesteckten Spielplans und der weiterhin möglichen fünf Spielerwechsel pro Spiel trotzdem.

Und wer weiß: vielleicht ist Dahoud ja erneut für eine Überraschung gut.

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