Das Doppel-Aus einen Tag nach der bitteren 1:4 (1:2)-Pleite zum Rückrundenstart gegen Werder Bremen gab Hertha am Sonntagmittag offiziell bekannt. Im Fall von Preetz, der zwölf Jahre als Geschäftsführer Sport verantwortlich war, ist es aber auch eine Zäsur. Preetz' Aufgaben übernimmt bis Saisonende Sportdirektor Arne Friedrich.
Man befinde sich in einer "sehr ernsten Situation" und wolle "einen neuen Impuls setzen", sagte Carsten Schmidt, der neue Vorsitzende der Geschäftsführung: "Wir wollen einen Neuanfang." Schmidt nahm am 55. Tag seiner Amtszeit in der Kabine die Spieler in die Pflicht: "Ich habe an die Mannschaft einen Appell gerichtet und deutlich gemacht, in welcher Phase wir sind: im Abstiegskampf."
Labbadia hatte im April 2020 das Traineramt der Berliner übernommen und den Klub in einer schwierigen Lage zum Klassenerhalt geführt. Aber Labbadia holte bei der Alten Dame im Schnitt nur 1,11 Punkte pro Spiel - viel zu wenig für die großen Ansprüche.
Bundesliga
1:4 gegen Bremen: Labbadias Stuhl bei der Hertha wackelt
23/01/2021 AM 19:24
Die erschreckende Ausbeute von nur einem Punkt aus den vergangenen vier Spielen gegen Bremen, Hoffenheim, Köln und Bielefeld wurde dem 54-Jährigen nun zum Verhängnis. "Ich habe mich bei Bruno im Namen des Klubs entschuldigt, das war eine Schlecht-Leistung von Hertha BSC", ärgerte sich Schmidt.
Labbadia sei deswegen "nicht nachtragend, wir sind im Guten auseinandergegangen." "Wir werden die Nachfolge auf der Trainerposition in den kommenden Tagen klären", sagte Schmidt.

Hertha BSC: Dardai als Interimstrainer im Gespräch

Als Interimstrainer könnte Pal Dardai zurückkehren, der Ungar hatte Herthas Profiteam schon von 2015 bis 2019 betreut. Nach Informationen des Fachmagazins "Kicker" soll Dardai bereits am trainingsfreien Montag vorgestellt werden. Assistent könnte Ex-Hertha-Spieler Andreas Neuendorf werden.
Als neuer starker Mann wird Ralf Rangnick gehandelt, er könnte wie früher schon bei RB Leipzig als Trainer und Manager in Personalunion agieren. Schmidt wollte diese Spekulationen am Sonntag weder bestätigen noch dementieren: "Wir haben einen klaren Plan, den wir umsetzen."
Schmidt betonte, dass sich Investor Lars Windhorst bei der Entlassung von Labbadia und Preetz nicht eingemischt habe: "Der Verein agiert in diesen Personalangelegenheiten völlig selbstständig." Aber es habe einen Informationsaustausch gegeben.

Preetz zeigt sich "unendlich dankbar"

Preetz war 25 Jahre im Verein, erst als Spieler, dann als Assistent von Dieter Hoeneß und schließlich als Geschäftsführer. Unter der Leitung des Rekord-Torjägers erlebte der Klub zwei Ab- und zwei Aufstiege, aktuell wird ihm eine missglückte Spieler- und Trainerauswahl vorgeworfen.
Weder Labbadia noch Ante Covic oder Alexander Nouri und schon gar nicht Jürgen Klinsmann konnten Hertha nach dem Dardai-Aus im Sommer 2019 sportlich nach vorne bringen. Schon vor dem Bremen-Spiel hatten rund 250 Fans bei einer Demonstration Preetz' Rücktritt gefordert.
Dass der teuerste Kader der Klubgeschichte erneut im Abstiegskampf steckt, wurde auch Preetz dann zum Verhängnis. Der Manager gab in dieser und der vergangenen Saison rund 145 Millionen Euro für Neuzugänge aus. Doch Spieler wie Lucas Tousart (25 Millionen), Krzysztof Piatek (24) oder Dodi Lukébakio (20), der gegen Bremen aus sportlichen Gründen nicht mal im Kader stand, entpuppten sich nicht als große Verstärkungen.
Er sei "unendlich dankbar" für die vielen Jahre bei seinem Herzensverein, ließ Preetz in der Pressemitteilung zum Abschied verlauten: "Das waren sehr intensive Jahre mit allen Höhen und Tiefen, die ein Fußballverein zu bieten hat."
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(SID)

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