Jérôme Boateng: Warum er beim FC Bayern keine Zukunft mehr hat und alles für eine Trennung spricht
Nach zehn äußerst erfolgreichen Jahren stehen die Zeichen zwischen Jérôme Boateng und dem FC Bayern München auf Trennung. Der 32 Jahre alte Innenverteidiger würde gerne bleiben, doch der Rekordmeister bewegt sich nicht und macht vier Monate vor Ende des Vertrags keine Anstalten, zu verlängern. Boateng könnte es nun ins europäische Ausland ziehen.
Jérôme Boateng spielt seit 2011 beim FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Die Entwarnung kam schon am Sonntag. Jérôme Boateng, der im Top-Spiel der Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund am Samstagabend (4:2) nach einem Fehltritt von zwei Betreuern gestützt mit hängendem Kopf den Platz verlassen musste, hat sich nicht so schwer wie befürchtet verletzt.
Eine Kapselzerrung im linken Knie vermeldeten die Münchner, der 32-Jährige könne in den nächsten Tagen zumindest schon wieder ein individuelles Reha-Programm absolvieren - und absolvierte dann am Dienstag auch schon Teile des Mannschaftstrainings. Wann der Innenverteidiger wieder spielfit ist, ist unklar – kann aber nicht allzu lange dauern.
Wie viele Einsätze Boateng für den FC Bayern noch bleiben, ist dennoch ungewiss. Ein Dutzend? Mehr? Nach zehn verdienten Jahren in München läuft der Vertrag des 2014er Weltmeisters und zweifachen Triple-Siegers im Sommer aus. Und bei den Bayern macht man keine großen Anstalten, diesen noch ein letztes Mal zu verlängern.
Ein Grund ist Boatengs üppiges Gehalt. Rund zwölf Millionen Euro hatte der Ex-Bayern-Manager Christian Nerlinger, mittlerweile in die Spielerberater-Branche gewechselt, Ende 2015 für seinen Klienten rausgeschlagen, ihn damit in die Riege der Top-Verdiener bei Bayern aufsteigen lassen.
FC Bayern: Boateng gehört zu den Top-Verdienern
Aktuell verdienen bei den Münchnern nur eine Handvoll Spieler (Lewandowski, Neuer, Sané, Müller, Hernández) mehr. Doch anders als bei den ähnlich alten Robert Lewandowski (32), Manuel Neuer (34) und Thomas Müller (31) sehen die Bayern Boateng offenbar nicht mehr auf der Höhe seines Schaffens und haben ihm bis dato kein neues Vertragsangebot unterbreitet.
Bei Boateng, der gerne bleiben würde, ruft das durchaus Bitterkeit hervor. Dass die Beziehung zum FC Bayern nie die ganz große Liebe war, sondern eher eine Zweckehe, wurde in den letzten Jahren deutlich; zuletzt als Uli Hoeneß nach Saisonabschluss 2018/19 über Deutschlands Fußballer des Jahres 2016 sagte: "Ich würde ihm empfehlen, den FC Bayern zu verlassen."
Doch angesichts der Tatsache, dass Boateng unter Hans-Dieter Flick seit eineinhalb Jahren zum Stammpersonal gehört, hätte sich der Spieler etwas mehr Zuwendung gewünscht. In der aktuellen Saison kommen schließlich nur Neuer, David Alaba, Lewandowski, Müller und Joshua Kimmich auf mehr Pflichtspielminuten als der gebürtige Berliner.
Boateng blühte unter Flick auf
Vom "Kicker" wurde Boateng im Winter immerhin als achtbester Innenverteidiger der Liga in die "nationale Klasse" gerankt. Er sei "in einer ungewöhnlich anfälligen Bayern-Innenverteidigung noch der beste Bayern-Spieler" gewesen – wohlgemerkt vor Alaba und Niklas Süle, was sich auch im März 2021 noch in seinem "kicker"-Notenschnitt von 3,35 widerspiegelt (Platz acht im Bayern-Ranking).
"Boateng spielt in den vergangenen zwei Jahren eine gute Rolle beim FC Bayern", sagte Lothar Matthäus kürzlich bei "Sky": "Gerade unter Hansi Flick ist er aufgeblüht, hat zu alter Form gefunden. Ich glaube, man sollte sich auf jeden Fall mit ihm auseinandersetzen, sich zusammensetzen und über ein oder zwei Jahre Verlängerung nachdenken."
"Wir werden zu einem vernünftigen Zeitpunkt mit Jérôme und seinem Manager sprechen und eine faire Entscheidung treffen“, meinte Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic noch Ende 2019. Konkrete Signale der Bayern in Richtung Boateng bleiben aber aus – dafür verpflichteten die Münchner in Dayot Upamecano vom RB Leipzig bereits einen Nachfolger.
Nur ein lauwarmes Angebot?
Der 22-Jährige soll ab der kommenden Saison auf einer der beiden Innenverteidigerpositionen der Bayern gesetzt sein; daneben sollen Hernández und Süle, zuletzt eher außen eingesetzt, sowie der in seiner Debütsaison ständig verletzte Tanguy Nianzou Kouassi um einen Platz konkurrieren. Benjamin Pavard, bei Bayern meist rechts im Einsatz, aber per se Innenverteidiger, wäre eine fünfte Alternative.
Im Boateng-Lager schätzt man die Lage eher pessimistisch ein und geht davon aus, dass die Bayern ihm, wenn überhaupt, nur ein lauwarmes Angebot zu stark reduzierten Bezügen vorlegen werden.
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Jérôme Boateng und Leon Goretzka beim FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
"Bei uns ist es Usus, dass wir bei Spielern über 30 um Geduld bitten. Auch, wenn der Vertrag ausläuft. Jérôme weiß in dieser Richtung Bescheid. Diese Geduld hat er", sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge kürzlich in einem "Sport1"-Interview: "Dann wird man sich zu einem passenden Zeitpunkt hinsetzen und eine gemeinsame Entscheidung treffen."
FC Chelsea soll Interesse haben
Wenig Konkretes. Boatengs Berater Damir Smoljan von der Agentur Lian Sports hört sich derweil nach Alternativen um. Eine Spur soll zum FC Chelsea mit Trainer Thomas Tuchel führen – der Deutsche wollte Boateng 2018 schon zu Paris Saint-Germain holen, gilt als Fan des Innenverteidigers.
Doch wie mit PSG zerschlugen sich in den vergangenen Jahren auch schon Transfers zu Juventus Turin und dem FC Barcelona, alles nach durchaus konkreten beiderseitigen Verhandlungen.
Sollen sich die Bayern nicht bewegen, kann sich Boateng einen Wechsel nach England oder Italien offenbar sehr gut vorstellen. Sein großes Plus: Er ist ablösefrei zu haben. Und zwölf Millionen Euro Gehalt, so realistisch ist die Boateng-Seite, müssen es gar nicht mehr sein. Nur ein bisschen Wertschätzung für einen, der die WM und zweimal das Triple als Stammspieler gewonnen hat, wäre schön.
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