Als Sérgio Oliveiras Freistoß aus knapp 30 Metern flach in der linken Ecke des Juventus-Tores einschlug und den Königsklassen-Run der "Alten Dame" beendete, fragte man sich, wie der Ball dorthin hatte gelangen können.
Nun, Portos gefeierter Held hatte ihn schlicht durch eine extrem löchrige Mauer geschossen. Genauer: Durch die Beine von Cristiano Ronaldo, der sich weggedreht und "die Grätsche" aufgemacht hatte.
Weil das zweite Auswärtstor der Portugiesen in der 115. Minute fiel, war es praktisch gleichbedeutend mit dem blamablen Aus der Italiener. Und in seiner Entstehung obendrein bezeichnend für die Leistung von Ronaldo.
Champions League
Ronaldo ist raus: Juve scheitert nach dramatischer Verlängerung an Porto
09/03/2021 AM 22:46
Schon wieder endete eine Champions-League-Saison für Juventus und seinen Superstar enttäuschend. Es war das dritte Mal in Folge.

Cristiano Ronaldo in der Mauer beim entscheidenden Tor des FC Porto

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Die Flaute herrscht seit 1996

Und eigentlich passt das alles gar nicht so richtig zusammen.
Denn Juve hatte den Transfer des fünfmaligen Weltfußballers im Sommer 2018 perfekt gemacht, um den wichtigsten Vereinswettbewerb Europas nach 1996 endlich mal wieder zu gewinnen.
Gleichzeitig aber begann man, den eigenen Kader zu erneuern. Vor der aktuellen Saison tauschte man auch noch den Trainer. Mittlerweile wirkt die Mannschaft etwas unausgegoren und für die hohen Ansprüche einfach nicht gut genug besetzt.
Die Bilanz seit der Ronaldo-Verpflichtung ist dementsprechend ernüchternd. Einmal ging es bis ins Viertelfinale. Zwei Mal kam das Aus schon in der Runde der letzten 16. Die Gegner: Ajax Amsterdam, Olympique Lyon und eben der FC Porto. Nicht unbedingt das Who is Who des europäischen Fußballs.
Am Morgen nach dem erneuten Ausscheiden brach der Aktienkurs des Traditionsklubs ein.

Juventus gewinnt die Champions League im Jahr 1996

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Kohler sieht Juventus weit weg vom Champions-League-Titel

Jürgen Kohler spielte von 1991 bis 1995 für Juventus. Er schätzt die aktuelle Situation seines Ex-Klubs eher ernüchternd ein.
"Cristiano Ronaldo ist immer noch in der Lage, für Furore zu sorgen und in der Champions League der Unterschiedsspieler für Juventus zu sein. Ich glaube aber nicht, dass er mit dieser Mannschaft die Champions League gewinnen kann. Stand jetzt verfügt Juventus nicht über die Spieler und den Kader dafür", meint der Weltmeister von 1990 im exklusiven Gespräch mit Eurosport.
Das gelte zwar auch "für Real Madrid oder den FC Barcelona. In Turin hat man es verpasst, frühzeitig die Weichen zu stellen, den Umbau einzuleiten. Und wenn dann ein Weston McKennie, ohne ihm etwas unterstellen zu wollen, den Heilsbringer im defensiven Mittelfeld geben soll, bin ich sehr skeptisch."
Rumms!

Was macht diese Niederlage mit Ronaldo?

Für Kohler ist also Ronaldo nicht in erster Linie verantwortlich für die zuletzt unbefriedigenden Ergebnisse der Turiner auf der internationalen Ebene. Es geht eher um zwei Zeitstrahlen, die nicht zueinander passen.
Der ansteigende einer sich im Umbruch befindenden Mannschaft und der abfallende einer sich im Endspurt befindenden Karriere. Der mittlerweile 36-jährige portugiesische Superstar wird auch deshalb in diesem Sommer eine Grundsatzentscheidung treffen müssen.
Bleiben oder gehen? Denn - und auch wenn die These vielleicht steil ist - lautet sie: Will er unbedingt nochmal die Champions League gewinnen, muss er weg. Juves Umbruch wird auch nächste Saison kein Highclass-Team ausspucken.
Und alleine bekommt er dieses Team einfach nicht über den Berg. Anders als noch vor einigen Jahren kann der Europameister von 2016 nicht mehr in jedem Spiel dauerhaft den Unterschied machen.

Cristiano Ronaldo

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Gegen Porto traf er gar nicht, was ihm in der italienischen Presse jede Menge Kritik einbrachte. Insgesamt ist seine Torausbeute in der Königsklasse in den vergangenen Jahren nicht mehr auf dem Niveau früherer Spielzeiten, obwohl er in der Serie A noch bester Torschütze ist.
Sechs, vier und vier Treffer erzielte er pro Saison für Juventus. Das ist in Ordnung aber eben nicht Ronaldo-like. Er selbst hat die Latte eben sehr, sehr hoch gelegt.
"Das ist mindestens mal enttäuschend", sagt Davide Brighani von Eurosport in Mailand. Der Serie-A-Experte ist sicher, dass rund um den Verein in der kommenden Saison alle Gedanken erlaubt sind.
"Nach diesem erneuten Ausscheiden kann alles passieren. Was traut man dem Superstar und allgemein dem Team zu? Was sind die Ziele? Und auch Ronaldo muss sich selbst darüber klar werden, was er will. Er entscheidet wahrscheinlich selbst, ob und wann er Turin verlässt."
Sein Vertrag läuft bis zum Sommer 2022.

Die große Frage lautet: Wohin?

Sollte sich Ronaldo entscheiden, früher den Abflug zu machen, würden wohl einige Klubs ihren Hut in den Ring werfen. Nicht viele aber werden eine wirkliche Chance haben.
Drei springen besonders ins Auge.
Natürlich Paris Saint-Germain, das immer in vorderster Reihe steht, wenn Superstars auf den Markt kommen. Oder aber Inter Miami.
David Beckhams Team aus der MLS wird seit Jahren mit Ronaldo in Verbindung gebracht, wenn es darum geht, wo dieser irgendwann seine Karriere beendet. Der Schritt über den großen Teich würde aber wohl auch das Ende aller - auch persönlichen - Ambitionen bedeuten.
Deutlich mehr Charme hätte da ein Move, den Sky-Experte Dietmar Hamann ins Spiel brachte: "Ich könnte mir in Europa nur vorstellen, dass er zu Manchester United zurückgeht. Das wäre eine wunderbare Geschichte."
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