Robert Lewandowski in Pruszkow: Der schwere Start des Weltstars
Robert Lewandowski ist der derzeit beste Mittelstürmer der Welt. Im exklusiven Gespräch mit Eurosport sprechen ehemalige Weggefährten wie sein einstiger Entdecker Sylwiusz Mucha-Orlinski oder Trainer Leszek Ojrzyński über die Anfänge des Stürmers bei Znicz Pruszkow. Dort musste der heutige Bayern-Star nach seinem Aus bei Legia Warschau einen Neuanfang in der dritten Liga wagen.
Robert Lewandowski
Fotocredit: Imago
Im Jahr 2005 war Robert Lewandowski mit 16 Jahren von Delta Warschau zum großen Stadtrivalen Legia gewechselt. Dort wurde er jedoch nach nur einem Jahr aufgrund fehlender Körperlichkeit aussortiert und landete schließlich in Polens dritter Liga bei Znicz Pruszkow. Eine Legende besagt, dass Pruszkow für Lewandowski mit einer Ladung Bälle bezahlte. Andere Quellen geben eine niedrige Ablösesumme an.
Sein ehemaliger Sportdirektor Sylwiusz Mucha-Orlinski erinnert sich im Gespräch mit Eurosport allerdings so: "Wir haben keinen Penny für ihn bezahlt." Mit einem silbernen Fiat sei der damals knapp 18-jährige Lewandowski zur Saison 2006/07 mit seiner Mutter Iwona vorgefahren.
"Er hatte ein Angebot von uns vorliegen, aber wir waren nicht sein Traum-Verein - er hatte größere Ambitionen", sagt Mucha-Orlinski: "Aber damals waren eben keine anderen Klubs an ihm interessiert. Er war verletzt, brauchte vier Monate, um sich zurückzukämpfen. Wir kannten sein Potenzial und wussten, dass wir einen jungen Spieler wieder aufbauen konnten."
Das gelang bestens. Lewandowski wurde gleich im ersten Jahr Torschützenkönig und führte den Klub zum Aufstieg in die zweite Liga. Dort wiederholte er das Kunststück, krönte sich mit 21 Treffern erneut zum Toptorjäger. Bereits da war das große Potenzial des heutigen Bayern-Stürmers über die Grenzen Polens bekannt, ein verfrühter Wechsel ins Ausland stand für den bodenständigen jungen Mann damals aber nicht zur Debatte.
"Robert war damals nicht an einem Auslandswechsel interessiert. Er hatte einen klaren Plan: Mit Znicz so viel erreichen, wie irgend möglich, in der höchsten polnischen Liga spielen und dann ins Ausland wechseln", erzählt Mucha-Orlinski. Lewandowski sei nicht eines dieser hochgejubelten Talente gewesen. Er habe zwar schon immer "etwas Besonderes an sich" gehabt, seine Entwicklung sei aber eher diskret verlaufen - und Znicz Pruszkow half ihm dabei.
Lewandowski hat Bodenhaftung nie verloren
So sieht es auch sein damaliger Trainer Leszek Ojrzyński: "Heute ist Lewandowski ein Phänomen, der es durch harte Arbeit und Disziplin in die absolute Weltspitze geschafft hat. Ich werde aber immer betonen, dass er bei Znicz hervorragende Mitspieler hatte, die ihm dabei geholfen haben." Ojrzyński macht deutlich, dass der heutige Weltklassestürmer nicht "sofort zwei Klassen besser als alle anderen war".
"Wenn dem so gewesen wäre, hätte er in der dritten polnischen Liga 40 Tore pro Saison geschossen", gibt Ojrzyński zu bedenken und fügt an: "Lewy hat Profifußball systematisch gelernt."
Wenn seine einstigen Weggefährten heute an die gemeinsame Zeit in Pruszkow denken, geht ihnen das Herz auf. "Er ist in der Weltspitze angekommen, aber hat den Kontakt zu seinen alten Kollegen nie abreißen lassen", freut sich Mucha-Orlinski: "Wir haben zwar keinen engen Kontakt mehr, ich rufe ihn nicht bei jeder Gelegenheit an. Aber als ich Robert Champions-League-Titel gratulierte, hat er zurückgeschrieben. Egal wie sehr sich sein Leben verändert hat, er hat nie die Bodenhaftung verloren."
Ehemaliger Mitspieler: "Platze vor Stolz, wenn ich daran denke"
Diesen Eindruck bestätigt auch sein ehemaliger Mitspieler Tomasz Piotrowski: "Wenn ich kann, schaue ich jedes Spiel von Robert im TV. Ich platze vor Stolz, wenn ich daran denke, dass wir zwei Jahre im selben Team gespielt haben." Für Piotrowski ist Lewandowski ein "absolutes Vorbild": "Von Anfang an wusste er, wohin er es im Fußball schaffen wollte. Ehrlich gesagt hat niemand von uns erwartet, dass es so weit gehen wird."
2008 wechselte Lewandowski schließlich zu Lech Posen, von wo ihn Borussia Dortmund 2010 in die Bundesliga holte. 2014 dann der ablösefreie Transfer zum FC Bayern.
Geschafft habe das Lewandowski dank seiner Arbeitseinstellung und einem kühlen Kopf in der Entscheidungsfindung. Piotrowski: "Jeder seiner nachfolgenden Transfers wurde sorgfältig durchdacht, er verfiel nie dem Ruf größerer Vereine. Jetzt kann man ihn bald neben Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf die höchste Stufe heben. Schaut man sich die vergangene Saison an, ist er schon jetzt die Nummer eins."
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Müller traut Lewandowski 40 Bundesliga-Tore zu
Quelle: Perform
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